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Die Insel - Cover (Vorläufig)

Prolog

Die Sonne schien über die Gipfel der entfernten Berge. Die Farbe hatte schon ein leichtes rot angenommen, bald würde es dunkel werden.
Toa Lanta ließ ihre Füße in den kleinen Teich hängen. Seit langem hatten die Toa nichts mehr zu tun, denn der Frieden konnte nach der letzten Schlacht gehalten werden. Doch etwas ließ sich seit längerem an der Sonne Bemerken: Ein dünne Linie, ein kurzer, schwarzer Strich war an ihr. Die meisten hielten es einfach für einen Kometen, der zu nah an der Sonne war. Doch Lanta glaubte nicht daran. Die Linie war einfach schon zu lange da, als dass sie ein Komet sein könnte.
Doch darum kümmerte sie sich jetzt nicht. Sie ließ einfach die Sonne auf ihren Körper scheinen und genoss den Rest des Tages.
Nach kurzer Zeit legte sie sich ins Gras. Die Spitzen der kleinen Halme bogen sich zur Seite und nahmen die Toa sachte auf. Der Tag war einfach perfekt.
Doch nach kurzer Zeit hörte sie etwas aus der Ferne. Mit einem Schlag wurde sie aus ihrem Tagträumen gerissen und setzte sich auf. Sie blickte sich um: Aus einiger Entfernung sah sie, wie sich ein Speederbike näherte. Ein wenig wütend über ihren Ruhestörer stand sie auf, verlor dabei etwas aus ihrer Tasche, dass in den See rollte. Sie fluchte leise, und griff mit der Hand danach. Das Wasser perlte an ihrer hand ab, als sie sie wieder aus dem Wasser zog. In ihrer Hand hatte sie einen kleinen, grauen Stein. Sie musste lächeln. Dieser Gegenstand war ihr Toa-Stein, der sie zu dem verwandelt hatte, was sie jetzt war. Sie steckte ihn ein.
Ihr blick fiel in den See. Auf der Wasseroberfläche spiegelte sich ihr Gesicht wieder. Sie trug eine blaue Kanohi, und ihr langes Haar war zu einem Zopf auf den Rücken geflochten. Ihre Rüstung war komplett blau, und wurde hin und wieder durch einige silberne Teile ergänzt.
Sie wandte sich ab. Der Ruhestörer hatte sein Fahrzeug bereits abgestellt und kam nun auf sie zu.
Es handelte sich um einen Ta-Matoraner. Seine Farbe war dunkelrot, an einigen Stellen aber auch schwarz. Er kam auf Lanta zu und reichte ihr seine Hand.
"Sei gegrüßt, Toa des Wassers. Ich wurde von dem ehrenwerten Turaga geschickt, um dir mitzuteilen, dass du dich umgehend bei ihm einfinden sollst. Die anderen Toa sind auch schon auf dem Weg." sagte er.
"Weshalb? Ist irgendwas los?" fragte sie.
"Das hat er nicht gesagt", antwortete der Matoraner, "Du solltest trotzdem gehen. Du weißt ja selber, wie er reagiert, wenn du zu Spät kommst."
Lanta sah ihn finster an. Er hatte es zwar nicht verdient, denn er musste seine Aufgabe als Botschafter ja erfüllen, aber das interessierte sie nicht. Eine Störung während ihrer privaten Zeit, und dass ohne Begründung, stimmte sie nicht gerade freudig. Dennoch gab sie ihre Einverständis und verabschiedete sich. Sie schob die Blätter, die als Eingang ihrer einfachen Hütte dienten, beiseite. Neben ihrem Bett, auf dem Nachttisch, lag das kleine Zahnrad, womit sie ihr Schiff in Gang setzte. Sie verstaute es in ihre Umhängetasche. Sie sah sich im Raum um. Sicher würden sie wieder auf eine der bescheuerten Erkundungsmissionen geschickt werden, und da brauchte sie ihre Kampfausrüstung. Also streifte sie sich ihre Zivilkleidung ab, legte sie auf ihr Bett und suchte im kleinen Schrank nach den anderen Sachen.
Ihre Rüstung war von Matoranern auf Nynrah angefertigt worden. Sie bestand aus einem Kampfrock, an dem mehrere Wurfmesser befestigt waren. Dazu kam ein Oberteil, dass nur die Merkmale verdeckte, sonst aber keine besonderen Eigenschaften hatte. Dazu gehörten Schulterkappen und Stiefel, die bis zum Knie reichten. Sie Rüstung war komplett silber. Als Waffe besaß sie eine Klinge, die an einem langen Stab befestigt war. Unten war eine blau leuchtene Kugel angebracht. Man musste sie mit zwei Händen führen, und es erforderte ein großes Geschickt, damit umzugehen. Insgesamt sorgte die Rüstung für große Beweglichkeit, auch wenn der Schutz ein wenig eingeschränkt war.
Sie verließ ihre Hütte und machte sich auf zu ihrem Boot. Es lag an dem Fluss, der sich von der Mitte der Insel bis ins Meer zog. Es war ein beinahe stilles Gewässer, deshalb war es einfach, mit dem Motorboot gegen die Strömung anzusteuern. Sie setzte sich auf den Fahrersitz, ließ das Zahnrad in die Halterung einrasten und startete es. Der Motor brummte auf, und sie steurte das Zentrum der Insel, das auch gleichzeitig der Sitz des Turagas war, an.

Das Gebäude

Lanta legte das Boot an dem Flussufer an. Sie zog das Zahnrad aus der Halterung, steckte es ein und zog ein Seil aus dem kleinen Frachtraum. Dieses band sie an an einer der Streben des Bootes. Nun stieg sie aus, ging zu einem nahen Baum und befestigte das andere Ende des Seils dort. Das sollte für die Zeit reichen. Danach machte sie sich auf den Weg zu dem hohen Gebäude, das man schon aus der Ferne sah. Die anderen würden auf sie warten.
Sie machte vor dem großen Tor halt und klopfte. Es kam keine Antwort. Ein wenig misstrauisch ging sie nun um das Gebäude herum, und blickte in jedes Fenster. Überall war es dunkel. Wenn die Einladung hierher so wichtig gewesen war, weshalb war dann niemand da? Es war außerdem noch merkwürdig, dass sie keinen einzigen Matoraner sah. Das fiel ihr erst jetzt auf, denn die gespenstische Stille war plötzlich überall. War alles nur ein Trick von jemandem gewesen? Versuchte er, Lanta in eine Falle zu führen? Sie wusste es nicht. Als reine Vorsichtsmaßnahme nahm sie ihre Waffen hervor und hielt sie mit beiden Händen fest. Dabei blickte sie sich um. Nichts war zu hören. Und plötzlich wurde es dunkel. Panik befiel sie. Sie stellte sich an die Wand des Gebäudes und hielt Ausschau. Was hatte alles verdunkelt?

Die Sonne war untergegangen. Eine ganz einfache Erklärung. Es war sowieso schon spät gewesen, als sie Aufbrach. Doch in ihrem Suchen nach Erklärungen hatte sie einfach nicht mitbekommen, dass die Sonne schon recht tief stand. Aber ein neues Rätsel stellte sich ihr: Die Lampen, die die Wege sonst erhellten, sprangen nicht an. Nun wurde es zunehmend unheimlich.
Urplötzlich spürte sie eine kalte Hand auf der Schulter. Sie schrie laut auf, rollte sich nach vorne ab und hielt ihre Waffe auf das gerichtet, was sie eben berührt hatte. Und es war ein scheußlicher Anblick.
Das Wesen war schwarz und in Toa-Größe, und überall sah man knochen. Die Haut war von irgendwelchen Würmern zerbohrt und sein Atem stank nach Verwesung. Die Kanohi war halb kaputt. Die Augen leuchteten rot. Und es kam auf sie zu.
Laut schreiend vor Panik lief die Toa des Wassers. Doch es tauchten noch mehr der Wesen auf. Und irgendwann passierte das Unvermeidliche: Sie stürzte. Und wurde von eiskalten Händen gepackt. Ihre Schreie hallten durch die Nacht, doch es gab niemanden, der sie erhörte. Dann erstummte der Schrei erstickt. Und auf der Straße war nichts mehr außer einem Blutsspritzer zu sehen.

***

In Metru Nui ging die Sonne unter. Toa Nuhrii stand an der Veranda seines Hauses und blickte auf Ta-Metru. Aus den Schornsteinen stieg Rauch auf und verschwand im dunklen Himmel. Wie sehr wünschte der Toa sich, wieder ein Matoraner zu sein und dort arbeiten zu können. Er hatte sich nie gewünscht, ein Toa zu sein. Doch er und sein Team hatte die Steine bekommen, und so mussten sie ihre Pflicht erfüllen.
Er war so in seinen gedanken vertieft, sodass er nicht bemerkte, wie Vhisola, ebenfalls eine Toa, den kleinen Balkon betrat.
"Du musst deine Bestimmung anerkennen. Ich weiß, dass es schwer ist, aber glaube mir, keiner von uns ist glücklich darüber, ein Toa zu sein. Doch wir müssen unsere Pflicht erfüllen."
Ein wenig erschreckt drehte er sich um, erkannte Vhisola und wurde wieder ruhig.
"Ich weiß. Aber ich glaube, ich bin einfach nicht bereit dafür." sagte er.
Vhisola lächelte und legte ihr Hand an sein Gesicht. "Du wirst sicher ein guter Toa. Ich weiß, dass es deine Bestimmung ist, und zusammen schaffen wir das."
Nuhrii errötete, was man auf seiner Maks natürlich schlecht sah. Er stotterte, bekam aber kein Wort heraus. Vhisola näherte sich ihm, und kam mit ihrem Gesicht auf ihn zu. Sie näherte sich mit ihrem Mund dem seinen.
Doch im letzten Moment drehte sich der Toa des Feuers weg.
"Tut mir Leid." sagte er, "Aber...ich kann es jetzt einfach nicht tun. Endschuldige."
Mit diesen Worten drehte er sich wieder zu ihr um, schritt an ihr vorbei und verschwand im inneren des Gebäudes. Vhisola stand noch eine Weile da. Stille tränen flossen an ihre Maske herunter.

Zusammenruf

Nuhrii eilte zu seinem Zimmer. Er riss die Tür auf, ging hinein und knallte sie wieder zu. Er warf sich auf sein Bett und brach in bittere Tränen aus. Was hatte er nur getan? Wie konnte er es nur ablehnen?
Er bleib noch eine Zeit lang liegen. Er brauchte jetzt unbedingt Zeit, über das geschehene nachzudenken. Und er musste kühlen Kopf bewahren. Wie ein Toa. Alleridngs wusste er genau, dass er keiner war. Das raubte ihm den letzten Nerv. Er musste irgendwas tun, um sich abzulenken. Also stand er auf, wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht und trat aus dem Zimmer, wo er fast mit Toa Tehutti zusammengelaufen wäre. Wütend blickte er weg, aber der andere schien seinen Ärger einfach zu ignorieren. Fröhlich spazierte er ins Zimmer und setzte sich auf Nuhriis Drehstuhl. Pfeifend lehnte er sich zurück und legte die Füße auf seinen Tisch.
Nuhrii fragte sich unweigerlich, ob Tehutti der einzige war, der sein Darsein als Toa genoss. Ärgerlich blickte er den Toa an.
"Was willst du hier!?" sagte er laut.
"Ich wollte dich fragen, ob du mit mir etwas unternehmen möchtest."
Er dachte kurz nach. Eigentlich hatte er keine Lust, mit dem ruhestörenden Toa irgendwas zu "unternehmen". Allerdings würde ihn das sichrelich von Vhisola ablenken. Also stimmte er zu.
Beide verließen das Zimmer, der Toa der Erde fröhlich laufend, während er ihm nur traurig hinterherschlurfte. Allerdings kam es ihm gerade schon ein bisschen komisch vor: Tehutti steuerte den Versammlungsraum an, indem wichtige Besprechungen zwischen den Toa und Turaga Dume abgehalten wurden. Als sie dann die Tür öffneten, fand er genau das vor. Die anderen vier standen vor dem Turaga, der ihnen offenbar etwas erzählte. Als sie eintraten, sahen sie sich um. Vhisolas Blick traf ihn, und er wandte sich schnell ab. Er wollte sie jetzt nicht sehen. Trotzdem gingen er und sein Begleiter zu den fünfen hin.
"Gut, damit ist der Toa des Feuers auch endlich eingetroffen." sprach der Alte.
Grimmig sah Nuhrii Tehutti an. Das war also sein "Unternehmen", eine weitere Mission, bei der er in der Nähe von Vhisola sein musste. Gerade das hatte er versucht zu vermeiden. Doch jetzt gab es kein zurück mehr. Gelangweilt blickte er zu seinem Gegenüber, und dieser begann sofort damit, zu Erzählen: "Wir haben seit einiger keinen Kontakt mehr zu Ksass Nui, eine Insel, die weit entfernt von hier liegt. Es könnte natürlich daran liegen, dass sie ein technisches Problem haben. Allerdings kommt noch eine Anomalie hinzu: Seit längerem hörte man von vielen Inselbewohnern Berichte, sie hätten ein sich langsam näherndes, schwebendes Objekt am Horizont gesehen. Falls der plötzliche Abbruch des Kontaktes etwas damit zu tun hat, könnten die Bewohner in großer Gefahr sein. Also schicke ich euch sechs los, um das zu Untersuchen."
"Ist es nicht zu gefährlich, Metru Nui ohne Toa zurückzulassen?" fragte Ehrye.
"Wie du vielleicht weißt, haben wir immer noch Toa Lhikan und Toa Nidhiki. Sie sind zwar nicht oft hier, aber sie können trotzdem Aufpassen. Außerdem werden wir ja nicht gerade von eine Gefahr bedroht, da könnt ihr guten Gewissens gehen. Morgen sollt ihr aufbrechen."
Nach diesen Worten verließen sie den Raum. Jeder dachte darüber nach. Aber letzendlich mussten sie es ja doch tun, wie es ihnen aufgetragen wurde. Von daher brachte wiedersprechen rein gar nichts.
Auf halben weg zu seinem Zimmer bemerkte Nuhrii, dass ihm jemand folgte. Er tat trotzdem weiterhin so, als ob er nichts bemerkt hätte. Erst als die Gestalt so nahe gekommen war, dass sie ihre Hand auf seine Schulter legte, reagiert er blitzartig. Er ließ seinen Arm hochschnelle und schwang seine Faust, während er sich umdrehte.
Der Schlag saß. Blut spritze an seine Hand, und das Wesen fiel zu Boden. Es war Vhisola.

Er rannte. Wollte nur weg. Das Bild würde ewig in seinen Augen bleiben. Vhisola, mit blutigem Gesicht und traurigen Augen. Was am schlimmsten war, waren die Augen. Der Blick. Und wieder knallte er die Tür. Er griff sich irgendwelche Sachen, stopfte sie in seinen Rucksack und band ihn zu. Frustriert setzte er sich auf sein Bett. Und wieder strömten Tränen. Langsam war er am Überlegen, ob die Toa vor ihm auch so sentimental gewesen waren. Wenn nicht, benahm er sich gerade wie ein Jung-Matoran in der Mittelausbildung, dessen Gefühle von seiner Jugendliebe nicht erwiedert werden konnten. Nur war es diesmal andersherum. Mit einem Gegenstand, der er Wahllos von seinem Nachttisch nahm, warf er nach dem Lichtschalter.
Es wurde dunkel, und er legte sich hin.
In der Nacht verfolgten ihn schreckliche Träume. Vhisola stand in einer Art Ruine, und Nuhrii wollte sie jetzt. Die Gefahr war vorrüber, und sie konnten jetzt zusammen leben. Und sie wollte es auch, dass war ihm klar. Doch es klappte nicht sie fanden nicht zueinander. Und dann tauchte plötzlich wieder das blutige Gesicht von ihr auf. Mit einem lauten Schrei war er Hellwach und saß senkrecht im Bett. Als er realisierte, dass es nur ein Traum gewesen war, legte er sich wieder hin.
Was er nicht wusste, war, dass das erst der Anfang der Träume gewesen war.
Am nächsten Tag verfolgte ihn der Traum immer noch. Doch er nahm seine Sachen, nun etwas beruhigter, und machte sich auf den Weg zu seinem Team.

Hinweise

Am nächsten Tag brachen die Toa Metru auf. Man hatte ihnen ein drei Doppelsitzer-Flugmaschinen bereitgestellt. Der Wind wehte auf der hoch gelegenen Plattform. Nuhrii kam aus dem gebäude, und Wind schlug ihm hart ins Gesicht. Die drei Maschinen standen da, und wackelten ein wenig im Wind. Wie sollen die klapprigen Teile in dem Wind fliegen? fragte er sich innerlich. Trotzdem ging er zu einer Maschine und öffnete den die kleine Vorrichtung, in der die Sachen verstaut werden konnten. Immernoch leicht wütend warf er achtlos seinen Rucksack hinein und schloss die Klappe mit einem Schlag darauf wieder. Nun setzte er sich auf den Fahrersitz und wartete. Dabei bemerkte er, dass an seiner Hand immernoch Blut klebte. Verdammt! dachte er, und versuchte, es sich mit einem Tuch abzureiben. Die anderen durften unter keinen Umständen bemerken, was gestern geschehen war. Und dann kamen sie. Als erstes trat Kodan aus der Tür, ihm folgte Ehrye, Tehutti folgte hopsend und sichtlich vergnügt hinterher, Orkahm schlenderte gelassen hinter den anderen her und als letztes trat Vhisola über die Schwelle. Ihre Maske war immernoch blutig. Also wussten die anderen davon. Verdammt.
Die Toa sahen ihn in der Flugmaschine sitzen, und warfen ihm böse blicke zu. Na toll. Da darf ich wohl alleine fliegen. dachte er. Kodan und Vhisola teilten sich einen Flieger, und Nuhrii bemerkte, wie Kodan der anderen immer wieder besorgte Blicke zuwarf. Dieses Arsch. Jetzt schleimt der sich wirklich bei ihr ein.
Orkahm, Ehrye und Tehutti stritten anscheinend, wer zu ihm gehen sollte. Letzendlich lief es darauf hinaus, dass der Toa der Erde wütend von den anderen wegstampfte. Nuhrii war erstaunt. Bis jetzt war es noch niemanden gelungen, dem ehemaligen Archivar die gute Laune auszutreiben. Aber er freute sich nicht gerade auf seinen Mitreisenden. Was er jetzt wirklich nicht brauchte, waren die dummen und unkomischen Sprüche von ihm. Wütend darüber blickte er einfach nurnoch geradeaus, darauf wartend, dass er endlich einstieg. Nach einiger Zeit war es dann soweit. Alle drei Piloten gaben das Signal durch, dass sie Startbereit waren, und hoben von der Plattform ab.
Der Wind rüttelte stark an dem Metall. Hoffentlich stürzten sie nicht ab und landeten irgendwo im Meer, wo niemand sie finden würde.
Unter ihnen zog Ta-Metru vorrüber. Seine alte Heimat. Das war einen so schöne Zeit gewesen. Nur Masken schmieden, und sich um nichts anderes kümmern. Doch das war ein für allemal vorbei. Seine Bestimmung war ein Dasein als Toa. Damit musste er sich endlich abfinden.
Sie überflogen den riesigen Protodermis-See, wo es nichts besonderes zu sehen gab. Am Tag konnte man dort manchmal Rahi sehen. Doch es war Nacht. man sah nichts außer schwarzen Meer.
Nach langem Flug entdeckte Nuhrii endlich das Licht an der großen Barriere. Es erforderte keine besondere Präzision, hindurchzufliegen. Selbst Luftschiffe hätten keine Problem beim passieren gehabt. Sanft flog er tiefer, und raste problemlos hindurch, die anderen folgten ihm. Kurz danach ging es relativ Steil nach oben. Dann dauerte es nicht mehr lange, und sie schossen in den Himmel hinaus. Unter ihnen war eine andere Insel: Weit größer als Metru Nui, und viel natürlicher. Es gab große Wälder, Wüsten und Steinbrüche. Ihm kam es so vor, als würde er auf eine frühere Version seiner Heimatinsel hinabblicken. Doch jetzt musste er auf den Kurs achten. Sie mussten sehr weit südlich fliegen, was in dieser Geschwindigkeit bis zu ihrem Ziel mehrere Tage dauern konnte. So flogen sie immer höher. Über den Wolken konnten sie erst ihre stärkeren Antriebe starten, da das Geräusch sonst die wilden Rahi auf der unbewohnten Insel taub gemacht hätte. Die Toa konnten es nicht hören; es war auf einer Frequenz, die nur Tiere wahrnehmen konnten. Auf ihrer jetzigen Höhe gab es einen schönen Ausblick auf die Wolken, doch das interessierte ihn nicht. Er startete den starken Antrieb, und nur einige Sekunden später flog er mit einer Geschwindigkeit, die zehnmal so hoch war, wie die vorherige, in Richtung Ksass Nui.

Nach wenigen Minuten stoppte er die rasende Geschwindigkeit. Sie tauchten durch die dichte Wolkendecke, und ihr Blick fiel auf die kleine, eher unförmige Insel. Es dauerte nicht lange, und sie landeten die Maschinen sachte auf dem unebenen Boden. Sie waren relativ nah am Zentrum gelandet, wo ein hohes Gebäude in den Himmel ragte. Nuhrii stieg aus, ging zum Gepäckraum und holte seinen Rucksack heraus. Die anderen taten ihm gleich. Zuerst liefen sie zu dem Gebäude, was danach aussah, als würden hier wichtige Besprechungen geführt werden. Doch niemand war da. sie leifen einmal um das Gebäude herum, doch in keinem Fenster brannte Licht. Plötzlich hörten sie aufgeregtes Rufen:
"Seht mal, hier drüben!" rief die Stimme von Ehrye. Er und die anderen wandten sich um und liefen zu dem Toa des Eises. Auf dem Boden war Blut. Es war hastig verwischt worden. Und etwas lag darin.
Nuhrii griff in die Pfütze. Der gegenstand war nur klein, aber als er ihn genauer betrachtete, sah er, dass es sich um ein Zahnrad handelte. Und zwar eines, das in ein Ga-Matoranisches Boot eingesetzt worden war. Man erkannte es ganz einfach: In dem zahnrad war ein Abbild der Kanohi Kaukau eingmeißelt worden. Und das war das Zeichen für Ga-Metru.
"Verteilt euch! Sucht nach einem Boot! Vielleicht gibt es uns einen Hinweis!" rief er den anderen zu. Ein wenig zögernd standen sie auf. Er war nicht ihr anführer, das wusste er, aber da keiner eine bessere Idee hatte, folgten sie seinem Ausruf. Während der Zeit sah Nuhrii noch einmal nach den Flugfahrzeugen, denn er hatte vergessen, das Antreibszahnrad aus seiner Maschien zu ziehen.
Als er ankam, erschrack er: Die Geräte waren zerlöchert von Metallwaffen, und Dampf stieg aus ihnen heraus. Eine Gestalt sah ihn an. Sie hatte rot leuchtende Augen. Mit einem AUfschrei drehte Nuhrii sich um, rannte los und schrie laut um Unterstützung. Doch es war zu spät. eine Hand hatte sein Bein ergriffen und er fiel. Alles wurde schwarz.

Matoraner!

Er lief, fiel, rappelte sich wieder auf, und lief weiter. Seine Kanohi war bereits halb zerkratzt und er wies viele Wunden auf. Hinter ihm lief die Gestalt; die halb vermoderten Wesen hatten ihn versucht zu töten. Doch er kannte ihre Schwächen nicht, sonst hätte er sie einfach töten können. Und mal wieder stellte sich Nuhrii die Frage: Kann Feuer Untote aufhalten?
Er hatte keine Energie mehr. Sie waren so weit gerannt. Doch sein Verfolger hatte damit anscheinend keine Probleme. Also blieb dem Toa des Feuers keine andere Wahl. Er zentrierte seine Elementarkraft, erschuf einen glühenden Ball zwischen den Händen, drehte sich um und ließ es auf ihn fliegen. Die Wirkung war heftiger als erwartet: Die Kugel brannte ein Loch in ihn hinein, das Feuer breitete sich aus und ließ ihn verbrennen. Während er lodernd zugrunde ging, stieß er einen ohrenbetäubenden Schrei aus, der Nuhrii eine kurze Zeit lang betäubte. Doch am Schluss blieb nichts als Asche von dem Geschöpf übrig.
Keuchend stand er da. Kühle Luft strich über seine Rüstung. Es war geschafft. Doch wie viele von denen waren noch auf der Insel?
Er blickte sich um. Die Gegend kannte er nicht. Das Einzige, was er sah, waren Häuser, die leer, dunkel und teils kaputt in der Landschaft standen. Nur am Horizont konnte er den großen Turm sehen, bei dem er noch vor kurzem gestanden hatte. Das war sein einziger Wegweiser.
Er war nun schon eine Weile unterwegs, hatte aber niemanden mehr gesehen. Scheinbar hatte er mit seinem Angriff die anderen Wiedergänger verschreckt, sodass sie erst einmal von ihm abgelassen hatten.
In einem Busch knackte es leise. Rasch drehte er sich in die Richtung. War er in einen Hinterhalt geraten?
Die Antwort folgte wenige Sekunden später. Ein Speer aus Holz flog aus dem Busch und bohrte sich in seine Schulter. Nuhrii schrie auf und griff danach. Doch bevor er ihn herauszog, fiel ihm etwas auf: Die Spitze brannte. Wenn diese Untoten durch Feuer vernichtet werden konnten, warum sollten sie dann damit kämpfen. Es gab nur eine Möglichkeit.
"Ich bin keiner von denen!" rief er. Keine Antwort folgte. Nur leises rascheln, dann wieder Stille.
Doch kurz danach sagte eine etwas raue Stimme: "Beweise es!"
Er musste fast jubeln. Es handelte sich eindutig um einen Matoraner. Die Stimme und die Reaktion bewiesen dies. Nurhii grinste, dann ließ er einen kleinen Feuerball in seiner Hand entfachen; es reichte als Beweis. Diese Fähigkeit konnte keiner der Krieger haben, und zu seinem Glück dachten die Matoraner auch so.
Als erstes trat ein Po-Matoraner aus dem Gebüsch: Er hatte die typische Färbung und trug eine Kanohi Rau. Das frühere Hellbraun war mit Blut besprenkelt. Und dem Matoraner fehlte eine Hand. Wut lag in seinen Augen. Sicherlich hatte er schon Dinge erlebt, die sonst nur Toa durchmachten.
Die anderen waren normal, sie hatten auch hier und da kleine Verletzungen, jedoch fehlte ihnen sonst nichts. Insgesamt waren es nur fünf. Seine Hoffnung, alle Bewohner hier zu finden, verschwand. Aber immerhin gab es überhaupt Überlebende.
Die Matoraner folgten ihm schweigend. Doch der Weg zurück zum Turm blieb ereignislos. So kam die Gruppe endlich an.

Die sechs traten auf den Platz. Die kaputten Flugfahrzeuge waren immernoch an Ort und Stelle. Doch die Toa fehlten. Nuhrii fluchte leise. Wo waren sie?
So begann die kleine Gruppe, nach ihnen zu suchen. Doch zu finden waren sie nicht.

Als die Sonne dann schon tief am Horizont stand, gaben sie auf. Sie hatten eine Ewigkeit gesucht. Erschöpft ließ er sich auf den Boden fallen und blickte zur Sonne. Ein einzelner, dunkler Strich verdunkelte sie. Sofort sprang er auf.
Er wusste jetzt, wo die Toa waren.

Epilog

Er berichtete der Matoranergruppe von seinem Vorhaben. Seine Theorie mochte verrückt klingen; aber was bedeute das schon unter diesen Umständen? Hier liefen Untote herum, die halb vermodert waren und an denen kleine Insektenrahi kletterten. Es konnte alles möglich sein. Doch sie würden eines der Flugfahrzeuge brauchen, um hier weg und zu ihren Ziel zu gelangen. Doch die Geräte lagen leicht brennend neben dem Turm.
Sie zögerten nicht lange: Sie brauchten eine Maschine, die noch halbwegs intakt war, und fanden diese auch schnell. Der Motor war allerdings beschädigt worden und musste entfernt werden. Aus den drei Maschinen wurde dann eine und zwei Wracks, die sie einfach liegen ließen. Eifrig stieg Nuhrii in das Cockpit. Er ließ das kleine Antriebszahnrad in die Halterung einrasten und drehte es. Der Motor brummte auf und er griff nach dem Steurrad. Doch eine schwarz gepanzerte Hand hielt ihn zurück.
"Toa." sagte die Stimme des Po-Matoraners, "Du musst zurück zu deiner Insel. Hole Verstärkung. Wir führen deine Idee aus."
Erschrocken sah der Toa den Matoraner an. "Aber ohne mich habt ihr doch keine Chance! Ihr braucht einen Toa!"
Der kleinere sah ihn an. "Wir haben hier schon viel überlebt. Wir können es auch mit dem Boot erreichen, genügend Teile zum Umbau liegen hier ja. Flieg los. Bitte. Wir sind nur Matoraner, die von dem Rest der Welt so gut wie vergessen wurden. Das Ziel eines Toa ist es nicht, sich in auswegslose Kämpfe zu stürzen. Auch du musst dich einmal zurückziehen."
Nuhrii schwieg. Der Matoraner hatte einerseits recht. Es wäre falsch, sich alleine auf eine unbekannte Welt zu begeben und dort sogar zu sterben. Im Universum gab es nicht mehr viele von seiner Art, und er konnte nicht riskieren, dass durch seine Dummheit sein ganzes Team unterging. Also entschied er sich.
Mit einem schweren Seufzen wandte er sich von dem Matoraner ab, kramte aus seiner Tasche das kleine Antriebsrad heraus und drückte es dem anderen in die Hand. Ohne ein weiters Wort setze er die Flugmaschine in Bewegung. Die kleinen Wesen wichen zurück, und sahen ihm hinterher. Das Flugschiff verschwand am Himmel, der sich bereits langsam dunkel verfärbte. Alleine blieben sie auf dem Platz stehen.

Der Matoraner, dessen Name Darjek war, wandte sich zu der untergehenden Sonne um, die von einem dünnen Strich leicht verdunkelt wurde.
"Das ist also Die Insel. So viele Geheimnisse. Und seit dem sie dort am Horizont ist, werden wir von dem Tod regelrecht verfolgt. Vielleicht wurden die anderen dorthin verschleppt. Jedenfalls werden wir sicherlich die Ersten sein, die freiwillig dort hingehen!"


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