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Entstehung eines Universums.png

Anmerkung des Autors: Entstehung eines Universums ist ein Epos, der von Greg Farshtey geschrieben, und inoffiziell von Nathanael1711 und Toa-Nuva übersetzt. Ich habe an einem Punkt der Geschichte verändert, und dadurch entstand das Nebenuniversum Jinok.


Nidhiki´s Verrat

Toa Lhikan schlich still durch die dunklen Straßen von Ta-Metru. In dieser Nacht war es absolut still, als ob sein Zuhause zu einer Stadt der Toten geworden wärde. Selbst die Schatten schienen von der Angst, die in Metru Nui herrschte, berührt zu sein.

Er wollte eine kleine Flamme erschaffen, überlegte es sich dann jedoch wieder anders. Turaga Dume hatte ihn gewarnt, dass er seine Position durch die Nutzung seiner Kräfte verraten würde. Der Feind würde die Quelle der Flamme finden, und wenn sie ihn zu weit vom Kolosseum fanden … er hatte schon gesehen, was mit anderen Toa passiert war, die leichtsinnig geworden waren.

Du kannst dir ein oder zwei Fehler erlauben, wenn du gegen Rahi kämpftst, erinnerte er sich. Aber nicht gegen diese Gegner. Alles, was sie brauchen, ist der kleinste Fehler, und –

Ein Geräusch kam von oben – Metall, das gegen Stein kratzte, ohne Zweifel von einem der Dächer. Ein Hinterhalt? Die Dunklen Jäger waren mehr als fähig dazu – und zu schlimmerem. Lhikan aktivierte seine Maske des Schutzes, erschuf ein Kraftfeld um sich herum, und zog seine großen Schwerter. Wer – oder was – hinter ihm her war, würde eine Überraschung erleben.

Eine ihm bekannte Maske tauchte am Rand des Daches einer Gießerei auf. „Entspann’ dich, Bruder. Ich bin es!“

Toa Nidhiki sprang herunter und landete neben seinem Kameraden. Seine smaragdgrüne Rüstung war von unzählbar vielen Kämpfen sehr stark beschädigt. „Mitternachtsspaziergänge, was?”, flüsterte er. „Was ist der Grund dafür, stellt dir der Krieg nicht genug Aufgaben?”

„Du solltest im Kolosseum sein, mit den anderen”, antwortete Lhikan.

„Mir war langweilig. Außerdem sollten sechs Toa genug sein, um einen einzigen Turaga zu beschützen.”

„Nicht, wenn meine Vermutungen stimmen”, sagte Lhikan grimmig. “Nicht, wenn sie hinter ihm her sind. Die halbe Legion könnte dort drinnen sein, und er wäre immer noch nicht sicher.”

Nidhiki lächelte unter seiner Maske der Tarnung. „Du machst dir zu viel Sorgen, Bruder. Das hast du schon immer. Weißt du noch als alle diese Türme des Wissens in Ko-Metru zerschmettert wurden? Du warst dir sicher, dass der Kanohi-Drache wieder da war. Und dann waren es nur ein paar miesgelaunte Eisfledermäuse.”

„Dann munter mich mal auf!“, sagte Lhikan. „Ich gehe nach Westen und patroulliere dort. Du gehst nach Norden. Benutze deine Maske, bleib aus dem Sichtfeld anderer, und bei Mata Nui, wenn du Dunkle Jäger siehst, hol diesmal Hilfe!

„Mit dir macht die ständige Gewalt fast keinen Spaß mehr“, kicherte Nidhiki, während er verschwand.

***

Toa Nidhiki wanderte durch die breiten Straßen von Ga-Metru, an Tempeln, Schulen und Kanälen vorbei. Von allen Metru mochte er dieses hier am wenigsten. Es sah einfach so sauber und ordentlich aus. Wenn hier etwas Wasser auf die Straßen schwappen würde, würden sie wahrscheinlich ein halbes Dutzend Vahki-Patroullien herbeirufen und einen Metru-weiten Notfall ausrufen.

Er hatte die Maske der Heimlichkeit, mit der er sich geisterhaft, kaum sichtbar und absolut geräuschlos machen konnte, schon lange deaktiviert. So nützlich die Maske auch war, es störte ihn, wenn er seine eigenen Schritte nicht hören konnte. Lhikan hätte wohl gesagt, er würde „unnötige Risiken auf sich nehmen“. Aber Nidhiki bezweifelte ernsthaft, dass sich ein Dunkler Jäger in dieses bildschöne, himmelblaue, ach-so-ordentliche Metru verlaufen würde.

Etwas krabbelte rechts neben ihm durch den Schatten. Er sprang auf, als er eine Röhrenspinne bei ihrer nächtlichen Jagd bemerkte. Er hätte es zwar nie einem seiner Toa-Brüder verraten, aber Nidhiki widerten Röhrenspinnen, Nui-Jaga, Nui-Rama und alle anderen insektenartigen Rahi an. Wenn es nach ihm gehen würde, wäre Metru Nui schon lange von allen mehrbeinigen, krabbelnden Dingen befreit.

Nidhiki wartete, bis die Spinne außer Sichtweite war, bevor er, etwas vorsichtiger als zuvor, weiterging. Und nur weil er nun ein klein wenig vorsichtiger war, bemerkte er auch die Figur, die von Schatten zu Schatten huschte. Es war das erste Mal, dass er jemanden sah, der sich in den Schatten offenbar genau so sehr zu Hause fühlte wie er. Fasziniert folgte er ihr.

Zwei Dinge wurden schnell klar. Erstens war die Verfolgte keine Toa – sie trug keine Kanohi-Maske, und sie war viel zu gut darin, sich ungesehen und geräuschlos durch die Nacht zu bewegen. Toa waren im Allgemeinen nicht sehr gut im Schleichen. Sie waren einfach zu stolze und bekannte Helden für so etwas. Nidhiki war da eine Ausnahme. Wo er her kam, mussten die Toa vom Schatten aus angreifen, sonst lebten sie nicht lange.

Das zweite war ihr Ziel. Sie bewegte sich auf direktem Wege in Richtung Südwesten zum Kolosseum. Normalerweise wäre Nidhiki das wegen der hohen Sicherheit egal gewesen. Aber was, wenn diese Dunkle Jägerin tatsächlich gut genug wäre, um es hineinzuschaffen, und dann wer-weiß-was mit Turaga Dume anstellen würde?

Nidhiki blieb stehen, nahm seine Sense und zielte dorthin, wo sie sein würde, nicht wo sie jetzt war. Dann erzeugte er einen kleinen, gezielten Luftstoß mit der Stärke eines Hurrikans dorthin. Sie drehte sich nicht um. Sie schrie nicht auf. Sie sprang einfach nur zur Seite, als ob er einen Kodan-Ball auf sie geworfen hätte; landete geräuschlos und wirbelte zu ihm herum. Ihr Lächeln war eine Herausforderung.

„Danke für den angenehmen Luftzug!“, sagte sie leise. „Jagen ist harte Arbeit!“

„Dann brauchst du vielleicht etwas Frostigeres!“, antwortete er. Diesmal schickte er elementare Luft-Kraft von beiden Seiten seiner Waffe, um sie einzuklammern. Zu seiner Überraschung machte sie aus dem Stehen einen Salto, und wich beiden Angriffen elegant aus. Schon bevor sie wieder auf beiden Beinen Stand, schleuderte sie zwei Dolche in seine Richtung geschleudert. Einer schoss gerade noch an seiner Maske vorbei, der andere schnitt beim Vorbeifliegen in die Rüstung an seiner rechten Schulter.

„Offenbar bringt man euch im Toa-Training wohl kein Ausweichen bei“, sagte die Dunkle Jägerin. „Kein Wunder, dass eure Stadt am Ende ist.“

Nidhiki blickte von dem Schnitt in seiner Rüstung zurück zu seinem Feind. Sie hatte ihn absichtlich verfehlt, das war sicher. Wenn sie ihn töten hätte wollen, dann wäre er jetzt auch tot.

„Nicht meine Stadt“, antwortete er. „Aber ein Ort, den ich genauso beschütze.“

„Oh. Eine Sache der Ehre?“

Nidhiki überlegte, bevor er antwortete. „Sagen wir lieber, keine besseren Angebote.“

Er blickte für den Bruchteil einer Sekunde weg, um seine Sense bereitzuhalten. Als er wieder aufsah, war sie weg, verschwunden wie Rauch im Nachtwind. Nidhiki stand bewegungslos da, er atmete nichteinmal, seine Beine waren angespannt und bereit, jederzeit zu springen. Als ein Kriegsveteran war ihm klar, dass er jetzt nicht in Panik geraten durfte. So lange er nicht wusste, wo sie war, könnte jede Bewegung die falsche sein. Er aktivierte seine Maskenkraft und verschwand im Schatten.

„Oh, du bist gut!“

Ihre Stimme kam von oben. Sie saß zwischen den Röhren und beobachtete ihn. Es war das perfekte Versteck – ein Wind, der stark genug wäre, um sie von dort zu vertreiben, würde auch die Röhre beschädigen und auf ihn stürzen lassen, und wenn er zu ihr hochklettern würde, wäre das Selbstmord.

„Ich könnte dich jetzt auf der Stelle töten, Toa“, redete sie weiter. „Aber ich habe mein Kontingent für heute schon erfüllt. Also werde ich dich einfach hier lassen und deinen geschätzten Turaga töten. Wenn du Angst vor der Dunkelheit hast… na ja, das solltest du auch.“

Nidhiki blieb still, bis ein weiterer Dolch sich in die Wand hinter ihm bohrte.

„Antworte, wenn ich mit dir rede!“, sagte die Dunkle Jägerin. „Ich weiß schon, wo du bist! Ich kann deine Angst riechen!“

Der Toa versuchte, sich zu beruhigen. Er war schon öfters in schwierigen Situationen gewesen und hatte sich immer irgendwie herausreden können. Das hier sollte nicht viel schwerer sein. „Du wirst es niemals schaffen. Die Sicherheit ist zu hoch.“

„Ich werde dir schon noch das Gegenteil beweisen. Oder … hast du einen besseren Plan?“

„Wir sind Feinde, schon vergessen?“

„Das müssen wir aber nicht!“ Ihre Stimme war nun über und hinter ihm. Er drehte sich um, aber konnte sie immer noch nicht sehen. „Wie viele Toa wart ihr am Anfang? Einhundert? Zweihundert? Und wie viele sind jetzt noch von euch übrig, vielleicht ein paar Dutzend? Die Dunklen Jäger kontrollieren die halbe Stadt, und bald haben wir auch die andere Hälfte. Sobald das hier vorbei bist, bist du nur noch eine von vielen Masken im Haufen.“

Das traf den Toa tief. In den Monaten, seit Turaga Dume den Dunklen Jägern verboten hatte, eine Basis auf Metru Nui zu errichten, waren zahllose Toa gefallen. Die meisten waren aus dem Schatten angegriffen worden, ohne auch nur zu wissen, dass ihr Feind überhaupt da war. Oh, es hatte einige Siege gegeben – Nidhiki hatte mehr als seinen Anteil aufgespürt, und Lhikan war im Kampf sechs Toa wert – aber sie alle wussten, dass die Jäger ihnen zahlenmäßig überlegen waren. Es war alles nur noch eine Frage der Zeit.

„Wenn du sterben willst, kann ich dir gerne dabei helfen“, fügte sie hinzu. „Aber wenn du leben willst … könnte ich etwas arrangieren.“

Ein langer Moment verging. Dann senkte Nidhiki seine Sense. Eine Sekunde später landete die Dunkle Jägerin namens Lariska vor ihm auf dem Boden. Sie hielt immer noch ihre Dolche bereit. „Der Schattige – mein Arbeitgeber – sucht immer nach neuen Talenten“, sagte sie. „Wenn du uns hilfst, das Kolosseum zu übernehmen, kannst du uns deinen Preis dafür nennen.“

Nidhiki hatte die Qual der Wahl. Wenn er die Toa betrügen würden, würde sein Name ehrlos in die Geschichte eingehen … oder?

Wer würde es schon weitererzählen?, fragte er sich. Die Toa werden alle tot sein. Die Matoraner? Die glauben, was man ihnen sagt. Und die Dunklen Jäger? Klar, als ob irgendjemand denen zuhören würde.

„Metru Nui“, sagte er bestimmt. „Ich gebe euch Dume, Lhikan und den Rest, und ich bekomme die Stadt zum Beherrschen. Das ist mein Angebot, nimm es an oder hau ab!“

Lariska grinste. „Ich glaube, meine Wahl ist eher, ob ich es annehmen oder dich auf der Stelle töten soll. Aber ich lass das mal durchgehen. Komm morgen Nacht wieder hierher – ich werde dir dann unsere Antwort sagen.“

***

Der nächste Tag dauerte ewig. Nidhiki verbrachte die ganze Zeit, in dem er durch die Halle des Kolosseums wanderte und sich vorstellte, wie er das alles kontrollieren würde. Hin und wieder überkamen ihn Schuldgefühle für das, was er tun wollte. Aber dann erinnerte er sich, dass Dume und die anderen Toa selbst schuld waren, dafür, dass sie dachten, sie hätten auch nur eine Chance gegen die Dunklen Jäger.

Als die beiden Sonnen untergingen, kam Lhikan auf ihn zu. „Nidhiki, da bist du also! Es kommt ein Schiff mit Unterstützung aus dem Süden. Ich will, dass du sie abholst.

„Alles klar!“, antwortete Nidhiki, er war ihm dankbar für diese Ausrede, abzuhauen. „Ohne Vorräte halten wir schließlich keine Belagerung bis zum bitteren Ende durch, nicht wahr?“

Er verschwand, bevor Lhikan antworten konnte.

***

„Abgemacht!“, sagte Lariska. „Morgen führst du Lhikan und die Kolosseums-Wache in die Schlucht des Endlosen Flüsterns in Po-Metru. Wir werden in den Höhlen versteckt warten. Sobald das alles vorbei ist, kümmere ich mich persönlich um Dume … und die Stadt gehört dir, Nidhiki. Was wirst du mit ihr tun?“

Nidhiki setzte sich auf eine Bank und streckte seine Beine aus. „Vielleicht solltest du in der Gegend bleiben, Lariska, und es dir selbst ansehen.“

***

Nidhiki's Neuigkeiten schlugen im Kolosseum wie ein Blitz ein. Die Dunklen Jäger hatten ein Basis-Camp in einer Schlucht in Po-Metru aufgestellt. Alles, was sie taten, wurde von dort aus gelenkt. Ein schneller Angriff und der Krieg wäre vorbei.

„Wir werden jeden Toa brauchen, den wir auftreiben können“, erklärte er Lhikan. „Wir können es nicht riskieren, diese Gelegenheit zu verlieren, nur weil wir jemanden im Kolosseum zurückgelassen haben.“

Lhikan sah Dume an. Der Turaga nickte. „Nidhiki hat Recht. Wir werden wahrscheinlich nie wieder eine solche Chance haben.“

„Alles klar!“, sagte Lhikan. „Ich werde die Wache versammeln. Wir gehen sofort los!“

Weniger als fünfzehn Minuten später waren sie schon unterwegs, über einhundert Toa, angeführt von Lhikan und Nidhiki. Die gepanzerten Füße wirbelten riesige Staubwolken auf, als sie die alten Pfade durch Po-Metru entlangreisten. Jeder von ihnen hatte ein Toa-Bruder oder eine -Schwester im Kampf verloren und wollte, dass alles so schnell wie möglich endete. Aber nicht, bevor sie die Dunklen Jäger für ihre Verbrechen bezahlen lassen hatten.

Seite an Seite marschierten sie in die Schlucht des Endlosen Flüsterns. Der Schall ihrer Schritte echote immer wieder. Die Sonne erhitzte den Stein, so weit man sehen konnte. Ein paar Flug-Rahi flogen in der Hitze umher. Doch von einem Basis-Camp der Dunklen Jäger war nichts zu sehen.

„Wo ist es?“, fragte Lhikan zu Nidhiki gewandt. „Du sagtest, der Krieg könnte heute enden.“

„Das wird er auch“, antwortete der Toa der Luft. Rund um sie herum kamen die Dunklen Jäger aus ihren Verstecken hervor, die Waffen auf die Helden gerichtet. „Es tut mir leid, dass es so kommen musste, Bruder.“

Lhikan schüttelte den Kopf. „Es tut dir nicht halb so leid wie mir … und nenn mich nie wieder ‚Bruder’!“

Der Arm des Toa des Feuers schoss nach oben. Plötzlich erschienen Toa oben an den Schluchtwänden, ein Dutzend, Einhundert, dann Zweihundert, und immer mehr. Sie sagten nichts, sondern zielten einfach nur mit ihren Waffen auf die nun umzingelten Dunklen Jäger. Nun waren die Jäger die Gejagten, und hilflos blickten sie auf Lariska. Sie überlegte, zuckte schließlich mit den Schultern und ließ ihre Dolche fallen.

„Sehr elegant“, sagte sie zu Nidhiki. „Du hast mich überlistet.“


Lhikan sah seinen Bruder an. Er und Nidhiki wussten beide, dass Nidhiki sie nicht überlistet hatte. Doch Lhikan sagte nichts zu Nidhiki sonder sprach:

„Gut, Bruder. Der Trick hat geklappt."

Nidhiki sah in erst verdutzt an, doch dann spielte er mit und sprach: „Und die Verstärkung ist rechtzeitig angekommen."

Nun mischte sich Lariska in die Unterhaltung ein. „Was werdet ihr jetzt tun, uns ins Meer werfen?"

„Nein." sagte Lhikan, „Wir lassen euch gehen, aber ihr dürft nie mehr einen Schritt auf diese Insel wagen!“

Epilog

Die dunklen Jäger zogen ab. Lhikan verzieh Nidhiki für sein Verhalten. Denn in solchen Situationen hätte er das gleiche getan, meinte er. Nun ist wieder eine glückliche Zeit auf Metru Nui. Doch 1000 Jahre später wurde Mata Nui durch eine Katastrophe, die durch einen anderen Toa ausgelöst wurde, in einen tiefen Schlaf versetzt.


Jinok-Universum

Saga 1: Die Insel | A dangerous Mission continues | Life vs. Death | Downfall | A new home
Saga 2: Die Trümmer von Mata Nui | Dark Mirror | The Kingdom | Traitor | Bara Magna | Der Beginn eines Krieges

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