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Heathers Entscheidung (Shrike14)

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Fortsetzung von Heathers Mentor

Prolog

Duncan Wardens hellgrauer Bot stand mit leicht gespreizten Beinen auf dem halb abgerissenen Dach des ehemaligen Einfamilienhauses einer mittelständischen Familie. Von der Familie waren nur noch verkohlte Überreste übrig.
Duncan hatte jedoch keine Zeit, sich um die achtlos aufeinander geworfenen Körper zu kümmern, da er gerade mitten in einem Kampf mit dem dafür verantwortlichen steckte. Es handelte sich um einen Roboter, der etwa doppelt so groß war, wie derjenige, den Duncan gerade steuerte und gehörte im Gegensatz zu dem seinen nicht zur Hero Factory.
Der Roboter war von einem spiegelndem Grau, auf dem sich inzwischen schon eine Menge Staub von zerfetzten Häusern abgesetzt hatte. Statt einer rechten Hand besaß der Roboter eine Art riesige Zange, die er sowohl zum Greifen als auch zum Schneiden verwenden konnte. Seine linke Hand wurde von einem großen Flammenwerfer repräsentiert, mit dem er die Familie vaporisiert hatte.
Jeder andere wäre bei diesem Anblick wahrscheinlich nervös geworden, aber Duncan gehörte zu den besten Mitgliedern der Hero Factory und hatte schon die Schwachstelle des Roboters ermittelt: Wenn der Flammenwerfer aktiv war, wurde ein Ventilator aktiviert, der die Maschine kühlen sollte, und dieser Ventilator setzte einen etwa 20 cm breiten Kanal frei, den Duncan nur treffen musste um die Steuereinheit zu deaktivieren. Eine seiner leichtesten Übungen.
Als der Roboter gerade nichts ahnend den Werfer aktivieren wollte, spürte Duncan etwas in seiner Brust. Er blickte reflexartig hinab und sah... nichts! Dann folgte ein Gefühl, wie das, wenn man die Bot-Steuer-Einheit wieder verließ.

Dann sah er nichts mehr. Nie wieder!

Der Neue

Heather Bryce stand stolz vor ihrem Bot. Es handelte sich um eine komplett schwarze Maschine, die sich trotz des Metalls, aus dem sie bestand einiger weibliche Züge rühmen konnte. Sie hatte ihn gerade, wie jeden zweiten Tag poliert und die Technik überprüft. Er funktionierte wie immer einwandfrei.
Nachdem sie die Arbeit beendet hatte, wollte sie auf ihr Zimmer gehen, als ihr plötzlich ein Junge entgegenkam. Er war gerade mal 20, demnach also noch nicht lange dabei und anscheinend noch in der „Botenphase“, denn als er sie sah hielt er an und verkündigte ihr nach einigen kurzen Atempausen zum Verschnaufen: „Der Boss will dich sprechen!“
Der Boss war Will Havering, der diese Organisation vor etwa 20 Jahren von seinem Vater übernommen hatte und sie nun leitete.
Genervt warf Heather das Putztuch über ihre Schulter, wo sie es liegen ließ. „Was will er denn?“, wollte sie von dem Boten wissen und musste daran denken, wie sie das letzte mal zu ihm gerufen worden war. Das war gewesen, als ihr ehemaliger Mentor und guter Freund Duncan Warden gestorben war. Die offizielle Todesursache war eine Fehlfunktion in der Steuer-Einheit gewesen, aber Havering hatte vor Heather zugegeben, dass das nicht stimmte. Irgendjemand hatte ihn getötet. Jemand von innerhalb der Organisation. Hoffentlich war nicht noch etwas geschehen.
Diese Gedanken beschäftigten sie, während sie eilig zu Haverings Büro hechtete.
Dort angekommen bemerkte sie, dass sie immer noch den grauen Overall trug, den sie sich gekauft hatte, um sich beim Arbeiten nicht schmutzig zu machen. Es war ihr egal und sie trat in das geräumige Büro ein, in dem der Chef der Hero Factory sie bereits erwartete. Auf einem der beiden Stühle vor dem riesigen Schreibtisch, an dem er saß, konnte Heather den Rücken eines Mannes erkennen, den sie nicht kannte. Oder zumindest nicht erkannte. Sie schlenderte zu dem noch freien Platz und setzte sich. Dabei warf sie einen flüchtigen Blick auf den anderen Gast.
Er war mit seinen ungefähr 35 Jahren ungefähr fünf Jahre älter als sie. Wie sie seiner Hautfarbe entnehmen konnte, stammte er aus einer etwas sonnigeren Region. Er trug eine dicke schwarz geränderte Brille und hatte kurz geschorene Haare im selben Farbton.
In seinen Händen hielt er eine Art hellgrauen Aktenkoffer mit dem Symbol der Hero Factory. Als Heather seine schmächtigen Hände betrachtete, bemerkte sie, dass ihm ein Finger fehlte. Genauer gesagt der rechte Zeigefinger, der in einem einen halben Zentimeter langen Stumpf endete.
Der unbekannte trug eine ausgeblichene schwarze Jeans und ein hellgrünes Hemd, dass bis zum obersten Knopf zugeknöpft war.

„Heather, endlich bist du da!“, begrüßte Havering sie, worauf Heather nur nickte und unauffällig auf den anderen deutete.
Havering, der ihr Zeichen offenbar richtig verstanden hatte, erklärte: „Heather, das ist Jack Logan, Logan, das ist eine meiner besten Angestellten, Heather Bryce. Sie wird dir bei deiner weiteren Ausbildung zur Hand gehen.“
Heather verzichtete darauf, Havering zu erklären, dass sie nicht mit anderen zusammenarbeitete, denn wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann setzte er das auch durch. Und anscheinend hatte er sich diesmal in den Kopf gesetzt, dass Heather diesen Jack Logan ausbilden sollte.
Sie reichte ihm die rechte Hand und als er ihr seine Hand gab, bemerkte sie bewusst einen Gegensatz zwischen den beiden, der sie auf irgendeine Art verband:
Aufgrund eines Geburtsfehlers war ihr rechter kleiner Finger perfekt verdoppelt. Zusammen besaßen die beiden also genau zehn Finger an ihren rechten Händen.

Das nächste Opfer

Eine schattenhafte Gestalt huschte durch die verlassenen Gänge einer ehemaligen Lagerhalle, die nun ausgemustert war und leer stand. Die Gestalt hechtete in Richtung eines kleinen Gegenstandes, der auf der entgegengesetzten Seite der Halle auf einer leeren Holzkiste lag.
Die Gestalt glaubte sich unbeobachtet, doch ein wachsames paar technischer Augen beobachtete die Bewegungen ganz genau. Der schemenhafte Umriss, den die Auen wahrnahmen, hatte sein Ziel erreicht und stand vor der Holzkiste. Bedächtig griff er nach der hellgrünen Stange, dessen Aussehen an einen so genannten Staffelstab erinnerte, den man vor hunderten Jahren beim Sport verwendet hatte. Mit einem geschmeidigen Sprung stellte sich der Bot zu dem das Augenpaar gehörte der Scheme in den Weg. Aufgrund des Halbdunkels, das hier herrschte nahm die Beherrscherin des Bots, Heather Bryce, nur den Umriss der Gestalt wahr, doch sie erkannte die unverkennbare Form eines Neuling-Bots. Natürlich war das nicht die offizielle Bezeichnung, doch jeder bezeichnete sie so, da man einen solchen bekam, wenn man neu in den Außendienst eintrat. Diese Bots waren noch nicht aufgerüstet und verfügten nur über die schwache Standardbewaffnung. Alles andere musste man sich kaufen oder verdienen.
Heather richtete den Blaster der in der Handfläche ihres Bots versteckt war auf den Anfänger. „Nun, Logan, ich denke, du hast versagt!“, erklärte sie ihm, doch dieser dachte nicht daran, aufzugeben. Stattdessen rannte er einige Schritte zur Seite und verwendete die Wand als Sprungfläche um über einen achtlos stehen gelassenen Kistenstapel zu springen. Heather drehte sich um und feuerte dreimal in Richtung des fliehenden Bots, als sie plötzlich spürte, wie die Verbindung zwischen ihr und ihrem Bot beendet wurde. Sie schloss die Augen und fand sich danach im Verbindungsraum wieder. Auf der Liege ihr gegenüber erhob sich gerade Jack Logan, der ebenso fragend aussah, wie Heather ihren eigenen Gesichtsausdruck einschätzte. Sie stand von der Liege auf und strich ihren Anzug wieder glatt. Es handelte sich dabei um eine schwarze Anzughose, sowie ein dunkelrotes Hemd und ein Sakko. Eine Krawatte trug sie nicht. Normalerweise würde sie sich nicht mal ein Sakko anziehen, aber sie war am Abend in einem sehr teuren Restaurant verabredet und ihre Verabredung bestand darauf.
Logan trug die selben Klamotten, die er am Vortag auch angehabt hatte, als die beiden sich kennen gelernt hatten.
„Was ist hier los? Warum wurde die Verbindung abgebrochen?“, wollte Logan wissen.
„Ich habe keine Ahnung!“, gab Heather ehrlich zu. „Das ist noch nie passiert.“, erklärte sie.

Auf einmal stürmte ein Mann herein. Es handelte sich nicht nur um irgendeinen Boten, nein, es war Cedric McCoy, der Leiter der Bot-Station, höchst persönlich.
„Es hat einen weiteren Toten gegeben“, erklärte er in professionellem Tonfall, doch Heather kannte ihn und vermutete, dass es ihn, auch wenn er es nicht zugab, ziemlich mitnahm.
„Um wen handelt es sich?“, wollte Logan wissen.
„Das wird euch nicht gefallen!“, wich McCoy aus. Dann bedeutete er den beiden mitzukommen.
Die drei gingen in den Nebenraum. Dort standen zehn weitere Steuer-Einheiten. Alle vorschriftsgemäß geschlossen, sodass kein Rost im inneren entstehen konnte. Die Kabel, die an das Gehirn geschlossen werden, lagen alle parallel im inneren der so entstandenen Kapseln, die exakt die Form eines menschlichen Körpers hatten, der individuell angepasst werden konnte. Erst auf den zweiten Blick sah Heather das Opfer: Eine der Kapseln war innen komplett mit Blut beschmiert. Nur der Bereich, in dem der Kopf lag war geöffnet worden. Natürlich erkannte Heather das Gesicht sofort. Es handelte sich um Jim Havering, den Sohn des Personalleiters Will Havering.
Auch Logan schien die Leiche erkannt zu haben, denn er wandte sich an McCoy und fragte in merkwürdig gefasstem Tonfall: „Weiß Havering es schon?“
McCoy, dessen grobschlächtiges Gesicht eine Spur von Trauer zeigte schüttelte den Kopf.
Heather konnte sich vorstellen, wie Havering reagieren würde. Er würde vor Trauer durchdrehen und alles in seinem Büro kurz und klein schlagen. Besonders den Boten. Dann fasste Heather einen Entschluss, den sie selbst nicht ganz verstand.
Sie blickte erst in Logans hinter der Brille versteckten dunkelgrünen, gefassten Augen und wandte sich dann McCoys traurigen Augen, die in seinem groben Gesicht so fehl am Platz wirkten, zu und erklärte den beiden: „Ich werde es ihm sagen.“

Die Verabredung

Heather war froh, endlich das Büro verlasen zu können. Auch wenn Havering nicht so extrem reagiert hatte, wie sie erwartet hatte, hatte sie doch einige Schimpftiraden über sich ergehen lassen müssen.
Heute ist ein Scheißtag gewesen!, dachte Heather bei sich, bis ihr etwas einfiel. Dieser Tag würde nicht so schlecht enden, wie er bis jetzt gelaufen war.
Heather blickte auf ihre Uhr, eine silberne Analoguhr an einem schwarzen Lederarmband. Sie zeigte an, dass Heather noch eine Stunde hatte um rechtzeitig zu ihrer Verabredung zu kommen. Es wurde sowieso Zeit für sie, sich wieder etwas private Zeit nahm. Sie arbeitete sowieso viel zu viel.

Als Heather am Steuer ihres schwarzen Schwebewagens saß, fiel ihr etwas ein, womit sie auf jeden Fall punkten konnte: Blumen. Sie hielt an einem Laden Namens „Rosie's Roses“, wo sie einen Strauß dunkelroter Rosen kaufte, den sie auf den Beifahrersitz ihres Wagens legte.

Fünf Minuten zu früh erreichte Heather das Restaurant und trat schnurstracks ein.
Sie ging zum Empfangschef und fragte ihn: „Ich bin hier mit jemandem verabredet. Auf den Namen Roan. Bin ich die erste?“
Der Empfangschef blätterte kurz in seinem Buch. Dann blickte er Heather an. „Tut mir leid, aber hier gibt es keine Reservierung auf den Namen Roan.“
Während Heather überlegte, ob sie auch wirklich im richtigen Restaurant war, hörte sie eine Stimme von der Eingangstür, die erfreut „Heather!“ rief.
Heather dreht sich um und erkannte auf den ersten Blick ihre Verabredung: Claire Roan stand im Türrahmen und erwiderte Heathers Blick.
Claire trug ein knie langes weißlich silbernes Kleid, das nur über der linken Schulter einen Träger hatte. Als Claire freudig über ihr erscheinen näher kam, erkannte Heather die Narben an Claires gesamten Körper, die von einem technischen Unfall mit den Steuer-Einheiten stammten.
Claire Roan war nämlich eine Mechanikerin in der HF-Hauptbasis, in der auch Heather arbeitete. Dort hatten die beiden sich auch vor etwa einem halben Jahr kennen gelernt.
Heather umarmte Claire und überreichte ihr danach die Rosen. Zusammen gingen die beiden an die Theke, wo Claire dem Empfangschef erklärte, dass der Tisch auf den Namen Bryce gebucht war.
Die beiden unterhielten sich während des gesamten Essens ohne einmal die Tode zu erwähnen und darüber war Heather ziemlich froh, denn sie wollte nicht, dass diese Geschichte die gute Stimmung, die herrschte zerstörte.

Wieder zurück in der Hero Factory begleitete Heather Claire bis zu ihrem Quartier, denn im Gegensatz zu den Soldaten hatten die Mechaniker Einzelzimmer.
„Es war ein toller Abend mit dir.“, erklärte Claire, während sie die Tür zu ihrem Zimmer öffnete.
Heather nahm sie in den Arm und küsste sie lange und innig. Als sie den Mund wieder absetzte, flüsterte sie ihr ins Ohr „Er muss noch nicht zu ende sein!“
Mit diesen Worten drückte sie sich mit Claire in ihr Zimmer.

Überlebt

Claire Roan öffnete langsam die Augen, in der Hoffnung, Heather neben sich liegen zu sehen, doch unter der aufgewühlten Decke neben ihr war niemand zu sehen. Claire richtete dich auf und durchfuhr das Zimmer mit ihrem Blick, um irgendwo einen Hinweis darauf zu finden, dass sie nicht einfach nur von Heather benutzt worden war.
Claire war am Boden zerstört. Anscheinend hatte sich Heather irgendwann in der Nacht hinaus geschlichen. Traurig stand Claire auf und ging zu ihrem Kleiderschrank. Als sie ihn gerade öffnen wollte, um sich Klamotten herauszuholen, blitzte es in ihrem Kopf auf. Sie bemerkte erst jetzt bewusst, was sie schon zuvor gesehen hatte: Auf ihrem Nachtschrank lag ein kleiner weißer Zettel.
Hastig drehte sie sich um und hastete dorthin, wobei sie sich den Fuß schmerzhaft an ihrer Bettkante anstieß.
„Liebe Claire“, stand auf dem Zettel in einer hastigen und doch schönen Schrift, „Es tut mir leid, dass du ohne mich aufwachen musst, aber ich bin sowieso schon zu spät. Es ist jetzt 10 Uhr und ich muss mich spätestens um 7 Uhr zum Dienst melden. Wir treffen uns in der Mittagspause in der Kantine.“ Darunter war eine schwungvolle Unterschrift gesetzt.
Claire warf einen Blick auf die Uhr. Es war jetzt halb 11. In einer halben Stunde musste auch sie zum Dienst.

Viel zu spät kam Heather vor Haverings Büro an. Als sie den Raum betrat blickte ihr ein wütendes Augenpaar an. Havering schien ziemlich sauer über ihre Verspätung zu sein.
Bevor Heather zu einer Entschuldigung ansetzen konnte, erklärte ihr Havering: „Heute Nacht hat es ein weiteres Attentat gegeben, aber die betreffende Person hat überlebt!“
Heather, die mit einer Strafpredigt gerechnet hatte, blickte ihn verwirrt an. Dann fragte sie: „Wer sollte denn dieses Mal sterben?“
„Eine Marine, die heute gegen zwei Vorschriften verstoßen hat.“Havering hob seine Hand, um die Vergehen an Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand abzuzählen, „Sie hat die Nach nicht in ihrem Bett verbracht und ist mehr als drei Stunden zu spät erschienen.“
Heather starrte ihn ungläubig an. „Ich?“, brachte sie stammelnd über ihre Lippen.
Irgendwo hinter ihr erklang auf einmal eine Stimme: „Eigentlich ist es logisch!“
Heather drehte sich um und blickte durch eine dicke Brille direkt in die Augen ihres Schützlings, Jack Logan, der mit seiner Erklärung fort fuhr: „Als erstes hat der Verräter Warden getötet, unseren mit Abstand besten Mann, danach Haverings Sohn, ebenfalls einen sehr guten Marine und nun wollten sie dich umbringen. Die beste Frau dieser Einrichtung.“
Heather überhörte das Kompliment und wandte sich wieder Havering zu: „Wie?“
„Um 2 Uhr morgens ist dein Bett in die Luft geflogen. Deine Zimmergenossin meinte, es klang wie der Weltuntergang.“ Havering ging um seinen großen Massivholzschreibtisch herum und setzte sich halb auf ihn. „Was mich zu der Frage führt, wo du heute Nacht warst.“
Heather, deren Homosexualität im Gegensatz zu Claires noch nicht bekannt war, wich aus: „Das ist meine Privatsache. Die Hauptsache ist, ich lebe noch.“ Um einen Rückschwung vom Thema zu unterbinden ragte sie Havering: „Was war das für eine Bombe?“
Anstelle seiner antwortete Logan: „Mehr Schall als Schaden. Es waren einige Teile eingebaut, die zu einer unüberhörbaren Explosion führen mussten. Der Schaden begrenzte sich allerdings auf dein Bett. Egal wo du heute Nacht geschlafen hast, dort wirst du jetzt an wohl immer schlafen müssen.“
„Woher stammten die Teile?“, wollte Heather nun wissen.
Endlich antwortete Havering, der sich einen Kugelschreiber genommen hatte und diesen nun zwischen seinen Fingern kreisen ließ. „Aus der Maschine, in der mein Sohn ermordet wurde.“
„nur die HF-Techniker hatten Zugriff auf die Maschinen. Heißt das, einer von ihnen...?“, wollte Heather entgeistert wissen.
„Nur ein Techniker konnte die Entladung programmieren, mit der Havering jr. getötet wurde.“, gab Logan zu bedenken, „Also ist das die einzig logische Schlussfolgerung.“
Heather betrachtete diese Frage als abgeschlossen und wandte sich nun einer zu, die sie viel mehr interessierte.
Sie deutete auf Logan und fragte Havering: „Wer ist der Kerl? Sie lassen Auszubildende niemals an Besprechungen teilnehmen! Was ist an ihm anders?“
Havering ignorierte die Frage und erklärte: „Da es sich bei dem Mörder um einen Techniker handelt, werden wir sie morgen einen nach dem Anderen befragen. Bis dahin kannst du gehen. Geh mit Logan zum Training, aber verriegle den Raum auf jeden Fall hinter euch. Niemand darf rein, denn wir brauchen euch beide noch.“
Wütend darüber, dass Havering ihre Fragen ignorierte stapfte Heather aus dem Raum. Kurz vor der Ausgangstür hörte sie noch einmal Haverings Stimme hinter sich: „Ach ja, Heather, um die verpassten Stunden abzuarbeiten, entfällt dir heute die Mittagspause!“
Als Heather den Raum verlassen hatte, schlug sie die Tür so fest wie möglich in die Angeln. Dann ging sie mit Logan zum Trainingsraum.

Geständnis

13:30 Uhr. Mittagspause.
Claire saß allein an einem kleinen Tisch in der Ecke der Kantine. Sie hatte ihr Essen, einen billig produzierten Auflauf, noch nicht angerührt und blickte sich nur nervös immer wieder in der Kantine um. Erneut kam ihr der Gedanke, dass Heather sie versetzt hatte, und jede verstreichende Sekunde untermalte diese Vermutung. Sie schob das Tablett mit ihrem Auflauf zur Seite und brach danach weinend auf ihrem Tisch zusammen. Plötzlich hörte sie, wie der Stuhl an der gegenüberliegenden Seite des Tisches zurückgezogen wurde. Jemand setzte sich zu ihr an den Tisch. Sofort richtete sie sich auf und erwartete, Heather zu sehen, doch anstatt ihrer saß dort ein ihr unbekannte Mann mit einer dicken schwarz geränderten Brille.
Er streckte ihr die Hand hin, wobei der Ärmel seines grauen Hemdes ihren Auflauf berührte und etwas Sauce an ihm hängen blieb.
„Jack Logan!“, stellte er sich vor.
Claire wischte sich schnell die Tränen aus den Augen, dann erwiderte sie: „Claire Roan.“
„Ich arbeitete mit Havering zusammen und versuche, den Schuldigen für diese Mordserie zu finden“, erklärte er, „Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass der Täter oder die Täterin im technischen Bereich der HF arbeiten muss.“
Erschrocken blickte Claire Logan an: „Sie glaube, ich hätte etwas damit zu tun?“
„Momentan noch nicht, wir befragen alle Techniker der Firma. Können Sie mir sagen, wo Sie letzte Nacht um Zwei Uhr waren?“
„In meinem Bett.“, antwortete Claire und dachte an Heather.
Logan notierte etwas auf seinem Block und fragte dann „Ich nehme an, allein?“
Claire dachte einen Moment nach und antwortete dann: „Nein. Jemand war bei mir.“
Logan sah sie überrascht an. Er strich etwas auf seinem Block durch und fragte dann: „Wer?“
Claire warf einen Blick zum Eingang, in der Hoffnung, Heather wäre gekommen, um ihr die Entscheidung abzunehmen, ob sie diesem Logan davon erzählen sollte.
„Ms. Roan, ich habe ihnen eine Frage gestellt!“, beharrte Logan.
„Hören Sie zu: Wenn sie sich ein wenig über mich informiert haben, wissen Sie, dass ich lesbisch bin, doch die Person, mit der ich letzte Nacht zusammen war, legt viel Wert darauf, dass es geheim bleibt.“, erklärte sie Logan und hoffte, das würde ihm reichen.
Es reichte anscheinend nicht, denn er stand auf und hob sein Hemd leicht an, sodass ein paar Magnethandschellen sichtbar wurden. „Hören Sie zu, Claire. Entweder Sie verraten uns, mit wem Sie zusammen waren, oder ich muss ihr Alibi als ungültig anerkennen und Sie verhaften.“ Das war natürlich ein Bluff, denn Logan hatte keine Beweise und die anderen Techniker, mit denen er sich unterhalten hatte, haben alle allen in ihren Betten gelben und demzufolge auch kein Alibi gehabt.
Panisch sah Claire die Handschellen an. Der Bluff funktionierte, wie Logan mit zufriedenem Lächeln feststellte.
Logan zückte die Handschellen und sah Claire fragend an. Er bedeutete ihr, dass das ihre letzte Chance sei.
„Heather!“, rief Claire ängstlich aus, „Es war Heather. Heather Bryce!“
Logan war überrascht. Das hatte er nicht erwartet. Er steckte die Handschellen weg und lief Richtung Ausgang. Das war es wert, überprüft zu werden.

Blut

Wütend polierte Heather ihren Bot. Da sie zu spät gekommen war, musste sie die ganze Mittagspause durcharbeiten und verpasste dadurch die Verabredung mit Claire. Außerdem hatte Logan in die Pause gehen dürfen, weshalb Heather momentan nichts wichtiges zu tun hatte und ihren Bot wieder und wieder reinigte.
Sie hörte hinter sich die automatische Tür aufgehen und sah, als sie sich umdrehte Logan, der sie mit einem abschätzenden Blick betrachtete.
„Was willst du?“, fragte sie harsch.
„Ich habe schon mal mit den Verhören angefangen und dabei ein Alibi zu Ohren bekommen, an dessen Glaubwürdigkeit ich zweifle. Du solltest mir deine Meinung dazu mitteilen!“, erklärte er.
„Wer gibt dir überhaupt das Recht, Leute zu verhören, du bist nur ein ganz normaler Anfänger.“, meinte Heather und fügte dann hinzu: „Oder?“
Logan seufzte einmal und erklärte dann: „Ich werde es dir erklären, aber zunächst einmal musst du mir vertrauen. Also, zu diesem Alibi.“
Heather wollte nach haken, ließ es dann allerdings. Aus Logan würde sie nichts herausbekommen. Sie würde sich später an Havering wenden.
„Eine gewisse Claire Roan“ Heather zuckte bei dem Namen innerlich zusammen „hat angegeben, die Nacht mit dir verbracht zu haben. Stimmt das so?“
Heather überlegte, ob sie lügen oder die Wahrheit sagen sollte, dann fiel ihr ein, wie sie Claire klargemacht hatte, sie würde nur mit ihr auf ein Date gehen, wenn sie es für sich behielte. Sie hatte Heathers Vertrauen gebrochen. Dann würde sie nun das gleiche tun.
„Claire Roan?“, fragte Heather, „Soweit ich weiß, stehe ich auf Kerle!“
Logan sah sie an, während er scheinbar überlegte, ob er ihr glauben sollte, dann zuckte er mit den Schultern.
„Hm, dann muss sie wegen jemand anderem geheult haben.“, bemerkte Logan geringschätzig, „Übrigens: Havering hat seinen Entschluss überdacht. Du hast den restlichen Tag frei, sollst aber auf dich aufpassen!“

Eine Stimme in Heathers Kopf sagte ihr, sie solle nach Claire sehen, aber eine andere, glaubwürdigere erinnerte sie an den Verrat, den sie begangen hatte und wollte sie einfach ignorieren. Heather lief mit schnellen Schritten auf Haverings Büro zu. Sie wollte endlich alles über Logan wissen.
Sie wollte gerade um die Ecke biegen, hinter der die Tür zu dem Büro lag, als sie ein Geräusch hörte: Ein leises, unterdrücktes Wimmern.
“Dann muss sie wegen jemand anderem geheult haben.“, Logans Worte fielen ihr wieder ein und instinktiv wusste Heather, dass Claire dort an Haverings Bürotür auf sie wartete. Vorsichtig warf sie einen Blick um die Ecke und sah ihre Befürchtung bestätigt. Claire, das Gesicht in einem Taschentuch verborgen, stand hinter der Ecke.
„Dann eben später...“, dachte Heather und wollte gerade gehen, als sie Claires piepsige Stimme hinter sich hörte.
„Heather?“, fragte sie und als sich Heather umdrehte, sah sie direkt in Claires große dunkelblaue Augen.
Hektisch blickte Heather sich um, dann stotterte sie: „Ich... äh, wollte zu Havering!“
„Ich wollte nichts verraten!“, brach es nach einer kurzen Schweigepause aus Claire heraus, „Er hat gedroht mich zu verhaften.“
Heather starrte fragend in Claires Augen. Dann ging sie auf sie zu.
Claire, die mit einer Umarmung rechnete, breitete die Arme ein wenig aus, doch Heather stieß sie weg und ging an ihr vorbei. Als sie die Tür zum Büro erreicht hatte, rief sie kurz über die Schulter: „Und das hast du ihm geglaubt? Dass er dich ohne Beweise verhaften würde? Das ist erbärmlich.“
Als sie die Tür öffnete und einen Blick hinein warf, sah Heather dort, wo der Schreibtisch stand nur eine Sache, die sie erschaudern ließ: Blut

Führungswechsel

Unter einem erstickten Schrei brach Heather in der Tür zusammen. Sie hatte zwar schon Leichen gesehen, aber noch keine, die so übel zugerichtet war: Auf dem blauen Drehstuhl saß aufgerichtet eine kopflose Leiche. Die Arme waren mit Kabeln an die Decke gefesselt und der Kopf war, in zwei Hälften zerteilt, auf einen schwarzen Gegenstand auf dem Schreibtisch gelegt.
„Heather? Was ist denn?“, hörte sie eine Stimme von draußen rufen. Claires Stimme.
Sie kam ebenfalls zur Tür und als Heather zu ihr aufblickte, sah sie einen Schockzustand in ihrem Gesicht stehen. Wie in Trance ging Claire zum Schreibtisch hinüber.
Heather stand auch auf und ging ihr nach. Sie fühlte sich, als müsse sie sich jeden Moment übergeben. Am Schreibtisch angekommen, betrachtete Claire den gespaltenen Kopf, dessen ausgehöhlte Hälften irgendwie aufgerichtet worden waren und nun etwa einen Zentimeter voneinander entfernt auf einer schwarzen Kiste standen. Claire griff nach der Kiste. Ihr Gesicht war aschfahl und ausdruckslos.
Genau in dem Moment als Claire den Kopf anhob um sich die Kiste genauer anzusehen, wurde Heather klar, worum es sich dabei handelte. Sie konnte nicht erklären, warum, aber sie sprang hinter Claire und riss sie mit, als eine markerschütternde Explosion los ging. Einen Moment schien alles weiß zu sein, dann fühlte Heather, wie ihr Arm den Boden berührte und ein kurzer Schmerz durchzuckte ihren Ellenbogen.
Im gleichen Moment betrat Claire Roan ein Königreich des Schmerzes. Die Explosion riss ihr Kleidung und Haut vom Leib. Die Hitze schnürte ihr die Kehle zu und sie wurde bewusstlos.

Eine halbe Stunde später: Ängstlich zitternd saß Heather vor dem kleinen OP-Saal der HF. Zum Glück war direkt ach der Explosion Logan da gewesen, denn Heather war nicht in er Lage gewesen, irgendetwas zu unternehmen. Logan hatte Claire in den OP gebracht, wo sie seitdem behandelt wurde.
„Was Neues?“, fragte Jack Logan, der gerade gekommen war.
Heather schüttelte den Kopf.
„Weißt du, wer die Leitung jetzt übernehmen wird?“
Zur Antwort sah Heather ihn mit von Tränen geröteten Augen an um ihm mitzuteilen, dass sie das im Moment nicht interessierte.
„Ich.“, erklärte er, „Havering hat mir ein Dokument überreicht, indem er mir nach seinem Tod die Kontrolle über die HF überantwortet. Wer hätte gedacht, dass das so schnell der Fall sein würde?“
„Ein Rookie?“, fragte Heather ungläubig, „warum kein erfahrener Marine, wie Dun... wie ich?“
Logan zuckte die Schultern, „Das kann ich dir nicht sagen, aber es hat damit zu tun, weshalb ich hier bin.“
Heather wandte sich wieder zur Tür. Sie wollte dieses Gespräch nicht weiter führen. Sie interessierte sich nur noch dafür, dass es Claire bald besser ging.

Pläne

Zwei Wochen später:
Jack Logan ging in seinem Büro auf und ab. Für heute hatte sich ein Vertreter einer großen anderen Privatarmee angemeldet.
Set dem Anschlag auf Havering hatte es zwar keine Morde mehr gegeben, aber Logan war trotzdem nervös. Wenn der Vertreter sterben würde, würde die HF wahrscheinlich gesperrt werden, da es sich dann nicht mehr um eine interne Angelegenheit handeln würde. Das durfte nicht passieren, deshalb hatte er drei seiner besten Marines losgeschickt um ihn vom Hubschrauberlandeplatz abzuholen. Allerdings nicht Heather, denn sie vertraute ihm nicht. Ebenso wenig, wie er ihr vertraute.
„Mister Logan?“, drang eine dumpfe Stimme durch die Tür.
„Schickt ihn rein!“, antwortete Logan.
Die Tür ging auf. An den beiden Flügeln der Pforte standen zwei uniformierte Marines. Im Inneren der HF verwendeten sie ihre Bots nicht. An der linken Seite stand noch ein weiterer, der jemandem ein Zeichen gab, herein zu kommen.
Eine schlanke Frau betrat den Raum. Sie war etwa 30 Jahre alt und hatte schulterlanges, schwarzes Haar. Sie trug ein schwarzes langarmiges Hemd und einen schwarzen Rock. Logan bedeutete den Marines, die Tür zu schließen.
Logan trat einen Schritt auf sie zu und reichte ihr die Hand. „Jack Logan“, stellte er sich ihr vor.
„Samantha Sorrow. Ich gehöre zum Vorstand der Privat Secure Agency, ich hoffe, das sagt ihnen etwas.“, erwiderte sein Gegenüber und schüttelte ihm die Hand.
Natürlich sagte ihm er Name etwas. Die PSA war nach der HF die größte Privatarmee der Welt. Logan hatte keine Ahnung, was die PSA von ihm wollte.
„Wollen Sie sich setzen?“, bot er an und deutete auf einen Stuhl an dem Schreibtisch der vor einigen Wochen noch Will Havering gehört hatte.
Sie setzte sich und nachdem Logan sich ebenfalls auf seinem Stuhl niedergelassen hatte, brachte sie ihr Anliegen vor: „Die PSA hat einen Milliardenauftrag erhalten, den wir wahrscheinlich nicht alleine werden ausführen können. Unser Geschäftsführer, Paul Groce, schlug aufgrund von Sympathien unserer Firmen vor, dass wir die HF anheuern und die Anteile von der Truppenverteilung abhängig berechnen.“
„Ich würde Ihnen liebend gern helfen, wir haben allerdings gerade ein internes Problem, wie sie wahrscheinlich bereits mitbekommen haben.“, erklärte Logan die aktuelle Situation.
„Deshalb bin ich hier.“, erwiderte Sorrow, „Der Vorstand meinte, jemand solle die Situation überprüfen und gegebenenfalls helfen, die HF einsatzbereit zu machen.“
Logan dachte kurz über den Vorschlag nach, dann nickte er: „Ich habe eine Vermutung, wer für die Mordserie verantwortlich ist, kann es allerdings nicht beweisen. Dabei könnte ich Ihre Hilfe gebrauchen können.“
Sein Gegenüber lehnte sich zurück und ihre dunkelblauen Augen schienen durch seine Augen in seinen Kopf einzudringen.
„Bei der Verdächtigen handelt es sich um eine der besten Marines des HF. Ihr Name ist Heather Bryce.“, begann Logan, „Sie hat eine der Leichen aufgefunden und war bei dem Auffinden der beiden anderen in unmittelbarer Nähe.“
Sorrow nickte, dann fragte sie „Und wo komme ich ins Spiel?“
„Wie ich mitbekommen habe, ist Bryce lesbisch.“, erklärte Logan, „Ihre Freundin ist bei dem letzten Mord beinahe drauf gegangen, hat aber mithilfe einiger Hauttransplantationen überlebt.“
Ungeduldig machte Sorrow eine kreisende Handbewegung, um Logan zu zeigen, dass er sich beeilen sollte.
„Sie sollten sich als Lesbe ausgeben, um an Insider-Informationen zu kommen!“, erläuterte er seinen Plan in Kurzform.
Sorrow sah ihn an, als sei er verrückt. „Niemals!“, machte sie klar.
„Hören Sie, Samantha, wir beide brauchen diese Informationen und das ist die einzige Möglichkeit, sie zu bekommen.“
„Würden Sie es mit 'nem Kerl treiben um an Infos zu kommen?“, fragte Sorrow rhetorisch, worauf Logan konterte: „Nein, aber ich würde mit einem flirten, um einen Serienmörder zu stoppen.“ Dann fügte er hinzu: „Besonders, wenn dadurch die Möglichkeit besteht, einer attraktiven Frau näher zu kommen.“
Sorrow sah ihn abschätzend an und fragte dann: „Handelt es sich bei dieser Frau zufällig um eine 9-fingerige Südländerin?“
Logan, der einen verstohlenen Blick auf seine Hand warf, erwiderte: „Wäre möglich.“
Sorrow stand auf. Sie reichte Logan die Hand und er schüttelte sie zum zweiten Mal an diesem Abend.
„Ich übernehme den Job, Jack.“

Erster Kontakt

„Es geht mir wirklich gut!“, versicherte Claire, „Es tut zwar immer noch weh, aber dank der Transplantate ist es jetzt erträglich.“
Heather beugte sich zu Claire hinunter und küsste sie auf die Stirn, da sie wusste, dass es Claire weh tat, wenn jemand ihre rissigen Lippen berührte. Zwar konnte der Großteil ihrer Haut problemlos nach gezüchtet werden, so dass nur dort Narben bleiben, wo die alte und die neue Haut ineinander übergehen. Probleme gab es nur im Gesicht, wo die Haut von alleine nachwachsen musste, was aufgrund medizinischer Neuerungen allerdings auch ziemlich schnell ging. Ihre Lippen sind als einziges ziemlich empfindlich geblieben.
„Ich muss wieder arbeiten.“, erklärte Heather und verabschiedete sich.
Claire lächelte schief und meinte dann: „Ich hab ja noch Ferien, während du arme Sau arbeiten musst!“
Heather erwiderte das Lächeln und verabschiedete sich nochmal mit einem „Bis Morgen!“, da sie seit dem Anschlag jeden Tag zu ihr gekommen war. Irgendwie hatte der Mörder es geschafft, ihre Beziehung dadurch zu festigen.

Als Heather den medizinischen Bereich verließ, ging sie schnurstracks zum Steuer-Zentrale. Logan hatte ihr aufgetragen, jeden Tag die Konsolen zu überprüfen um weitere Attentate zu verhindern. Als sie den Raum betreten hatte, streifte sie sich kurz den Overall über und ging zur ersten Konsole. Heather verstand nicht, warum sie damit beauftragt worden war, und kein Techniker, aber sie vermutete, dass es irgendeinen persönlichen Grund hatte.
Sie war gerade bei er Kontrolle der ersten Kontrolle, als sie jemanden näher kommen hörte. Eine Frau, wie ihr das Klacken der Absätze auf dem metallenen Boden verriet.
Sie drehte sich um und blickte in die dunkelblauen Augen, einer ihr unbekannten Frau Anfang 30.
„Verzeihung“, begann sie, „ich habe eigentlich nach einem Marine gesucht.“
Heather erhob sich und trat einen Schritt auf sie zu. „Ich bin Marine. Aus irgendeinem Grund soll ich allerdings die Maschinen kontrollieren.“
Die Frau warf einen Blick hinter Heather und sah ihr dann wieder in die Augen.
„Ich bin Samantha.“, stellte sie sich vor und reichte Heather die Hand, die den Gruß allerdings nicht erwiderte, „Ich wurde von der Regierung eingesetzt, um die Morde zu untersuchen.“
Ohne ihr die Hand zu schütteln, meinte Heather „Heather Bryce. Wobei brauchen Sie Hilfe?“
Samantha machte eine Pause und erklärte dann. „Ich will mich hier umsehen und fände es schön, wenn mir jemand alles erklären könnte.“
Heather wandte sich wieder der Konsole zu und meinte: „Fragen Sie an der Rezeption. Die können sicher jemanden empfehlen.“
Sie ging neben ihr auf die Knie und sah Heather wieder in die Augen: „Das mag sein, aber ich brauche jemanden, der mir nicht erzählt, wie toll hier alles ist, sondern jemanden, der einen reellen Einblick in diese Institution hat und mir Hintergrundinformationen geben kann, die ich, im Gegensatz zum Geschwafel der Rezeptionisten, nicht im Internet finden kann.“
Uninteressiert sah Heather sie an und meinte dann: „Ich muss erst mit Logan reden. Wenn Sie bis morgen noch niemanden gefunden haben, treffen Sie mich zur gleichen Zeit wieder hier.“
Die Frau stand auf und ging nach einem kurzen Abschiedsgruß zur Tür.

Lagebericht

Es klopfte an der Tür. Jack Logan hob den Kopf und blickte von den Akten auf. „Herein!“, rief er und die Tür schwang auf.
Samantha betrat den Raum und ging auf den Stuhl vor dem Schreibtisch zu, wo sie sich ohne ein Wort setzte.
„Wie ist es gelaufen?“, wollte Logan von ihr wissen.
„Schlecht. Sie hat kein...“, Samantha suchte nach etwas in ihrer Handtasche und holte eine Packung Zigaretten raus. „Kann ich?“, fragte sie und deutete dabei auf die Schachtel. Nachdem Logan genickt hatte und sie sich die angezündete Zigarette in den Mund gesteckt hatte, erzählte sie: „Sie hat kein Interesse gezeigt. Und ich habe keine Ahnung, wie man mit Frauen flirten soll.“
„Ich bin da kein besonders guter Berater, aber du musst langsam vorgehen. Vergiss nicht: Du weißt nicht, dass sie lesbisch ist!“, ermahnte Logan sie und fragte dann, „Konntest du irgendwas erreichen, Sam?“
Sie pustete eine Rauchblase aus und meinte dann: „Sie zeigt mir morgen die HF. Das heißt, wenn du es zulässt.“
Logan nickte. Dann sah er auf die Uhr und stellte fest, dass es schon ziemlich spät war.
„Soll ich dir dein Quartier eigen, oder findest du es selber?“, wollte Logan wissen.
Samantha erzeugte eine weitere Rauchblase, dann drückte sie die Zigarette in einer Art Taschenurne aus und steckte sie weg. „Ich glaube, ich finde es alleine, aber vielleicht solltest du demnächst mal vorbeikommen und kontrollieren, ob ich im richtigen liege.“, erwiderte sie lächelnd. Dann ging sie aus dem Raum und erklärte: „Ich denke, du hast noch zu tun.“

Knapp eine Minute nachdem Samantha den Raum verlassen hatte, trat Heather ein und setzte sich vor dem Schreibtisch auf einen Stuhl. Allerdings nicht auf den, auf dem Samantha gesessen hatte, sondern den anderen.
„Eben war so eine Frau bei mir. Samantha, glaub ich hieß sie. Ihren Nachnamen kenne ich nicht, aber sie meinte, sie arbeitet für die Regierung und will hier nach dem Mörder suchen. Ist das soweit korrekt?“
Logan setzte seine Brille ab und erklärte dann: „Ja, ist es. Ich habe sie zu dir geschickte, damit du ihr die HF zeigen kannst.“
„Muss das sein?“, fragte Heather und rieb sich die Schläfen, „Ich habe eine ganze Menge zu tun!“
„Ja, das muss sein, denn sie sagt, sie braucht einen Insider-Eindruck und den kannst du ihr verschaffen.“, entgegnete Logan.
Wütend wollte Heather irgendetwas sagen, hielt sich dann allerdings zurück und stapfte aus dem Büro.
"Sehr schlechter Anfang...“, dachte Logan, dann wandte er sich wieder den Akten zu.



Führung

„Und du sollst heute so 'ne Regierungstante hier herumführen?“, fragte Maeve, Heathers beste Freundin.
„Leider. Kannst du das nicht übernehmen?“, erwiderte Heather.
Maeve schüttelte den Kopf. „Aber wenn du willst, kann ich mitkommen!“
„Besser als nichts.“, stimmte sie dem Vorschlag zu und wandte sich zur Tür, die in genau diesem Augenblick auf schwang. Samantha kam herein.
„Samantha, das ist Maeve Tuyet, sie wird uns begleiten. Maeve, das ist Samantha, die Regierungs... angestellte.“, stellte Heather die beiden vor. Samantha wollte Maeve die Hand schütteln, doch, was Heather nicht überraschte, sie ging nicht darauf ein.
Dann ging Samantha einen kleinen Schritt auf Heather zu und erklärte ihr leise: „Ich hab gehofft, wir wären allein.“
Irgend etwas in diesem Satz kam Heather merkwürdig vor, weshalb sie beschloss, dem nachzukommen. Sie erklärte Maeve, dass sie nicht benötigt wurde und ging dann mit Samantha alleine los. Maeve schien erleichtert zu sein.

Nach der Hälfte der Führung hatte Samantha keine Lust mehr. Wenn sie Heather näher kommen wollte, obwohl von wollen keine Rede sein konnte, musste sie in die Offensive gehen.
Sie blieb stehen. Heather drehte sich um. Samantha setzte ein gezwungenes Lächeln auf und meinte dann: „Bist du eigentlich vergeben?“
Heather sah sie überrascht an, dann meinte sie „Ja, ich denke schon.“
„Du glaubst?“, fragte Samantha, „Heißt das, ich hätte eine Chance?“
„Wie bitte?“, wollte Heather wissen. In ihrem Gesicht war ein Ausdruck zu sehen, der Samantha an ein Kind erinnerte, das beim Kekse-Klauen ertappt wurde.
„Ich hab dich und dieses Mädchen im Restaurant gesehen. Mir war klar, was ich da vor mir sehe.“

Hinter einer Ecke stand Maeve. Sie hatte eigentlich nur folgen wollen, um einzugreifen, wenn Heather Hilfe brauchte, aber was sie da zu hören und sehen bekam, erregte ihre Aufmerksamkeit.

Samantha schluckte einmal. Sie versuchte zwanghaft an Logan zu denken und küsste Heather auf den Mund.
Heather war überrascht. Sie hatte sich von Anfang an in der Nähe dieser Frau nicht wohl gefühlt, doch als sie sie küsste, spürte sie, dass sie nur Angst hatte. Angst davor, dass diese Frau Claires Platz einnehmen konnte. Einige Sekunden stand sie unbewegt da, dann erwiderte sie den Kuss.

Vorbereitung

„Wie kann ich den Geschmack immer noch auf der Zunge haben?“, beschwerte sich Samantha, „Normalerweise schmecke ich nach drei Zigaretten nichts mehr...“
„Hast du irgendwas raus gekriegt?“, unterbrach Logan ihre Beschwerde. „Ach ja, und wenn du jetzt noch eine rauchen willst, könntest du dazu bitte raus gehen, langsam bildet sich nämlich Nebel in meinem Büro!“, fügte er hinzu, als er sah, wie sie ihre Zigarette ausdrückte und nach der nächsten greifen wollte.
„Tut mir leid.“, entschuldigte sie sich und schloss ihre Handtasche. Dann erzählte sie ihm: „Nichts verdächtiges. Vielleicht ist sie unschuldig, aber ich bin noch nicht sicher.“
Logan stand auf und ging auf sie zu. „Vielleicht hilft das gegen den Geschmack!“, flüsterte er ihr zu. Dann küsste er sie und sie erwiderte den Druck.
„Danke, das ist besser als dieses Lesben-Getue.“, meinte sie nach dem Kuss zu ihm. „Hör zu, Jack. Ich werde jetzt nochmal zu Heather gehen und herausfinden, ob sie etwas damit zu tun hat.“
Logan sah sie mit dankbarem Blick an und verabschiedete sich dann.
Samantha verließ den Raum und Logan wandte sich wieder seinen Akten zu.

Auf zwei Krücken aufgestützt humpelte Claire durch die Gänge. Heather war heute nicht gekommen. Normalerweise hätte ihr das keine Gedanken gemacht, aber sie war mehrere Wochen jeden Tag gekommen und hatte sich beim letzten Mal mit „Bis Morgen“ verabschiedet. Claire war sich sicher, dass irgendetwas passiert sein musste, und deshalb suchte sie jetzt überall nach ihr.
Einige Meter hinter ihr folgte eine Gestalt Claire. Sie tauchte in jeden Gang ein, der an den Seiten erschien und schlich die Strecken zwischen ihnen, damit Claire sie nicht bemerkte. Und das gelang dieser Gestalt ziemlich gut.
Am Ende eines längeren Ganges, sah Claire Heather. Sie wollte zu ihr laufen, doch mit den Krücken war das einfacher gesagt als getan. Stattdessen entschloss sie sich, nach ihr zu rufen, als sie plötzlich eine Stimme hinter sich hörte.
„Wenn du rufst, wirst du es bereuen.“, wisperte ihr eine eindeutig weibliche, sonst jedoch nicht weiter identifizierbare Stimme zu, „Und wenn du dich umdrehst ebenfalls“, fügte die Person hinzu und langsam kam Claire der Gedanke, dass sie die Stimmer kannte.
Langsam drehte sie sich in die Richtung um, aus der sie gekommen war, doch auf halber Strecke spürte sie einen metallischen Gegenstand an ihrem Rücken. Dann durchfuhr sie kurz ein stechender Schmerz und alles wurde schwarz.

Heather dachte, sie hätte ein Geräusch gehört, deshalb wandte sie sich in die Richtung, aus der es gekommen war und sah nichts besonderes. Nur den leeren Gang. Plötzlich erregte etwas ihre Aufmerksamkeit. Neben einem Seitengang lag etwas, das aussah, wie eine Metallstange. Heather ging langsam darauf zu und hob den Gegenstand auf, als sie ihn erreichte: Es war eine Krücke aus dem medizinischen Bereich. Und die einzige Person, die zur Zeit dort behandelt wurde, war Claire. Heather warf den Gegenstand auf den Boden und hetzte in Richtung der Krankenstation.

Gerade mal 5 Meter weiter zerrte die schattenhafte Gestalt immer noch Claires Körper durch die Gänge. Zum Glück war um diese Zeit so gut wie niemand unterwegs, denn obwohl Claire ziemlich klein und dünn war, stellte es doch einen gewissen Kraftaufwand dar, sie mit zu ziehen und wenn jemand die beiden gesehen hätte, hätte sie diese Person wohl umbringen müssen. Es hatte schon genug Opfer gegeben. Alle, die damit zu tun hatten, waren tot. Bis auf eine Person.
Die Wichtigste.
Und auch die würde am heutigen Tag ihr Ende finden...

Das Finale

Keuchend stand Heather vor der Krankenstation. Die Schwester hatte ihr mitgeteilt, dass Claire vor kurzem gegangen sei. Heather wusste, dass irgendwas passiert sein musste, doch als sie gerade nach Claire suchen wollte, kam ihr ein anderer Gedanke: Der Mörder wollte Heather schon einmal umbringen, was wenn das jetzt zu einem Racheplan gehören sollte. Dann würde der Mörder höchstwahrscheinlich noch jemanden entführen: Samantha.

Als jemand schwer atmend die Tür auf stieß, schreckte Logan auf und blickte zur Tür. Heather hatte die Tür aufgerissen, doch dort stand sie schon lange nicht mehr. Sie war schon auf Logans Schreibtisch zu gerannt und schrie ihn fast an: „Wo ist Samantha? Die Regierungsangestellte?“
fragend sah Logan sie einen Moment an und wurde von Heathers Eile nervös. Er fragte: „Sam? Wieso? Ist irgendwas?“
Statt zu antworten zog Heather ihre Waffe und zielte mit der Mündung auf Logan. „Es ist wichtig! Wo – ist – sie?“, fragte sie erneut, wobei sie jedes Wort deutlich betonte.
„Ich denke, in ihrem Zimmer. Nummer 522. Am Ende des Flures!“
Ohne ein Wort zu sagen, verließ Heather den Raum. Perplex sah Logan ihr hinterher. Dann wandte er sich wieder den Akten zu, jedoch mit einem unruhigen Gefühl.

Heather hämmerte an Samanthas Tür, doch niemand öffnete sie.
„Samantha!“, rief sie, und als niemand antwortete, war Heather klar, dass auch sie entführt worden war. Schluchzend brach sie an der Tür zusammen, da hörte sie auf einmal eine Stimme.
„Heather, was ist los?“, wollte Maeve wissen, die auf einmal um die Ecke kam. Sie kniete sich zu Heather und wischte ihr einige Tränen aus den Augen.
„Es ist dieser Verräter! Er hat Claire und Samantha entführt und will mich wahrscheinlich töten!“
„Die beiden wurden nicht entführt.“, stellte Maeve mit fragendem Gesichtsausdruck fest, „Ich habe sie eben gesehen. Sie warten auf dich! Ich kann dich zu ihnen bringen.“
Heather wischte sich auch noch einige Tränen von den Wangen, dann stand sie auf.
„Danke, Maeve! Ich glaube, ich wäre verzweifelt. Wegen nichts!“, bedankte sie sich. Dann folgte sie ihrer Freundin.

Nachdem die beiden einige Meter gegangen waren, stellte Heather etwas merkwürdiges fest: Normalerweise trug Maeve, wenn sie nicht im Dienst war ein dunkelblaues Top, eine schwarze Jeans und offene Haare, doch heute hatte sie ihren dunkelblauen Kampfanzug angelegt, der ihr optimalen Schutz bei perfekter Bewegungsfreiheit bot. Außerdem hatte sie ihre dunkelbraunen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Satt normaler Turnschuhe hatte Maeve Stiefel angelegt, deren Spitzen mit Stahlkappen verkleidet waren. Sie sah aus, als hätte sie vor, jeden Moment zu kämpfen.
Sie öffnete eine Tür und bedeutete Heather hinein zu gehen. Erst als Heather schon in dem Raum stand, und hinter ihr das Klicken hörte, das ihr mitteilte, dass die Tür abgeschlossen wurde, sah sie, wo sie war:
Der Raum war höchstwahrscheinlich eine Art Lagerhalle gewesen, denn überall waren leere Regale. Die Wände waren nicht verputzt sondern zeigten die nackten Wände. Über den Steinen, die den Fußboden darstellten huschten einige Ratten umher. Am Anderen Ende des Raumes nahm Heather eine Bewegung war, weshalb sie dorthin ging.
Als sie näher kam erkannte sie, dass es sich dabei um Claire und Samantha handelte, die gefesselt an den Händen an die Decke gebunden waren. Sie schienen keine Verletzungen zu haben.

Ruckartig drehte sich Heather um und blickte in zwei auf sie gerichtete Pistolenöffnungen. Mit schiefem Grinsen sah Maeve sie an.
„Geh von den beiden weg, oder ihr werdet alle drei sterben!“, befahl sie und Heather gehorchte. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass ihre beste Freundin so viele Menschen umgebracht haben sollte.
„Du fragst dich bestimmt, warum die drei sterben mussten. Und warum du sterben musst!“, sagte Maeve. Es klang nicht wie eine Frage. Eher als hätte sie sich den Dialog schon komplett überlegt und in ihrem Plan käme vor, Heather in den Grund einzuführen.
Deshalb nickte Heather. Sie musste Zeit gewinnen.
„Du erinnerst dich bestimmt noch an den Rebellenaufstand den die Hero Factory so glamourös zurückgeschlagen hat. Meine Eltern waren die Anführer dieser Bewegung. Und du, Warden und Havering jr. haben meine Eltern am Ende getötet. Auf Haverings Befehl. Deshalb müsst ihr alle sterben. Auge um Auge, Zahn um Zahn!“
Heather griff langsam nach der Waffe, die in ihrem Gürtel steckte, doch Maeve feuerte einen Schuss genau zwischen ihr Hand und ihre Waffe.
„Wirf die Waffe weg!“, befahl sie.
Heather zog die Waffe langsam, wobei die sie mit Zeigefinger und Daumen am Griff festhielt. Dann schleuderte sie sie auf den nackten Stein am Boden. Eine keine Staubwolke stieg auf, als die Pistole aufschlug.
„Das Messer im Ärmel auch!“
Heather schob ihren linken Ärmel zurück und griff nach der Waffe, die sie durch eine ruckartige Bewegung auf einen Gegner schleudern konnte. Sie warf die Waffe auf den Boden. Sie blieb in einem Spalt zwischen zwei Steinen stecken.
„Gut. Und jetzt erkläre ich dir die regeln deiner Exekution!“, verkündete Maeve. Heather nickte. „Ich habe hier deine zwei Geliebten. Eine von beiden wird sterben. Danach werde ich dich töten. Dann werde ich die andere freilassen und mich selbst erschießen.“
Claires und Samanthas Augen weiteten sich vor Schreck. Heather stockte ein Moment der Atem. Dann sprach Maeve weiter: „Sag mir, wer sterben soll.“
Heather warf einen kurzen Blick auf das im Boden steckende Messer, doch Maeve unterbrach ihre Gedanken.
„Keine Tricks. Du weißt, ich könnte dir eine Kugel in den Kopf jagen und die beiden töten, bevor du das Messer überhaupt in der Hand hättest.“ Das entsprach leider der Wahrheit. Um zumindest ein Leben eventuell retten zu können, musste Heather auf Maeves Bedingungen eingehen.
„Sie warf einen Blick auf die Gefangenen. Dann sprach sie mit trauernder Stimme: „Es tut mir so leid, Claire, aber...“
Samantha unterbrach sie. „Nein! Du darfst nicht mich wählen!“, schrie sie. Verwirrt drehte sich Maeve einen Moment zu ihr um, doch bevor Heather reagieren konnte, wandte sie sich wieder zu ihr.
Samantha sprach mit etwas leisere Stimme weiter: „Ich liebe dich nicht, und könnte es auch nie! Ich habe dich nur benutzt, um an Informationen zu kommen.“, gestand sie.
Heather sah sie mit einer Mischung aus Erstaunen und Unglauben an, dann flüsterte sie Maeve zu. „Töte sie!“
Auf Maeves Gesicht breitete sich ein Lächeln aus. Sie richtete die Waffe auf Samanthas Kopf. „So sind die Regeln!“
Sie spannte den Hahn, doch bevor sie abdrücken konnte, hörten alle vier, wie die Tür auf gerammt wurde. Jack Logan stand in der Tür. In der Hand eine Pistole. Anscheinend war er Heather und Maeve gefolgt und hatte erst jetzt die Tür auf bekommen. Ohne zu zögern richtete Maeve eine Waffe auf ihn und drückte ab. Heather sah nicht hin. Maeve war eine zu gute Schützin um nicht zu treffen. Außerdem bestätigte ihr Samanthas schriller Aufschrei, dem ein leises Wimmern folgte, ihre Vermutung, dass Logan tot war. Vermutlich mit einem Loch zwischen den Augen.
Diesen kurzen Moment der Verwirrung nutzte Heather um die einzige Waffe zu verwenden, die sie noch hatte. Sie riss ihr Bein nach hinten und griff nach der dadurch nach oben geschleuderten Klinge. Noch während sich Maeve zu ihr umdrehte, sprintete Heather die wenigen Meter zwischen ihnen und riss die Waffe hoch. Ein dunkelroter Streifen Blut spritzte hinter der Waffe. Unter einem kurzen Schmerzensschrei ließ Maeve ihre Waffen fallen und fiel auf die Knie. Heather drehte sich zu ihr um und sah, dass sie ihr das Handgelenk aufgeschnitten hatte. Mit ihrer linken Hand versuchte Maeve das Blut zurück zu halten, doch es sprudelte in einer dunkelroten Fontäne aus der Wunde. Heather verwendete ihr Messer um Claire und Samantha zu befreien.
Samantha rannte sofort zu Logan und stellte fest, dass er noch atmete. Die Schusswunde hatte seinen Kopf gestreift und eine lange Blutspur hinterlassen, doch die Wunde war nicht tödlich gewesen. Glücklich nahm sie Logans bewusstlosen Körper in den Arm und küsste seinen Mund.
Heather nahm nun wieder ihre Waffe und holte zu einem tödlichen Stich gegen Maeve aus, die inzwischen den Druck so verteilt hatte, dass nur noch wenig Blut auf einmal aus der Wunde floss, doch Claire hielt ihre Hand fest, sodass Heather nicht zu stechen konnte.
„Bist du wahnsinnig?“, wollte Heather wissen, „Sie hat dich den Großteil deiner Haut gekostet!“
„Claire warf einen Blick auf Maeve, die Heather mit hasserfülltem Blick ansah, der zu sagen schien „Tu es du Feigling!“.
„Ich weiß, aber ich weiß auch, dass sie eine gute Freundin war. Und dass sie ihre Eltern verloren hat. Wie hättest du denn reagiert?“, stellte Claire eine Gegenfrage.
Heather riss sich aus Claires Griff los und schleuderte die Waffe weg.
„Du hast recht.“, stimmte sie zu.
Claire ging einen Schritt auf Maeve zu und half ihr auf die Beine. Maeve legte den hasserfüllten Blick ab und flüsterte Claire ein einzelnes Wort zu: „Danke.“

Ende

Wird fortgesetzt in Heathers Nemesis

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