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Prolog

In Duncan Wardens gesamten Leben hatten nur drei Frauen eine Rolle gespielt:
Seine Schwester Emily Warden, die in der Entwurfsabteilung für neue Bots in der Hero Factory arbeitete, seine Verlobte Cameron Ayden, die nach einer langjährigen Ausbildung in der Hero Factory die Leitung der medizinischen Station übernommen hatte und die junge Yvonne Silver, deren Ausbildung zur Marine er übernommen hatte, und die jetzt vermutlich tot war.

In der rechten Hand eine lange Energieklinge und in der linken ein Plasmadolch stürmte Duncan auf das Gebäude zu, in dem sich die Anführer dieser Verschwörung versteckten. Ob er dabei starb oder nicht, war ihm egal.
Es zählte nur der Sieg. Und Rache.

Kampf

Zielstrebig marschierte Duncan Warden auf den Raum mit den Steuereinheiten zu.
„Lagebericht?“, fragte er Yvonne Silver, die neben ihm her lief und der es deutlich schwer fiel, mit seinen großen Schritten mitzuhalten.
Sie strich sich eine ihrer blonden Strähnen aus dem Gesicht und erklärte dann: „Anscheinend hat der Mann, den wir als Harald Craw kennen, unsere Lagerhalle im Osten eingenommen. Dort werden viele wichtige Bot-Teile aufbewahrt, weshalb wir sie unbedingt zurückerobern müssen, bevor Craw hinein kommt.“
Inzwischen waren die beiden im Steuerraum angekommen. Duncan legte sich auf eine der Einheiten, die in der Mitte des Raumes stand. Yvonne stieg über eine Einheit am Rand des Raumes ein.
Sekunden später fanden sich die beiden in den metallenen Körpern ihrer Bots wieder.
Duncan stieg aus dem kleinen zylinderförmigen Behälter aus und drehte sich dann zu Yvonnes dunkelgrünem Bot zu, der einige Kapseln weiter aus stieg.
„Alles in Ordnung?“, fragte er, worauf Yvonne mit einem Nicken antwortete. Dann verließen sie im Laufschritt die Halle.

Etwa zwei Minuten später erreichten die beiden die Lagerhalle. Obwohl sie die ganze Strecke gerannt waren, fühlten sie sich kein bisschen erschöpft, denn dieses Gefühl kam erst, nachdem man den Bot verlassen hatte. Duncan richtete seine Waffe auf den dunkelbraunen Bot, der an der Eingangstür zur Halle stand und mit einer Art Schweißbrenner ein Loch hinein schnitt. Er gab dem Gegner keine Chance sich zu ergeben, sondern feuerte gleich drei Schüsse auf ihn. Der erste Schuss ging daneben, ebenso der zweite, doch der dritte lief sauber durch den Rumpf des Bots. Auch Yvonne hob nun ihre Waffe und schoss in Richtung des Kopfes, doch der feindliche Bot wich aus und lief nun auf seine Angreifer zu. Kurz bevor er die beiden erreichte, hob er seinen Schneidbrenner und entfachte die tausende Grad heiße Flamme. Er schien sie auf Duncan richten zu wollen, doch als dieser seine Waffe hob, wandte sich der Bot zu Yvonne um und hielt die Flamme mitten in ihr mechanisches Gesicht. Diesem Moment nutzte Duncan um seine technische Hand in das Loch, das der Schuss verursacht hatte zu schieben und mithilfe einer technischen Vorrichtung in der Hand einen kurzen elektromagnetischen Impuls zu senden. Der Bot erlahmte und blieb mit hängenden Armen stehen. Das Gesicht von Yvonnes Bot war völlig verschmort, doch es schienen keine wichtigen Schaltkreise beschädigt zu sein. Mit einem Handzeichen bedeutete er ihr, zurückzukehren. Dann lud er den regungslosen feindlichen Bot auf seine Schultern und folgte ihr zurück zur Hero Factory.

Gespräche

Duncan setzte sich auf der Kontrolleinheit auf. Er war etwas zu viel gerannt und diese nachträgliche Erschöpfung ließ ihm einen Moment alles vor den Augen verschwimmen, doch dann fasste er sich und stand auf. Kurze Zeit später stand auch Yvonne auf, der einige Schweißperlen auf der Stirn standen.
„Alles In Ordnung, Ivy?“, fragte er, und verwendete dabei den Spitznamen, den er sich für sie ausgedacht hatte.
Sie nickte und die beiden verabschiedeten sich. Yvonne ging in Richtung der Quartiere, während Duncan ein ganz anderes Ziel ansteuerte. Zielstrebig ging er auf die medizinische Station zu, in der momentan nur ein Rookie behandelt wurde, der sich beim Nahkampftraining außerhalb der Bots die Hand gebrochen hatte. Nichts Ernstes also.
Schon bevor er die Tür zum weißen Zimmer, in dem die Patienten lagen öffnete, konnte er durch die Glastür sehen, weswegen er gekommen war.
„Cameron!“, rief er freudig, als er die Tür öffnete.
Sie drehte sich um und als sie in seine Augen blickte, erhellte sich ihr Blick. Sie kam nicht auf ihn zu gestürmt. Das tat sie nie, obwohl Duncan die Vorstellung interessant fand. Dennoch kam sie auf ihn zu und als sie direkt vor ihm stand, küsste er sie einige Sekunden lang.
„Hi, Duncan, ist irgendwas bestimmtes?“, wollte sie von ihm wissen.
Scherzhaft erwiderte Duncan „Ich hab gehört, es gibt 'ne neue Schwester, die ganz gut aussehen soll!“, worauf er von seiner Verlobten einen ebenfalls scherzhaften Klaps mit dem Klemmbrett bekam.
„Nein, im Ernst, ich wollte wissen, was Jeff den ganzen Tag so macht?“, fragte Duncan und sprach damit Camerons Entscheidung an, ihren Sohn, Jeffrey Ayden, noch nicht in die Ausbildung der HF zu schicken.
„Fang nicht wieder damit an, Duncan!“, beschwerte sich Cameron, „Ich habe dir gesagt, er kann die Ausbildung im nächsten Jahr anfangen.“
„Ich hab' meine Ausbildung auch mit 20 Jahren angefangen und geschadet hat es mir nicht!“, brachte Duncan das gleiche Argument wie jedes Mal.
„Wenn du nur deshalb gekommen bist, dann kannst du wieder gehen. Unser Sohn wird nächstes Jahr anfangen. Es wäre sowieso zu spät, ihn noch anzumelden! Der Kurs hat bereits begonnen.“
Duncan erwiderte nichts. Dann küsste er Cameron auf die Stirn und ging nach einem kurzen Abschiedsgruß.
Nachdem er die medizinische Station verlassen hatte, entschied er sich dazu, kurz auszuruhen und danach eine Trainingseinheit außerhalb des Bots einzulegen.


Training

Nachdem Duncan etwa eine halbe Stunde Pause gemacht hatte, war er in die Trainingshalle gegangen, wo er nun schon seit etwa 1 ½ Stunden trainierte. Als er gerade mit den Sandsäcken beschäftigt war, hörte er langsam die Schritte einer etwa 20-köpfigen Gruppe.
„Rookies“, dachte Duncan. Er wollte gerade mit dem Training aufhören, als ihm etwas einfiel. Er könnte diese Situation benutzen, um wieder jemandem eine Privatstunde zu geben, was er langsam als eine Art Hobby bezeichnete.
Er trainierte weiter, bis er die Rookies reinkommen hörte. Sofort wurde er von einigen kurzen freudigen Aufkreischern begrüßt.
Obwohl Duncan mit seinen 45 Jahren nicht der jüngste war, und man ihm sein Alter an den früh ergrauten Haaren auch gut ansehen konnte,gab es immer wieder Rookies, die ihn, trotz dem Altersunterschied von mindestens 20 Jahren für außerordentlich attraktiv hielten. Er konnte sich das nicht erklären. Er hatte sogar mal Cameron gefragt, aber die hatte ihm nicht einmal sagen könne, was sie an ihm attraktiv fand.
Duncan unterbrach, scheinbar überrascht vom plötzlichen Auftauchen der Rookies sein Training. Unauffällig warf er einige Blicke zu den Rookies um heraus zu finden, wen er dieses Mal als Opfer auswählen könnte. Sein Blick fiel nach kurzer Zeit auf ein blondes Mädchen von etwa 20 Jahren, das ihn die ganze Zeit anstarrte und einige Worte mit ihren Freundinnen tuschelte. Duncan hatte den Plan genau im Kopf. Es würde laufen wie immer. Er würde sich ein wenig mit ihr unterhalten und ihr dann vorschlagen, sich mit ihm privat zu treffen. Sie würde natürlich zusagen und sich auf ein Art Date freuen. Stattdessen erhielten diese Mädchen eine extra harte Trainingsstunde im privaten Rahmen. Die meisten waren ihm am Ende sogar dankbar dafür.
Langsam schlenderte Ducan auf die blonde Rookie zu, als er plötzlich von einer auf seien Schulter gelegte Hand aufgehalten wurde.
Er drehte sich um und sah in das Gesicht seines guten Freundes Cedric McCoy, der, obwohl er mit seinen 30 Jahren noch recht jung war, schon die Leitung der Ausbildung übernommen hatte, jedoch vorhatte, die Bot-Station zu übernehmen.
„Kein Privattraning heute.“, flüsterte er Duncan zu, worauf hm dieser leicht zunickte.
Dann gingen die beiden auf eine Bank an der Seite der Halle. Als Duncan an der Rookie vorbeiging, flüsterte sie ihren Freundinnen etwas zu, as Duncan nicht verstehen konnte.
Zusammen mit McCoy setzte er sich auf die Bank und dieser befahl den Rookies mit dem Training anzufangen. Duncan beschloss beim Training zuzusehen. Vielleicht war mal wieder jemand wirklich begabtes dabei.

Nach einer halben Stunde hatte Duncan jemand solches gefunden, zwei um genau zu sein, was ziemlich außergewöhnlich war, da man normalerweise höchstens einen pro Jahrgang fand.
Bei den beiden handelte es sich um zwei etwa 20-Jährige Frauen, die anscheinend gut befreundet waren, da sie sich ständig unterhielten und momentan sogar zusammen trainierten. Bei ihnen war noch ein anderes Mädchen im selben Alter, das allerdings nicht so gut war wie die beiden.
„Wer sind die beiden?“, wollte Duncan von McCoy wissen.
McCoy warf einen kurzen Blick in die Richtung in die Duncan zeigte, und antwortete dann: „Die haben sich zusammen eingeschrieben. Die mit den dunkelbraunen Haaren heißt Maeve Tuyet, die mit den etwas helleren ist Heather Bryce. Die besten dieses Jahrgangs. Wenn die sich weiter so anstrengen, kann aus ihnen wirklich noch was werden.“
Duncan nickte. Er würde den Werdegang der beiden in Zukunft verfolgen.


Aufstand

Duncan und Yvonne waren wieder in ihren Bots. Es gab einen weiteren Angriff des Aufstands, den sie niederschlagen sollten.
Am Anfang hatte das nach einer einfachen Standardmission geklungen, doch als sie angekommen waren, hatte sich das Blatt gewendet.
„Diesmal werde ich euch vernichten!“, erklärte eine bekannte Stimme vom Dach eines nahen Gebäudes. Es handelte sich um Harald Craw, der sich einen neuen Bot gesucht hatte, der um einiges gefährlicher aussah als das letzte. Der Bot war komplett in einem dunklen Rot gehalten, das nur von einigen schwarz lackierten technischen Teilen unterbrochen wurde. Statt einer linken Hand besaß der Bot etwas, das wie eine größere Version des EMP-Gebers in Duncans Hand aussah und die Form eine Stachels hatte. Die rechte war mit mehreren Klingen verstärkt, war ansonsten allerdings eine normale Hand. Die Nachbildung eines Kopfes, den der Bot auf den Schultern trug war von einer Art Helm geschützt, der an die Form des Helms von einem der ersten Marines der Hero Factory, Dunkan Bulk, erinnerte.
Duncan sah sich um. Er und seine Schülerin standen auf einer Art Wendekreis, der von einigen Häusern umgeben war. Auf den Dächern standen noch etwa neun weitere Bots, die allesamt zum Aufstand gehörten.
Duncan zog seine beiden Waffen und Yvonne hob ihren Blaster und zielte auf Craw. Dieser gab sich unbeeindruckt. Ohne Vorwarnung sprangen alle Bots, abgesehen von seinem, von den Dächern und griffen gleichzeitig an.
Während Yvonne wild auf sie feuerte und keine schweren Treffer verursachte, tat Duncan zunächst nichts. Er überlegte, wo die Schwachstelle dieser Bots liegen könnte, was seine Spezialität war. Doch er fand nichts. Also beschloss er, sich zunächst einmal zu wehren. Er stieß seine Waffe dem ersten Bot in die Schulter, doch dieser zeigte keine Reaktion. Also nahm er seine andere Waffe und stieß sie demselben Bot ins Gesicht, doch diesem schien auch das nichts auszumachen. Duncan riss beides wieder heraus und sah deutlich die kleinen Einstiche, wo er getroffen hatte. Dann rammte er seine Hand in den Spalt in der Schulter seines Gegners und aktivierte den Impuls. Sein Gegner kippte zur Seite und blieb reglos auf dem Boden liegen. Duncan war sich nun sicher, dass der Kampf einfach werden würde, doch plötzlich wurde er von fünf Bots gleichzeitig attackiert. Er machte eine 360°-Drehung und schwang dabei seine Waffen um sich. Drei von ihnen verursachte er dabei tiefe Einschnitte, die er blitzschnell für einen EMP ausnutzte. Bei einem kurzen Blick zu seiner Schülerin sah er, dass sie schon zwei Bots ausgeschaltet hatte, indem sie ihren Dolch in ihre Brust gesteckt hatte und ihn dann mithilfe seiner spezial ausgerüsteten Fähigkeit nach außen Aufklappen ließ wie einen Regenschirm.
Gerade als Duncan den Sieg schon fast sehen konnte, hörte er, wie Craw vom Dach sprang und auf dem Weg landete. Duncan wandte sich sofort ihm zu und rannte auf ihn zu. Er stieß seinen Dolch auf die Brust des Bots, doch dieser wich problemlos aus.
Duncan verwendete nun beide Waffen auf einmal, indem er sie in einer Art Scherenbewegung verwendete, doch Craw wich ohne Probleme aus.
„Ich gebe zu, ich habe Euch unterschätzt, Warden, weshalb ich einen minderwertigen Bot verwendet habe. Das passiert mir nicht noch einmal.“, erklärte Craw.
Duncan antwortete nicht. Stattdessen verwendete er das EMP-Modul seiner Hand um eine Art Blitz zu erzeugen. Craw sah den Angriff kommen und blockte ihn mit seiner Waffe, die zwar die Grundform eines Schwertes hatte, deren Klinge allerdings aus einem Labyrinth dünner Stäbe bestand. Dann rannte Craw auf Duncan zu und rammte seinem Bot die Klinge in den Bauch. Duncan verspürte keine Schmerzen, aber die Systeme zeigten ihm an, dass die Energieversorgung auf 60% gefallen war.
Duncan riss die Klinge aus seinem Körper und verwendete sie um gegen Craw zu schlagen, doch der wich aus und rammte Duncan einen Dolch in den Rücken, der ihm nach diesem Angriff zugewandt war.
Energieversorgung bei 45%, 23% Schaden der motorischen Fähigkeiten, zeigten die Systeme an.
„Ivy, wir hauen ab!“, rief Duncan seiner Schülerin zu, die inzwischen von mehreren Gegnern umringt war und auch schon sichtlichen Schaden davongetragen hatte.
Diese brach mit einem kurzen Rammen gegen einen der Bots aus dem um sie gebildeten Kreis aus und folgte Duncan, der bereits am Laufen war.
Craw oder seine Verbündeten machten keine Anstalten, sie zu verfolgen. Nachdem die Marines der Hero Factory verschwunden waren, machten auch sie sich in Richtung ihres Hauptquartiers auf den Weg.

Beschwerde

Wütend trat Duncan durch die Tür in Will Haverings Büro.
„Wer hat da gepfuscht?“, wollte er von ihm wissen.
Verwirrt blickte Havering von einigen Akten auf, die auf seinem Tisch lagen und die er anscheinend momentan studierte.
„Wovon redest du?“, wollte er von Duncan wissen.
„Die Mission! Mein Bot ist beinahe zerstört worden!“, beschwerte er sich, wobei er sich mit den Armen auf Haverings Tisch aufstützte und ihm wütend in die Augen sah, „Wer war für das Auskundschaften der Umgebung verantwortlich und hat uns gegen zehn Bots auf einmal kämpfen lassen?“
Havering blickte in seine Akten und erklärte dann: „Niemand. Wir haben einen Notruf erhalte, laut dem es sich um eine Geiselnahme handelte. Wir hatten kein Zeit zu überprüfen, deshalb haben wir euch beide losgeschickt, da laut dem Notruf kein einziger Bot sondern nur Zivilpersonen involviert sind.“
Duncan hörte auf, sich auf zu stützen und meinte dann: „Der Aufstand verwendet die Notrufhotline um uns rauszulocken. Du musst die Notrufe ab jetzt besser kontrollieren lassen.“
Dann verließ er den Raum, doch kurz bevor er durch die Tür trat, rief Havering ihm noch zu: „Übrigens, deine Schwester wollte mit dir reden.“
Duncan drehte sich um und fragte dann: „Wo?“
„Sie dürfte momentan in der Kantine sein. Es ist Mittagspause.“

Nachdem Duncan den Raum verlassen hatte, kam ihm Ivy entgegen.
„Hi, Duncan!“, begrüßte sie ihn, dann erklärte sie ihm die Lage: „Also, ich habe die Bots in die Reparatur gegeben und die meinten, die kriegen sie innerhalb der nächsten zwölf Stunden wieder hin.“
Duncan nickte, dann wandte er sich ab.
„Du kriegst den Rest des Tages frei. Du solltest trainieren.“, erklärte er ihr.
„Hab ich jetzt frei, oder soll ich trainieren?“, fragte sie ihn.
Duncan ignorierte die Frage und ging weiter. Im Weggehen hörte er Ivy murmeln „Also trainieren...“
Kurz bevor er in die Kantine kam, traf er auf Julia Grape, die im Callcenter arbeitete.
„Julia!“, rief er, als sie an ihm vorbei ging, um sie auf ihn aufmerksam zu machen.
Sie drehte sich zu ihm um.
„Hi, Duncan, brauchst du was?“, wollte sie wissen.
„Allerdings!“, antwortete er und fügte dann hinzu: „Vorhin hat jemand eine angebliche Geiselnahme erinnert. Weißt du, wer den Anruf aufgenommen hat?“
Julia ging den Schritt, den sie an ihm vorbeigegangen war, wieder zurück und erklärte dann: „Ja, das war ich. Da momentan so wenig los ist, sind wir momentan nur zu zweit.“
Duncan nickte, dann fragte er: „Ist dir irgendwas spezielles aufgefallen? Ich meine, an der Stimme, oder irgendwelche Hintergrundgeräusche“
Sie dachte einen Moment nach, dann antwortete sie: „Jetzt wo du es sagst: Da war ein Geräusch wie ein Zug in der Nähe. Und die Stimme war eindeutig männlich. Ziemlich tief. Und er hat ein bisschen gelispelt.“
„Craw.“, murmelte Duncan, dann wollte er weiter in Richtung der Mensa gehen, doch Juliahielt ihn auf.
„Hab ich dir geholfen?“, fragte sie, während sie sich spielerisch zwischen ihn und die Tür stellte.
Duncan lächelte freundschaftlich und meinte dann: „Ja, hast du. Ich weiß jetzt, wer der Anrufer war.“
„Dann kannst du dich auch bedanken!“, beschwerte sie sich bei ihm.
Duncan wollte gerade „Danke“ sagen, als er verstand, worauf Julia hinaus wollte.
Sie hatte ihm einige Wochen zuvor gesagt, dass sie ihn äußerst attraktiv fände.
Duncan beugte sich ein Stück vor und küsste sie auf die Wange. Dann flüsterte er ein kurzes „Danke“ und ging an ihr vorbei in die Mensa.
Julia sah ihm noch kurz hinterher und ging dann mit einem Lächeln auf den Lippen wieder zurück an ihre Arbeit.

Emily

„Wer war das?“, wollte Emily, Duncans Schwester, von Duncan wissen, als er sich gerade gegenüber von ihr an den Tisch setzte. Sie meinte damit Julia, die sie wahrscheinlich durch die Glastür gesehen hatte.
„Eine Kollegin. Sie hat mir geholfen und ich habe mich bedankt.“, erklärte Duncan ihr.
„Machst du das immer so?“, wollte Emily scherzhaft von Duncan wissen, dann fügte sie hinzu: „Was hält Cameron davon?“
Emily gehörte zu den wenigen Leuten, die von Duncans Verlobung wussten. Er und Cameron hatten beschlossen, es nicht an die große Glocke zu hängen, bis sie verheiratet waren.
„Warum wolltest du mit mir sprechen?“, fragte Duncan, der keine Lust hatte, dieses Thema weiterzuführen.
„Ich hab von dem Kampf gehört. Habt ihr wirklich gegen 10 Bots gekämpft?“, wollte sie von im wissen und als Duncan nickte, fügte sie hinzu: „Du musst auf dich aufpassen. Und auf Ivy. Was ist, wenn einem von euch was passiert?“
„Mach dir keine Sorgen. Du hast die Bots doch mit konstruiert. Du weißt doch, dass wir, sollte der Bot zu beschädigt sein, sofort ausgeworfen werden, bevor irgendwelche Schäden auftreten können.“, erklärte Duncan ihr.
„Im Normalfall ja, aber das ist es, worüber ich mit dir sprechen wollte.“, meinte nun Emily, „Der Widerstand lässt überall Störsender aufbauen. In deren Nähe ist eine Rückkehr zur HF nicht möglich. Das heißt, der Marine würde sterben.“
Duncan erstarrte. Natürlich hatte er die Sendeschüsseln bemerkt, die neuerdings an einigen Orten in der Stadt standen, doch er hatte nicht gewusst, wofür sie da waren.
„Gibt es sonst noch was?“, fragte Duncan und versuchte damit, seine Unsicherheit zu überspielen.
Emily dachte einen Moment nach, dann beugte sie sich zu ihm herüber und erklärte: „Du wolltest doch immer, dass ich mir einen Freund suche, nicht wahr? Nun, ich habe jetzt jemanden.“
Duncan sah sie einen Moment lang verwirrt an. Es stimmte tatsächlich, dass Emily soweit er wusste noch nie einen Freund gehabt hatte, obwohl er den Grund dafür nie verstanden hatte.
Duncan musterte sie einmal gründlich: Emily war 23 Jahre alt und hatte ein glattes, noch nahezu jugendliches Gesicht, dass von hellblonden Locken umrandet war, das von einem Paar leuchtend grüner Augen dominiert wurde.
„Wen?“, wollte er von ihr wissen, „Kenne ich ihn?“
„Ich glaube, ihr kennt auch.“, antwortete Emily, „aber ich will dir noch nichte erzählen, wer es ist. In einigen Tagen dann.“
„Herzlichen Glückwunsch, Emmy!“, meinte Duncan, dann verabschiedete er sich von ihr.

Duncan verließ die Mensa, als ihm eine Idee kam.
Er beschloss, eine Trainingseinheit mit Heather Bryce und Maeve Tuyet durchführen. Er war sehr gespannt, was diese beiden eigentlich drauf hatten.

Training

Duncan hatte sichtliche Schwierigkeiten, sämtliche Angriffe azuwehren, die Maeve ihm entgegen schleuderte, doch er wusste das sie unter ihren Angriffen die Verteidigung vernachlässigte.
Nach einer Minute durchgängigem Kampf, bei dem er sich auf die Verteidigung konzentriert hatte, sprang er deshalb über sie hinüber und hielt ihr den Stumpf einer Energiewaffe in den Rücken. Als Zeichen, dass er sie getötet hätte, wäre dies ein Kampf gewesen.
Maeve hörte auf zu kämpfen.
„Wie war ich?“, fragte sie ihn.
„Gut.“, antwortete er, dann korrigierte er sich: „Sehr gut.“
Maeve nickte. Ihr Bot war dunkelblau, entsprach aber sonst dem Standardmodell, dass Rookies erhielten. Das Gleiche traf auch auf Heathers Bot zu, mit der Ausnahme, dass ihrer schwarz war.
„OK, Heather, du bist dran.“, forderte Duncan nun auch sie auf. Der Fairness halber hatte auch er sich einen Rookiebot ausgeliehen, mit dem er nun kämpfte.
Heather machte einen Schritt auf ihn zu, dann sprang sie ihm ohne Vorwarnung entgegen. Duncan konnte sich unter ihr durch ducken, doch als er sich zu ihr umgedreht hatte, zielte sie schon mit der Farbpistole auf ihn, die sie zum Training erhalten hatte.
„Guter Angriff“, rief Duncan ihr zu, dann warf er einen Stein gegen ihre Waffe, den er vom schmutzigen Boden dieser Lagerhalle aufgelesen hatte. Die Waffe flog in hohem Bogen davon, bevor Heather einen Schuss abgeben konnte.
Stattdessen griff sie nach der Übungsklinge, die an der Hüfte ihres Bots angebracht war. Duncan zog nun ebenfalls sein Schwert und wehrte den ersten Angriff von Heather problemlos ab. Bei ihrem zweiten Angriff hatte er größere Probleme, deshalb beschloss er, den Kampf zu beenden. Er versuchte den gleichen Trick, den er auch bei Maeve ausprobiert hatte. Seltsamerweise merken sich Rookies fast nie den Kampfstil von Gegnern. Sie kämpfen gegen jeden gleich.
Heather war da anders. Sie wirbelte um Duncan herum, als dieser gerade gelandet war und hieb ihm mit dem Schwert gegen den Hals.
Zumindest wollte sie das, doch Duncan duckte sich und stieß ihr seine Hand in den Bauch. Aufgrund der verstärkten Kraft von Bots, schleuderte er Heather damit gegen die gegenüberliegende Lagerhallenwand.
Heather richtete sich auf. Duncan bemerkte zu spät, was sie vorhatte: Sie griff nach der Farbpistole, die nun zufällig direkt neben ihr lag und feuerte drei Schüsse auf Duncan ab. Einer traf seine Brust, der zweite ging daneben und die dritte Farbkugel prallte gegen seinen Helm und zerplatzte dort.
Duncan zeigte Heather mit einem Handzeichen, dass der Kampf beendet war. Dann wischte er sich die Farbe von der Rüstung. Aufgrund der besonderen Beschaffenheit der Farbmischung gelang ihm das ohne Probleme.
„Ihr wart beide gut.“, erklärte er, dann fügte er hinzu: „Ich kann nicht sagen, wer besser war. In der Offensive auf jeden Fall Maeve, und die Defensive lässt sich, nachdem Heather den Angriff bereits kante, schlecht bewerten.“
Die beiden nickten. Maeve schien nicht zufrieden mit dieser Bewertung, sagte allerdings nichts.
„Ich komme vielleicht nochmal auf euch zurück.“, fügte Duncan noch hinzu, dann sagte er: „Ihr könnt gehen.“
Alle drei gingen nun zu den Bot-Kapseln, in die sie mit ihren Bots hinein gingen. Dann verließen sie ihren zweiten Körper und kehrten in ihre normalen Gestalten zurück.

Das Restaurant

Als Duncan das Restaurant betrat, sah er, dass Cameron ihn schon erwartete. Sie saß bereits an dem reservierten Tisch und trank einen Wein.
Er setzte sich ihr gegenüber, dann beugte er sich zu ihr hinüber und küsste sie.
„Ich bin froh, dass ich frei bekommen habe.“, erklärte er, „Craw hat angerufen. Er sagte, heute Abend würde es einen weiteren Angriff geben. Zum Glück meinte Havering, der Anruf sei nicht ernst zu nehmen.“
Cameron nahm einen weiteren Schluck ihres Weins, dann erklärte sie: „Ich bin nicht hier, um über die Arbeit zu sprechen.“
Duncan nickte, dann winkte er einen Kellner her. „Wir hätten gerne einmal die Karte.“, sagte er der herbeieilenden Bedienung.
Sie nickte und verschwand dann wieder.
„Ich hab' gehört, wie Julia über dich geredet hat.“, sprach Cameron ein Thema an, über das Duncan nicht hatte reden wollen.
„Sie hat mir geholfen. Ich hab mich nur bedankt.“, rechtfertigte er sich für den Kuss.
Cameron sah ihn kurz an, dann lächelte sie.
„Ich weiß. Ich kenne dich. Alle Frauen der gesamten Hero Factory stehen auf dich, aber du würdest mich nie betrügen.“, erklärte sie und fügte dann hinzu: „Ich hab mich nur dafür interessiert, wie du...“
Sie brach ab, als von draußen ein Geräusch zu hören war, das wie ein Donnern klang. Sie wollte gerade wieder anfangen zu sprechen, als sich das Geräusch wiederholte. Inzwischen waren auch alle anderen Gespräche im Restaurant verstummt.
„Es tut mir leid, Cameron, aber ich glaube, ich muss mir das mal ansehen.“, erklärte Duncan, dann sprang er auf und rannte aus dem Restaurant.

Was er draußen sah, bestätigte seine Befürchtung: Harald Craws Bot stand umringt von etwa fünf anderen des Widerstandes vor dem Restaurant und zerstörte die Stromleitungen, die sich in Sichtweite befanden. Reihenweise fiel in den Gebäuden der Strom aus.
Duncan griff an seinen Gürtel, als ihm wieder einfiel, dass er Anzug trug, und sein Handy demzufolge nicht dort hing.
Er rannte wieder hinein und schrie Cameron geradezu an: „Handy!“
Sie warf es ihm zu und er wählte sofort den Hero Factory-Notruf.

Am anderen Ende erkannte er Julias Stimme: „Hero Factory, gibt es ein Problem?“
Duncan antwortete ohne Pause: „Special Operator Duncan Warden, Kennnummer 1338248, wir haben eine C-17 im Zentrum. Die Adresse ist 127 Park Street. Schicken Sie sofort ein Einsatzteam!“
„Duncan?“, Julia klang erschrocken, „Alles in Ordnung? Geht es dir gut?“
Duncan nahm sich nicht die Zeit zu antworten, er legte auf und wandte sich Cameron zu, die ihn ängstlich ansah.
„C-17?“, fragte sie, „Keine Ahnung, was das ist, aber es klingt nicht gut. Ist es Craw?“
Duncan nickte, dann zog er sie zur Tür. Er bedeutete ihr hinauszugehen und zurück zur HF zu gehen, dann wandte er sich den anderen Gästen zu und rief: „Ich gehöre zur Hero Factory. Draußen wird ein Angriff des Widerstandes durchgeführt! Verlassen Sie das Gebäude geordnet und fliehen sie so schnell sie können. Die Umgebung wird in ein paar Minuten ziemlich gefährlich werden.“

Einige Minuten später waren einige Bots der Hero Factory angekommen. Duncan beobachtete den Kampf zwischen ihnen und Craws Leuten. Im Moment sah es so aus, als ob die Bots der Hero Factory am gewinnen waren, doch Duncan wusste, dass der Schein trog. Craw hatte noch ein Ass im Ärmel.
Plötzlich aktivierte Craw einen Knopf auf seinem Arm, woraufhin eine satellitenschüsselförmige Apparatur aus einem angrenzenden Gebäude hoch fuhr. Die Marines der HF schienen diese Dinger nicht zu kennen, doch Duncan erinnerte sich an das Gespräch, das er mit Emily geführt hatte.
Er war sich sicher, dass es sich hierbei um diese Unterbrechungssender handelte, die der Widerstand aufstellte, und die verhinderten, dass die Marines in ihre Körper zurückkehren konnten.
„Hey, Leute!“, versuchte Duncan die Marines zu warnen, „Rückzug! Es ist zu gefährlich!“
Keiner der Marines schien ihn zu bemerken, doch Craw wandte ihm seinen Kopf zu und sprang dann direkt vor ihm auf die Straße.
„Die Stimme kenne ich doch.“, erklärte er gehässig, „So siehst du also in Wirklichkeit aus, Warden.“
„Harald Craw, du weißt, dass das Ding auch deine Leute töten wird.“, meinte Duncan. Hinter Craws Rücken lagen schon zwei zerstörte Körper des Widerstandes.
Ein Marine wandte sich ihm zu und schoss einen dunkelroten Strahl auf Craw, der im letzten Moment wegspringen konnte, sodass der Angriff daneben ging. Nun sprang der Marine zwischen Duncan und Craw.
„Wir müssen weg!“, rief Duncan dem Bot zu, „Das Ding wird euch umbringen!“
Der Marine, der Duncan erst jetzt zu erkennen schien, gab die Aussage an die anderen weiter.
Unter lautem Protest erklärten diese sich bereit, sich zurückzuziehen.
Der Marine, der Duncans Befehle weitergegeben hatte, bot diesem nun an, ihn mit zur HF zu nehmen, doch bevor Duncan annehmen konnte, wurde der Marine von einem giftgrünen Strahl aus Craws Waffe getroffen. Er fiel auf die Knie. Craw ging auf den Bot zu. Aus seiner Hand fuhr ein langer Stachel, den er dem Marine durch den Kopf senkrecht durch den Körper stach. Unter einem metallischen Surren, fiel der Bot um. Duncan wusste, dass der Marine tot war.
Nun richtete Craw seine Waffe auf Duncan.
Er wusste, dass Craw ohne Skrupel abdrücken würde, deshalb griff Duncan nach der Waffe des toten Marine und feuerte einmal auf Craw. Er wich aus und diesen kurzen Moment nutzte Duncan aus um zu fliehen. Craw schoss ihm einige Male hinterher, doch er verfolgte ihn nicht.
Er rief ihm nur noch eine Drohung hinterher, die Duncan allerdings nicht verstand.

"W"

Schweiß überströmt erreichte Duncan einige Zeit später die Hero Factory. Er war die gesamte Strecke von der Innenstadt hierher gerannt und konnte nun nur noch schwer atmen.
Sofort rannte er in den Raum, in dem die Bot-Steuer-Einheiten standen. Dort standen einige Marines, von denen er etwa die Hälfte kannte. Außerdem stand Ivy dort, ebenso wie Cameron, die anscheinend von den Truppentransportern, die die Marines in die Stadt gebracht hatten mitgenommen worden war.
In einer Steuereinheit lag jemand regungslos. Es handelte sich um einen relativ großen Mann mit dunkelbraunen Haaren, den Duncan noch nie zuvor gesehen . Er trug ein Hemd in Tarnfarben und eine dunkelblaue Jeans.
Er war tot.
Es gab keine Äußeren Verletzungen, doch er regte sich nicht, sondern starrte nur mit offenen Augen in die Runde. Einige der Anwesenden weinten erstickt.
„Er hat mir das Leben gerettet.“, brach Duncan nun das Schweigen. Die meisten Anwesenden sahen zu ihm herüber.
„Harald Craw, der Anführer des Widerstandes und ehemaliger Marine der HF, wollte mich töten und hätte es getan, wenn dieser Mann nicht dazwischen gegangen wäre.“
Duncan schwieg einen Moment. Er spürte, wie ihm eine einzelne Träne die Wange herunterlief. Dann fügte er hinzu: „Er hat sein Leben für mich geopfert, obwohl er mich nicht kannte. Dieser Mann, wie hieß er?“, fragte Duncan.
„Gabriel Trueman.“, sagte eine junge Marine leise in den Raum.
„Gabriel Trueman war ein wahrer Held.“, beendete er seine Rede. Duncan wusste, dass er ein guter Redner war und dass die Anwesenden etwas brauchten, was ihnen Mut gab.
Dann ging er zu der geöffneten Steuereinheit. Er legte ihm seine Hand über die Augen und schloss sie dann bedächtig.

Einige Stunden später war die Trauer zwar noch vorhanden, doch die meisten versuchten sie durch ihre Arbeit zu unterdrücken.
Duncan hatte sich inzwischen umgezogen und trug nun wieder seine Straßenkleidung.
Momentan befand er sich im Callcenter, dass außer ihm und Julia völlig leer war.
„Mit wem warst du da?“, fragte Julia plötzlich und unterbrach die bedrückende Stille, die zuvor geherrscht hatte.
„Mit wem war ich wo?“, erwiderte Duncan fragend.
„Im Restaurant. Und erzähl mir nicht, dass du allein da warst.“
„War ich aber. Ich esse gerne in guten Restaurants.“, versuchte Duncan zu lügen, doch Julia durchschaute ihn: „Du gehst allein in eins der teuersten Restaurants der Stadt? Im Anzug?“
Duncan atmete tief ein, dann erzählte er ihr die Wahrheit: „Hör zu, Julie, denn was ich dir jetzt erzähle, weiß fast keiner und ich würde es begrüßen, wenn es so bliebe, OK?“
Julia nickte. Sie sah Duncan gespannt an.
„Ich bin verlobt. Mit Cameron Ayden aus der medizinischen Station. Wir werden in einem halben Jahr heiraten, aber wir wollen nicht, dass es an die große Glocke gehängt wird!“
Julia sah ihn einen Moment nahezu entgeistert an. Dann nickte sie.
„Ich verstehe...“, murmelte sie.
Duncan wollte gerade etwas sagen, um sie zu trösten, als er etwas auf den Monitoren sah, die Julia vor sich stehen hatte.
„Was ist das?“, fragte er sie.
Sie sah auf ihren Bildschirm, auf dem an einigen Stellen rote Markierungen erschienen.
„Das sind die Störsender des Widerstandes.“, antwortete sie gelangweilt.
„Craw wollen, dass ich zu ihnen komme.“, sagte Duncan. Er war nicht sicher, ob zu sich selbst oder zu Julia.
„Woher willst du das wissen?“, fragte sie ihn.
Er deutete auf den Bildschirm und erkannte, was Duncan meinte.
„Sie hätten ihre Sensoren an strategischen Punkten anbringen könne, aber sie haben eine spezielle Form gewählt. Sie wussten, dass wir sie orten und anzeigen lassen würden.“, erklärte Duncan.
Auf dem Bildschirm leuchtete ein rotes „W“, das über die gesamte Stadt verlief.
„Wo?“, fragte Julia nun.
Duncan deutete auf einen vereinzelt stehenden roten Punkt, der zwischen der A-Form in der Mitte des W's aufleuchtete.
„Da!“, antwortete er.
„Du darfst da nicht hin.“, erklärte ihm Julia mit nahezu panischer Stimme, „Craw will dich umbringen. Er ist schon zweimal gescheitert, aber wenn du da hingehst“, sie deutete auf den roten Punkt, „dann begibst du dich in die Höhle des Löwen. Er wird dich töten.“
Duncan überlegte einen Moment, dann nickte er und meinte: „Du hast recht. Jemand anders wird gehen. Ich bleibe hier.“
Duncan verließ den Raum und ließ Julia mit den Apparaturen allein.

Der Anfang vom Ende

Einige Stunden später.

Nachdem Duncan nicht zu dem Punkt gekommen war, an dem Craw ihn erwartet hatte, versuchte dieser nun, ihn aus der Reserve zu locken.
Überall in der Stadt fanden immer wieder Guerilla-Angriffe statt, die bisher trotz hunderter aktiver Marines mehr als 200 Todesopfer gefordert haben, mindestens ¾ davon zivile Opfer.
Duncan konnte sich kaum noch zurückhalten, nicht zu kämpfen. Er verbrachte die Zeit damit, in der Hero Factory auf und ab zu laufen und über Funk die Angriffe zu koordinieren.

„Warden!“, rief ihn McCoy, der ihm entgegen gelaufen kam.
„Was gibt’s“, fragte er seinen Freund.
„Ich steige auch ein. Warum kommst du nicht?“, wollte er wissen.
Duncan winkte die Frage ab. Er hatte sie am heutigen Tag schon zu oft beantwortet. McCoy zuckte mit den Schultern, dann lief er den Gang weiter in Richtung Bot-Steuer-Einheiten.
Duncan ging auch weiter, aber in die andere Richtung, zu Haverings Büro.
Als er dort ankam, sah er etwas, was er zunächst nicht glauben konnte: Havering war gestresst. Er hatte seine Jacke aufgeknöpft und die Krawatte abgenommen.
„Was willst du, Warden?“, wollte er wissen, „Ich bin beschäftigt.“
„Das seh' ich.“, antwortete Duncan, dann fügte er hinzu. „Es geht um Ivy. Ich hab sie seit der Kampf begonnen hat nicht mehr gesehen.“
Havering sah auf seinen Computerbildschirm und meinte dann: „Bot-Kammer 1. Sie ist momentan in ihrem Bot.“
Duncan fluchte einmal, dann schaltete er sein Kommunikationsgerät ein.
Er sendete auf allen Frequenzen: „Ich suche Yvonne Silver! Wenn sie jemand gesehen, brauche ich sofort sämtliche Informationen.“
Einige Zeit kam keine Antwort, dann hörte Duncan die Stimme von Will Haverings Sohn, Jim. Er sagte: „Sie ist auf einen infizierten Bereich zugelaufen. Sektor 12, Planquadrat T“
„Infizierter Bereich“ war der inoffizielle Name, den die Marines den Bereichen mit Störsendern gegeben hatten.
Duncan sah auf seinem PDA nach und fand heraus, dass das der einzelne Punkt war. Der, zu dem Craw ihn hatte locken wollen.
Er wusste, dass Ivy sterben würde, wenn sie allein dort war.
„Folgen!“, rief er Jim Havering durch das Kommunikationsgerät zu, „Nehmen Sie einige Marines mit. Ich komme nach!“
Duncan rannte, aber nicht zu den Steuereinheiten, sondern zu den Privatzimmern, auf denen sich die Rookies momentan befanden.
Er brauchte Hilfe, und er wusste auch, wessen.

Etwa eine Minute später stand er vor der Tür von Heather Bryce's Zimmer. Er wollte klopfen, beschloss dann aber, dass er es zu eilig hatte. Er drückte die Klinke herunter und stürmte in das Zimmer.
Im gleichen Augenblick bereute er seinen Entschluss: Heather Bryce saß halbnackt auf ihrem Bett. Sie küsste gerade ein Mädchen, dass er im ersten Moment nicht erkannte. Als die Tür aufgerissen wurde, zuckten die beiden zusammen. Heather drehte sich zu Duncan um und beschwerte sich: „Hast du noch nie etwas von anklopfen gehört?“
Die andere drehte sich hektisch weg, doch Duncan konnte einen kurzen Moment ihr Gesicht sehen.
„Emmy?“, fragte er verwundert.
Sie drehte sich zu ihm um und Duncan erkannte tatsächlich das Gesicht seiner Schwester.
„Tut mir leid.“, murmelte sie.
Duncan nickte. Er hatte momentan wichtigeres zu tun, als sich über die Vorlieben seiner Schwester zu unterhalten.
„Heather, zieh dir was an! Wir müssen kämpfen.“, rief er.
„Ja ja“, erwiderte Heather und zog sich schnell ein Shirt über.
„Warum nimmst du nicht Yvonne mit, wenn es so wichtig ist?“, fragte sie, dann wandte sie sich Emily zu, verabschiedete sich und ging zu Duncan.
Hastig zog auch Emily sich wieder an, doch Duncan und Heather waren bereits draußen.
„Es geht um sie. Sie ist in Gefahr. Wir steigen über Kammer 1 ein.“, antwortete Duncan.
Kammer 1 war die beste überhaupt. Es standen nur 25 Steuereinheiten dort und alle wurden täglich überprüft. Es war der Traum eines jeden Rookies und fast jeden Marines einmal dort einzusteigen.
Heather nickte, dann fragte sie. „Wie gefährlich ist es?“
Duncan seufzte einmal, dann machte er einen schnellen Schritt, so dass er vor Heather stand. Er sah sie direkt an und erklärte ihr dann: „Sie könnte sterben, ich könnte sterben, du könntest sterben.“, dann fügte er hinzu, „Aber wir haben keine Wahl.“
Heather nickte. Dann eilten die beiden zu der Steuereinheit. Während der gesamten Strecke sprachen sie kein Wort.

Finale

In Duncan Wardens gesamten Leben hatten nur drei Frauen eine Rolle gespielt:
Seine Schwester Emily Warden, die in der Entwurfsabteilung für neue Bots in der Hero Factory arbeitete, seine Verlobte Cameron Ayden, die nach einer langjährigen Ausbildung in der Hero Factory die Leitung der medizinischen Station übernommen hatte und die junge Yvonne Silver, deren Ausbildung zur Marine er übernommen hatte, und die jetzt vermutlich tot war.

In der rechten Hand eine lange Energieklinge und in der linken ein Plasmadolch stürmte Duncan auf das Gebäude zu, in dem sich die Anführer dieser Verschwörung versteckten. Ob er dabei starb oder nicht, war ihm egal.
Es zählte nur der Sieg. Und Rache.

Heather folgte ihm. Sie merkte, dass mehr dahinter steckte, als die Rettung einer vermissten Marine. Heather erinnerte sich an die erste Lektion, die angehenden Marines vermittelt wurde: Vermische niemals privates mit beruflichem, doch genau das tat Duncan momentan.

Als die beiden das Gebäude betraten, wobei Heather sichtliche Schwierigkeiten hatte, Duncan zu folgen, stießen sie auf die Marine-Truppe von Jim Havering.
Dabei handelte es sich um Jim, sowie drei weitere Marines, die zwischen den herumliegenden Bots von einigen toten Widerständlern standen und sich ein wildes Feuergefecht mit einigen Bots des Widerstandes lieferten.
Ein Rookie-Bot tat sich unter den Marines besonders hervor: Er war fast komplett schwarz und über seine Brust zog sich ein Schriftzug, der in einem Rot geschrieben war, das unwillkürlich an Blut denken ließ. Der Text lautete Sein Name war Gabriel.
Duncan war sich sicher, dass es sich um die junge Marine handelte, die ihm bei seiner Ansprache bei Gabriel Truemans Tod seinen Namen genannt hatte. Außerdem vermutete er, dass sie etwas mit ihm gehabt hatte.
Duncan schleuderte nun seinen Dolch auf einen der drei verblieben Bots. Dieser wich aus und schoss eine Flüssigkeit auf Duncan, der dieser jedoch problemlos entgehen konnte. Dann sprang er auf ihn zu und stach sein Schwert durch dessen Kopf. Er fiel sofort tot um.
Währenddessen hatte Jims Team einen der beiden anderen getötet und Heather den anderen.
„Wir gehen weiter.“, erklärte Duncan. Dabei deutete auf sich, Heather und Jim Havering. „Die Rookies kehren um.“
Zwei der Rookies wollten kehrt machen, als die Marine mit dem Schriftzug, Gabriels Freundin, rief: „Nein, ich werde bis zum Ende kämpfen!“
Duncan spürte, wie er wütend wurde. Er ging einen Schritt auf sie zu und packte sie am Arm. Dann zog er sie heran und zischte ihr ins Gesicht: „Ich weiß, dass du heute deinen Freund verloren hast, aber das ist kein Spiel, und wenn du dich jetzt widersetzt, werde ich höchst persönlich dafür sorgen, dass man dich aus der HF ausschließt.“
Die Marine schien ihn zornig an zu funkeln, auch wenn das im Bot-Körper theoretisch nicht möglich sein dürfte, dann flüsterte sie: „Töte ihn.“
Duncan ließ sie los und sie drehte sich widerwillig um.

Duncan, Havering und Heather gingen weiter, nachdem Duncan sich seinen Dolch zurückgeholt hatte.

In einer großen Halle, die eine nahezu perfekte Kreisform hatte und die von Säulen umrundet war, die alle von Runen überzogen waren, sodass es schon fast wie ein Muster wirkte, hielten die drei wieder an.
Sie blickten sich nach allen Seiten um, doch niemand war hier. Und soweit sie sehen konnten gab es nur eine einzige Tür. Es handelte sich um eine Sackgasse. Gerade als sie sich umdrehen wollten, hörten sie, wie langsame Schritte auf eben diese Halle zugingen. Die drei blickten den Gang, der hineinführte entlang und was Duncan sah, ließ ihm den Atem stocken: Harald Craw kam hinein. Ihm folgte ein Bot, der seinem zwar ähnlich sah, allerdings nicht ganz so animalisch wirkte und scheinbar weiblich war. Vor den beiden schwebten auf einem Tragegestell, das eigens dafür konstruiert worden war Körper und Kopf von Ivys Bot. Von dem Körper gingen vereinzelt winzige Lichtblitze aus, die verrieten, dass stromtragende Leitungen zerstört worden waren. Nun wusste Duncan, was er schon lange vermutet hatte: Seine Schülerin war tot.

„Dafür wirst auch du sterben, Craw!“, brüllte Duncan in den Raum, dann feuerte er ohne Vorwarnung zwei Schüsse auf den feindlichen Bot. Dieser neigte seinen Kopf zur Seite, sodass die perfekt gezielten Schüsse hinter ihm in einer Wand einschlugen.
„Sie hat mich angegriffen. Ich musste sie töten.“, erzählte er, dann fügte er hinzu: „Und es hat mir Spaß gemacht! Hat sie dir etwas bedeutet, Warden?“
Duncan, der sich fühlte, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen, obwohl das nicht möglich war, feuerte erneut und rief dann: „Ja, du Mistkerl!“
Nach diesen Worten eröffnete Craw den Kampf. Er sprang auf Duncan zu und schlug ihm mit seiner verstärkten Faust ins Gesicht. Duncan, dem der Angriff nichts ausgemacht hatte, erwiderte ihn, indem er nach Craws EMP-Hand griff und versuchte sie in seine Brust zu rammen.
Heather war indessen nicht untätig und wollte gerade auf Craw schießen, als seine Partnerin zwei Schüsse auf Heather abgab, die genau in ihre Hand eindrang und sie davon abhielt, ihren Angriff durchzuführen.
Havering hatte einen Dolch hervor gezogen und stach ihn in Craws Rücken. Zumindest versuchte er es, doch das Metall des Dolchs schaffte es nicht, in des gepanzerten Rücken seines Gegners einzudringen. Craw hatte inzwischen die Gewalt über seine Hand zurückgewonnen und schlug damit mehrmals auf Duncan ein, bis Havering dazwischen gehen konnte.
Heather war in einen Zweikampf mit Craws Partnerin verstrickt, die eine Klinge hervor gezogen hatte und nun versuchte, diese in Heathers Kopf zu bohren.
Heather schaffte es nach einiger Zeit, die Waffe an sich zu reißen. Und auf ihre Gegnerin zu richten.
Diese versuchte mit mehreren Angriffen das Messer wieder an sich zu bringen, doch Heather schaffte es, sie davon abzubringen. Dann schließlich nahm sie die Waffe an der Klingenspitze und schleuderte sie auf Craw Partnerin, die, in die Brust getroffen, zusammen sank.
Craw, der das bemerkte, schrie einmal vor Wut auf und packte Havering beim Hals.
Er drückte immer fester zu. Da Bots nicht atmen, drohte nicht die Gefahr, erstickt zu werden, sondern, dass die empfindlichen Drähte vom „Gehirn“ zur Energieversorgung zerstört werden, was aufs Gleiche hinauslaufen würde.
Duncan nahm seinen Energiedolch und stieß ihn in Craws Rücken. Doch auch dieser wurde von der starken Panzerung abgehalten. Es war lediglich ein kleiner Kratzer zu sehen.
Craw warf Haverings Bot gegen eine der Säulen, die daraufhin zersprang. Splitter flogen in alle Richtungen und Craw schützte einen Moment lang seine Augen, was Duncan Gelegenheit gab, seinen Dolch durch eine durch den Übergang von einem Rüstungspart zum nächsten entstandene Lücke zu bohren.
Craw brach nach einem kurzen Aufbäumen zusammen und blieb regungslos liegen. Duncan konnte kaum realisieren, dass der Mann, gegen den er monatelang gekämpft hatte so einfach gestorben war. Und doch war es so: Der Kampf war beendet...

Epilog

Wo Duncan auch hin kam, waren die Leute in Feierlaune.
Der Sieg über den Widerstand hatte beeindruckend wenige Opfer gefordert. Es waren insgesamt zwei Marines gestorben, bis Duncan Harald Craw töten konnte und den Widerstand damit zur Kapitulation zwang.
Bei diesen beiden Marines handelte es sich um Gabriel Trueman und Yvonne Silver.
Die meisten schienen die Opfer einfach zu übersehen. Duncan hatte in der gesamten Hero Factory niemanden angetroffen, der zu trauern schien, abgesehen von ihm und Niki Street, Truemans Freundin.
Die beiden hatten beschlossen Trauerbinden zu verteilen, doch abgesehen von ihnen, Heather, Maeve und Jim Havering trug niemand eine.
Außerdem hatte Duncan beschlossen, Heather als neue Schülerin anzunehmen. Will Havering sagte, das würde ihn von Ivys Tod ablenken, aber das glaubte Duncan nicht. Trotzdem glaubte er an ihr Potential und wollte ihr die Chance geben, dieses voll auszunutzen.


Ende

Wird fortgesetzt in Heathers Entscheidung

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