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Fortsetzung von Heathers Entscheidung

Der erste Besuch

Charles Brandner war immer wieder erstaunt, wenn er in die Kellergewölbe der Hero Factory kam, denn obwohl das normale Gebäude immer strahlend weiß poliert war, sahen die Kerker und Lagerräume eher aus wie etwas aus einer mittelalterlichen Festung.
Als er zu einer Tür kam, lächelte er nur, denn er wusste, dass sie ihn nicht aufhalten können würde.
Er zog einen Satz Dietriche aus der Tasche und öffnete mühelos die Tür, die im Gegensatz zu den meisten Türen nicht elektronisch war.
Als Charles um die nächste Ecke bog, sah er eine Gestalt auf sich zukommen. Er griff nach seiner Waffe. Es wäre besser gewesen, hätte ihn niemand entdeckt, aber nun war es zu spät. Er riss die Waffe hoch und als sein Gegenüber die seine im selben Moment erhob, wurde er stutzig. Er ging einen Schritt auf die Gestalt zu und diese kam auch auf ihn zu.
Charles steckte die Waffe wieder weg und ging auf den Spiegel, denn um einen solchen handelte es sich offensichtlich, zu.
Im Vorbeigehen warf er einen Blick in den Spiegel: Ihm entgegen sah ein junger Mann mit dunkelbraunen, glatt nach hinten gekämmten Haaren und tief braunen Augen.
Er trug ein schwarzes, langärmliges Hemd mit einem Kragen, der seinen gesamten Hals verdeckte, sowie eine schwarze Anzughose und glänzend schwarze Anzugschuhe. An dem schwarzen Gürtel mit brünierter Schnalle hing ein Pistolenhalfter, in dem seine Waffe steckte.

Charles wandte sich ab und ging weiter zu seinem eigentlichen Ziel.
Nach einigen düsteren Gängen, die nur von der Taschenlampe, die er in weiser Voraussicht mitgebracht hatte erleuchtet wurden kam er zu einer Tür, die sich gar nicht in das düstere, mittelalterliche Gesamtbild fügen wollte, da sie komplett weiß und mit einem Tastenfeld für die Eingabe des Zugangscodes ausgestattet war. Charles kannte den Code. Er hatte ihn lesen können, als er einmal mit Greg Gaze, der für den Zellentrakt verantwortlich war, in den er gerade einbrach, hier gewesen war. Er lautete 11235813, ein ziemlich interessanter Code, da er dem Anfang der Fibonacci-Folge entsprach. Geräuschlos glitt die Tür auf und schloss sich, nachdem Charles hindurchgegangen war.
Er schlich durch die leeren Gänge, bis er an die einzige zur Zeit besetzte Zelle kam.
Er brach auch dieses Schloss auf und trat ein.
Die Gestalt, die ihn bis dahin nicht bemerkt hatte, drehte sich erschrocken zu ihm um.
„Wer bist du?“, fragte Maeve Tuyet den Neuankömmling.
„Ein Freund. Mein Name ist Charles Brandner und ich will dir helfen.“
„Mir helfen?“, fragte Maeve spöttisch, „Warum?“
„Ich kann verstehen, warum du es getan hast. Ich hätte das selbe an deiner Stelle getan.“, erwiderte Charles.
„Hast du einen Plan, wie du mich hier raus holen willst?“, fragte sie und Charles meinte, einen Ton von Selbstzufriedenheit in ihrer Stimme zu hören.
Er schüttelte den Kopf und meinte dann: „Ich dachte, du hättest genug Zeit gehabt...“
Maeve schnitt ihm mit einer Handbewegung das Wort ab und fragte dann misstrauisch: „Woher soll ich wissen, dass du bist, wofür du dich ausgibst? Was wenn du nur herausfinden sollst, ob ich einen Fluchtplan habe?“
Charles zuckte mit den Schultern. Er sah sich ein wenig in der Kammer um. Sie war karg möbliert. Der Raum war etwa 3x5 Meter groß und es befand sich nur eine einzelne Pritsche an der linken Zellenwand. Hinter der Pritsche befand sich eine Tür, die vermutlich in einen ebenso kargen Waschraum führte.
Er wandte sich wieder Maeve zu und erklärte ihr dann: „Wenn du einen Plan hast, solltest du ihn mir verraten. Du wirst keine andere Chance bekommen.“
Maeve sah ihn mit einem Ausdruck an, der verriet, dass ihr die Idee, ihm ihren Plan zu verraten, nicht gefiel, aber dennoch beugte sie sich zu ihm vor.
Charles beugte sich zu ihr hinüber und ließ sich den Plan in allen Details erzählen...

Die Neue

Gespannt saß Jeffrey Warden auf seinem Stuhl im Unterrichtsraum. Seine beste Freundin, Rachel Slayden, hatte ihm erzählt, dass sie eine Neue bekommen würden. McCoy, ein ehemaliger Freund von seinem Vater, Duncan, der sie mitbringen sollte, hatte sich schon ziemlich verspätet. Die meisten Rookies unterhielten sich über irgendwelche Themen, meist über Sport.
Nach einer halben Ewigkeit, in der er sich mit Rachel unterhalten hatte, öffnete sich die Tür und Cedric McCoy kam herein, dicht gefolgt von einem Mädchen, das wahrscheinlich die neue Rookie war.
Sie sah anders aus, als Jeff sie sich vorgestellt hatte. Er konnte nicht genau sagen, wie er sie sich vorgestellt hatte, aber er vermutete, ein wenig wie Rachel, doch das entsprach nicht den Tatsachen.
Mary Longs, wie McCoy sie vorstellte, war eine etwa 24-jährige, dunkelhäutige Frau. Sie trug sehr helle, größtenteils weiße, Kleidung, die ihre Hautfarbe noch mehr betonte. Ihr von dunkelroten Haaren umrahmtes Gesicht zeigte eine Mischung aus Neugier und einer Art Lampenfieber. Ihre hellgrauen Augen, die Jeffrey an die ebenfalls grauen Augen seines verstorbenen Vaters erinnerten, bildeten einen starken Kontrast zu der dunklen Haut.
McCoy hatte den Raum inzwischen verlassen und Mary stand immer noch alleine vor der versammelten Gruppe der Rookies. Sie schien sich nicht entscheiden zu können, wo sie sich hinsetzen sollte und als ihr niemand einen Platz anbot, schlug Jeff ihr vor, den leeren Platz zu seiner linken zu nehmen.
Als sie sich setzte, begrüßte er sie und fragte dann: „Wie kommt's dass du so spät noch in die Gruppe einsteigst? Normalerweise müsstest du deine Ausbildung doch im ersten Jahr beginnen, oder?“
Mary lächelte und erklärte: „Ich bin ja kein richtiger Neuling. Ich war vorher bei der PSA, doch das war mir zu riskant. Deshalb bin ich hierher gewechselt, wo einem ja eigentlich nichts passieren kann, oder?“
„Außer, dass man beim Test durch fällt, und Ärger bekommt“, stimmte Jeff ihr zu, dann konzentrierte er sich auf den Unterricht, der nach Marys Ankunft begonnen hatte.

„Was hältst du von ihr?“, fragte Rachel nach dem Unterricht.
„Mary? Sie scheint ganz nett zu sein.“, gab Jeff zu.
Triumphierend rief Rachel aus: „Ich wusste es: Du stehst auf sie.“
Jeff wollte widersprechen, aber dann beschloss er, nur mit den Schultern zu zucken. Er erklärte ihr: „Das lässt sich nach einer Stunde nebeneinander sitzen nur sehr schlecht sagen.“
Rachel sah ihn belustigt an, dann erklärte sie ihm, sie müsse weg und dann mit einem Grinsen auf den Lippen wegging.
Jeff wollte ebenfalls gerade gehen, als ihn jemand von hinten ansprach.
„Kann man nicht sagen?“, fragte Mary, die anscheinend der Grund für Rachels Grinsen gewesen war.
Stammelnd versuchte Jeff, eine Ausrede zu finden, und erklärte ihr: „Da- Das war nur ein Gag. Ich- Ich meine... Du weißt schon.“
„Willst du's herausfinden?“, fragte Mary ihn.
Jeff verstand im ersten Moment nicht, bis ihm klar wurde, dass sie ihm gerade ein Date angeboten hatte.
Hastig, etwas zu hastig, wie er im Nachhinein dachte, nickte Jeff, dann schlug er vor: „Ich hätte morgen Abend Zeit. Natürlich nur, wenn du Lust hast.“
Mary zwinkerte ihm zu und meinte dann: „Bis morgen dann.“
Jeff sah ihr kurz nach, als sie wegging. Dann drehte er sich ebenfalls um und ging in Richtung seines Quartiers.
Letztlich hatte ihm Rachel durch ihren Scherz also sogar einen Gefallen getan. Das musste er ihr nächstes Mal wenn er sie sah, einfach unter die Nase reiben...

Der Plan

Obwohl sich Charles mit Maeves Plan nicht wohl fühlte, war es nun zu spät, um aufzuhören. Egal was es kostete.
Durch das Fenster in ihrem ehemaligen Zimmer konnte er sehen, dass der sichelförmige Mond schon hoch am Himmel stand. Es kam ihm so vor, als sei ihm der Mond vertrauter als die Sonne, da er tagsüber meist schlief und die eher in der Nacht unterwegs war.
Unter dem Bett, hatte Maeve gesagt, und genau dort wurde auch fündig. Unter einer losen Holzdiele lag eine flache Kiste, die er nun herausholte. Nachdem er sie aufs Bett gelegt hatte, öffnete er sie und ihm blitzten drei Messer entgegen.
Sie hatten einen schwarzen Griff und eine lange, leicht gebogene Klinge. Während zwei der Messer etwa 25 cm maßen, hatte das dritte die beeindruckende Länge von etwas mehr als 35 cm.
Vorsichtig holte er die längste Klinge heraus und wog sie langsam in der Hand. Sie war perfekt ausbalanciert und läge, hätte er etwas kleinere Hände, so wie Maeve, perfekt in der Hand.
Er steckte die Waffe sowie die beiden anderen in drei provisorische Halfter, die er aus einfachen Seilen gefertigt und an seinem Gürtel befestigt hatte. Dann verließ er den Raum. Wenn er den nächsten Teil des Plans ausführte, würde es kein Zurück mehr geben, doch für Charles gab es jetzt schon keines mehr. Er hatte Maeve versprochen, es zu tun und nun würde er es auch tun.

Müde saß Emily Warden noch spät in der Nacht in der Planungsabteilung, da die Pläne für die neue Bewaffnung schon in der nächsten Woche fertig sein mussten, und sie noch fast nichts vorzuweisen hatte.
Auf einmal hörte sie, wie die Tür die in den Raum führte auf schwang.
Sie drehte sich um und sah eine Gestalt auf sich zugehen. Erst dachte sie, es läge an der schummrigen Beleuchtung, dass sie sein Gesicht nicht erkennen konnte, doch als er näher kam, sah sie, dass er eine schwarze Skimaske aufgesetzt hatte.
Panik erfasste sie, denn ihr war klar, dass wenn jemand sein Gesicht versteckte, derjenige bestimmt nichts Gutes im Schilde führte.
Sie stand von ihrem Stuhl auf, oder versuchte es zumindest, doch der Fremde drückte sie zurück.
„Bleib sitzen.“, sagte der Angreifer mit einer kalten Stimme, die Emily zwar bekannt vor kam, die sie aber nicht zuordnen konnte. Sie vermutete, dass es einer der Rookies war, die bei der Versuchsreihe zum Testen der neuen Waffensysteme mitgemacht haben.
Gehorsam setzte sie sich hin und fragte mit zittriger Stimme: „Was willst du.“
Zur Antwort entblößte der Angreifer drei lange Messer, die von seinem Gürtel hingen.
Einen kurzen Moment wollte Emily fliehen, doch da sie wusste, dass ein solcher Versuch sinnlos wäre, blieb sie sitzen und fragte stattdessen nur: „Warum?“
Der Fremde antwortete nicht. Stattdessen griff er nach einer Rolle Panzertape, die auf Emilys Schreibtisch lag.
Sie wehrte sich nicht, als er ihre Hände damit an den Stuhl auf dem sie saß fesselte.
Dann griff er nach einem der beiden kürzeren Messer.
Emily spürte wie Tränen ihre Wangen herunterliefen. Sie öffnete den Mund zu einem Schrei, doch es kam nur ein ersticktes Wimmern heraus.
Der Fremde hob nun das Messer und stach es in Emilys Brust. Sie spürte keine Schmerzen, was höchstwahrscheinlich an einem Adrenalinschock lag. Stattdessen betrachtete sie nur stumm, wie der Fremde nach dem zweiten der beiden Messer griff und es ebenfalls in ihre Brust stieß.
Langsam kam auch der Schmerz. Außerdem spürte Emily, dass sie keine Luft mehr bekam. Die Stiche hatten höchstwahrscheinlich ihre beiden Lungenflügel durchbohrt.
Nun wusste sie ganz sicher, dass sie sterben würde.
Sie blickte erneut zu dem Fremden hoch, der inzwischen zum dritten Messer gegriffen hatte, dass er, im Gegensatz zu den anderen beiden mit der Klinge nach oben hielt. Er hielt es unter ihr Kinn. Dann holte er langsam mit der Klinge aus.

Charles Brandner zog sich die Skimaske vom Gesicht, als er den Raum verließ. Wie Maeve gesagt hatte, steckten alle drei Messer noch in ihrem toten Körper.
Der erste Schritt auf dem Weg zu ihrer Freiheit war getan.

Die Forderung

Nachdem der Mord an Emily Warden entdeckt worden war, war allen klar gewesen, wer dahinter steckte.
Sie hatte keine Feinde und auch die ausgefallene Mordmethode sprach für sie, ebenso wie ihre Verbindung zu Heather Bryce. Alle wussten, dass Maeve Tuyet es irgendwie organisieren konnte, sie töten zu lassen.

Deshalb ging am folgenden Tag auch eine kleine Gruppe von Marines in den Kerker, die herausfinden sollten, wer den Mord begangen hatte. Als nächster Angehöriger von ihr, kam auch Jeffrey mit, doch als sie die Zelle erreichten, beschloss er, draußen zu bleiben. Er wollte einer mehrfachen Mörderin nicht in die Augen sehen und eventuell als nächstes Opfer ausgewählt werden. Stattdessen blieb er außer Sichtweite und hörte dem Gespräch, das zwischen Heather und Maeve stattfand nur von weitem zu. Die anderen Marines blieben ebenfalls draußen. Jeffrey wusste nicht, ob aus dem selben Grund wie er oder weil Heather es ihnen befohlen hatte.

„Die Tür wurde unter einem leisen Quietschen aufgezogen und Heather betrat die kleine Zelle.
Er verschwendete keine Zeit, um Maeve zu begrüßen, stattdessen begann sie mit einem einzigen Wort: „Warum?“
Maeve wandte sich zu ihr um und antwortete dann: „Obwohl ihr euch getrennt habt, steht sie dir doch näher, als irgendjemand sonst.“
Heather, die es nicht mehr schaffte, die Tränen zurückzuhalten schrie sie fast an: „Was bringt es dir, mich leiden zu lassen? Du wirst hier drin verrecken.“
Maeve schien unbeeindruckt. Stattdessen sagte sie nur: „Das denke ich nicht.“
Heather beruhigte sich wieder etwas. Sie ging einen Schritt auf ihre ehemalige beste Freundin zu und sagte dann: „Wer hat sie umgebracht.“
„Wir machen einen Deal.“, bot Maeve an, „Du besorgst mir Immunität und ich nenne dir einen Namen.“
„Niemals!“, rief Heather nun aus.
„Ich habe Duncan und Emily Warden, sowie Will und Jim Havering getötet. Wen willst du noch sterben sehen, bis dir klar wird, dass du gegen mich nicht gewinnen kannst.“
„Ich werde den Schuldigen finden, mit oder ohne deine Hilfe!“
Maeve lehnte sich auf ihrer Pritsche zurück. Sie antwortete nicht.
Heather wartete einen Moment, dann betrachtete sie dieses Gespräch als beendet und wollte den Raum verlassen, als Maeve doch noch etwas sagte: „Verabschiede dich schon mal von McCoy.“
Heather drehte sich hastig zu ihr um und hoffte auf ein Lachen, dass die Aussage zu einem Witz degradieren würde, doch Maeve fügte nichts hinzu. Sie sah Heather nur mit einem siegessicheren Lächeln an.
Heather drehte sich nun um und stürmte aus der Zelle. Sie rannte schnurstracks ins Ausbildungslager um mit McCoy zu sprechen.

„Wie war es?“, fragte Rachel.
Jeff schluckte. „Beunruhigend. Sie hat damit gedroht, McCoy umbringen zulassen und will erst aufhören, wenn man sie frei lässt.“, erklärte er seiner Freundin.
„Meinst du sie hat das ernst gemeint?“, fragte sie ihn.
Er nickte stumm, als ihm etwas zum ersten Mal richtig bewusst wurde: Irgend jemand aus der HF war ein Verräter und half Maeve. Und aus irgend einem Grund machte diese Person ihm mehr Angst als sie selbst.

Erneutes Treffen

„McCoy ist auch tot.“, berichtete Charles, „Die haben ihn ziemlich gut bewacht, seit du sie gewarnt hast, aber da ich ihm das Gift schon vorher verabreicht habe, war das kein Problem.“
Maeve sah zufrieden aus.
„Wahrscheinlich werden sie jetzt schon klein bei geben, aber spätestens nach deinem nächsten Opfer.“, erklärte sie ihm.
„Wer?“, fragte er, „Und wie?“
Warte damit noch. Ich will erstmal die Reaktion abwarten, dann können wir uns wieder darüber unterhalten.“
Charles nickte, dann sprach er ein weiteres Thema an. Eines, über das er schon nachdachte, seit er beschlossen hatte, das erste mal zu Maeve herunter zu gehen: „Wenn du erstmal draußen bist, hast du dann schon was vor?“
„Außer meine Rache zu nehmen?“, wollte Maeve wissen, deren Augen im Mondlicht, das durch das schmale Fenster herein fiel mysteriös leuchteten.
„Ich meine, hast du schon 'ne Verabredung?“, fragte Charles.
Maeve, die nun verstand, was er ihr sagen wollte, schüttelte langsam den Kopf, wobei ihre Augen starr auf Charles gerichtet blieben.
„Stehst du auf Serienmörder?“, fragte sie ihn scherzhaft.
„Ich schätze, ich bin selbst einer.“, antwortete er wahrheitsgemäß.
Maeve erhob sich langsam von der Pritsche, auf der sie beide saßen und ging einen Schritt, bis sie direkt vor ihm stand. Sie ging ein Stück in die Knie und beugte sich zu ihm vor.
Dann küsste sie ihn lange auf den Mund. Nachdem er seine anfängliche Überraschung überwunden hatte, erwiderte er den Kuss.
Als sie ihren Mund wieder von ihrem löste, flüsterte sie ihm zu: „Hol mich hier raus, dann können wir machen, wozu auch immer du Lust hast.“
Charles nickte, dann beschloss er zu gehen, da der Mond sich schon wieder dem Horizont näherte und er bestimmt nicht dabei erwischt werden wollte, wie er den Zellentrakt verließ, während alle nach einem Verräter suchten.
„Hast du nicht was vergessen?“, fragte Maeve ihn, als er gerade aufstehen wollte.
Er drehte sich zu ihr um und sah sie fragend an, bis sie erklärte: „Es kann nicht mehr lange dauern, bis sie mich überwachen lassen. Es wundert mich, dass sie es noch nicht tun. Deshalb musst du dein nächstes Opfer kennen.“
Charles sah sie fragend an. Hatte sie nicht eben noch gesagt, sie würde ihm den Namen erst geben, wenn sie nicht auf ihre Forderung eingingen?
Stattdessen fragte er: „Wer ist es?“
Maeve sah ihn mit einem Ausdruck an, den Charles nicht ganz zuordnen konnte. Er schätzte, es handelte sich um eine Art Schadenfreude. Dann sagte sie langsam und betont: „Claire Roan.“ und fügte hinzu „Das wird Heather den Rest geben.“
Charles verstand den Grund dafür nicht. Er kannte Heather zwar nicht persönlich, aber soweit er wusste, hatte Claire schon lange mit ihr Schluss gemacht und den Kontakt völlig abgebrochen. Er vermutete, dass der Grund dafür etwas mit Maeve zu tun hatte.
Er ignorierte seine Frage. Er dachte sich, Maeve wüsste schon, was sie tat. Er nickte und flüsterte ihr nur ein leises „Bis zum nächsten mal“ zu, als er die Zelle verließ.

Im Weggehen dachte er über Maeves Plan nach. Er fragte sich, warum er nicht einfach Heather hatte töten sollen, denn sie war ja Maeves eigentliches Ziel.
Ihm behagte es nicht, so viele Unschuldige zu töten, doch jedes mal, wenn er zu zweifeln begann, fiel ihm der Kuss wieder ein, den sie ihm gegeben hatte.
Er würde alles für Maeve tun.
Alles.

Eine Frage der Zeit

„Wie lief dein Date gestern Abend?“, fragte Rachel.
„Gut.“, erwiderte Jeff, „Das heißt, eigentlich schlecht. Obwohl, insgesamt lief's gut.“
Rachel, die aufgrund von Jeffs Andeutungen ziemlich neugierig geworden war, forderte nun: „Spann mich nicht so auf die Folter! Erzähl!“
„Es fing ziemlich mies an.“, berichtete Jeff, „Die Sache mit Tante Emily hat mich runter gezogen. Die Stimmung war demzufolge anfangs ziemlich bedrückt, aber irgendwie hat Mary es dann geschafft, mich abzulenken.“
„Und wie ist es ausgegangen?“, fragte Rachel.
Jeff lächelte, dann erklärte er: „Das klingt vielleicht etwas überstürzt, aber wir sind jetzt zusammen.“
Rachel sah ihn einen Moment lang verwirrt an, dann grinste sie und meinte: „Dann schuldest du mir was. Immerhin hab' ich euer Date ja sozusagen organisiert.“
Jeff schüttelte den Kopf.
„Du wolltest mich mal wieder blamieren.“, korrigierte er seine Freundin.
Rachel machte die Andeutung eines Nickens, dann meinte sie: „So kann man das natürlich auch sehen.“ Dann setzte sie ein ernsteres Gesicht auf und fragte: „Wie geht es dir jetzt eigentlich wegen Emilys Tod?“
Schlagartig wurde auch Jeff wieder ernst. „Schlecht. Besonders weil ich nicht weiß, wer da für Maeve arbeitet. Außerdem könnte ich sein oder ihr nächstes Opfer sein. Immerhin sind Heather und ich auch gute Freunde. Besonders nach dem Tod meines Vaters.“
„Glaubst du es wird besser, wenn die sie freilassen?“, fragte Rachel.
„Warum sollten sie?“, erwiderte Jeff, „Die werden doch nicht einen Serienmörder gegen eine noch schlimmere Killerin eintauschen, oder?“
„Hast du Heather mal in letzter Zeit gesehen? Die ist ziemlich am Ende. Natürlich kann nur Roan das anordnen, aber mit genug Druck von Heather wird sie nachgeben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie frei kommt.“

Salz in den Wunden

Heather fühlte sich nicht wohl dabei, erneut in den Kerker zu ihrer alten Freundin Maeve zu gehen, aber es blieb keine andere Wahl.
Als sie unten ankam, öffnete sie die Tür.
„Hallo, Heather!“, wurde sie von Maeve empfangen, „Hast du deine Meinung geändert?“
„Nein, aber ich biete dir noch eine Chance, mir den Namen zu nennen!“, erwiderte Heather mit gefühlloser Stimme.
Maeve legte sich auf die Pritsche und sah Heather an. Einige Zeit sagte sie nichts, dann fragte sie: „Warum hast du dich für Samantha entschieden?“
Heather fühlte sich an, als hätte sie jemand mit eiskaltem Wasser übergossen. Sie stotterte leise etwas und senkte dann den Blick.
„Wie bitte?“, fragte Maeve noch einmal.
„Es war ein Fehler. Ich hab mich von ihr verführen lassen.“, wiederholte sie.
„Wie hat sich ihr Verrat angefühlt? Schlimmer als meiner?“
Heather schüttelte kurz den Kopf, bis die Bewegung in ein Nicken überging. „Auf gewisse Art und Wiese schon.“
Als sie den Kopf wieder hob, sah Maeve, dass ihr Tränen in den Augen standen. Sie lächelte in sich hinein.
„Und sie hat dich Claire gekostet.“, fügte sie hinzu, um Salz in die Wunde zu streuen.
Heather nickte wieder.
„Sie hasst dich.“, steigerte Maeve noch weiter, „Die einzige, die dich noch mochte, war di ekleine Emily.“
Heather nickte langsam.
„Warum hast du mit ihr Schluss gemacht? Sie hat dich wirklich geliebt.“
Heather nuschelte wieder etwas, und wiederholte es nach einer weiteren Nachfrage von Maeve erneut: „Wegen Claire.“
„Dann solltest du vielleicht den Tod von Claire verhindern.“, erklärte Maeve.
Erschrocken sah Heather auf und blickte direkt in die eiskalten Augen von Maeve.
„Ich habe meine Rache gehabt. Der einzige Grund, warum ich ihn weiter morden lasse, ist, dass ich hier heraus will.“
„Claire wäre dein nächstes Opfer?“, fragte Heather mit von Tränen erstickter Stimme. Seit Maeves Verbündeter Emily umgebracht hatte, weinte sie viel, und obwohl sie sich vorgenommen hatte, vor Maeve nicht in Tränen auszubrechen, schaffte diese es, sie mit ihren Reden so zu manipulieren, dass Heather die Tränen nicht weiter zurückhalten konnte.
„Ja.“, erwiderte Maeve mit gespielter Traurigkeit und fügte dann hinzu: „Ich würde dieses Opfer gerne vermeiden.“
„Lass sie am Leben.“, bat Heather.
„Du weißt, was ich will.“, antwortete Maeve.
Heather schloss die Augen. Mit ihrem Handrücken wischte sie sich einige Tränen aus den Augen. Dann öffnete sie sie wieder und erklärte Maeve: „Ich verspreche dir, dass du Immunität erhalten wirst, wenn du sie am Leben lässt und auch sonst niemanden mehr umbringst.“
Maeve nickte. Eigentlich hatte sie gehofft, dass Claires Tod auch noch nötig gewesen wäre, aber das konnte sie immer noch selbst erledigen, sobald sie draußen war.
Und dann ertappte sie sich bei einem Gedanken, der ihr Unbehagen bereitete, sie aber zugleich auf eine tiefgreifendere Art befriedigte:
Sobald sie draußen war, bei Charles.

Erkennen

„Kaum zu glauben, dass Maeve jetzt wirklich auf freiem Fuß ist, oder?“, beschwerte sich Rachel. Genau genommen tat sie das schon den ganzen Tag.
Gerade als Jeffrey antworten wollte, riss sie ihn zurück. Sie bedeutete ihm still zu sein und deutete um eine Ecke, um die sie gerade gehen wollten.
Jeff sah dort entlang. Maeve ging dort entlang. Alle Leute, die ihr begegneten, wichen zurück, weshalb man sie sehr gut sehen konnte.
Obwohl Jeff sie noch nie gesehen hatte, kam sie ihm seltsam bekannt vor. Er vermutete, dass sie ihn an jemanden erinnerte, den er mal gekannt hatte.
„Was meinst du? Sollen wir sie mal verfolgen?“, schlug Rachel vor.
Jeff fühlte sich nicht wohl dabei. Er antwortete: „Das dürfen wir nicht. Außerdem ist es gefährlich.“
„Das macht es doch erst interessant!“, erwiderte Rachel, „Also ich werde sie auf jeden Fall ein wenig beobachten. Egal, ob du mitkommst oder nicht.
Widerwillig beschloss Jeff, mitzukommen.

Es lohnte sich nicht wirklich. Alles was sie tat, bestand darin, durch die Gänge umher zu irren. Es sah aus, als suche sie jemanden. Vielleicht gefiel ihr aber auch nur das Gefühl, zu sehen, wie alle vor ihr zurückwichen, als sei sie eine Art Promi.
Nach etwa einer halben Stunde gemäßigter Verfolgung, kamen die beiden an ein kleines Problem: Der Gang, in den Maeve ein bog, war komplett leer.
Sie beschlossen trotzdem, ihr zu folgen. Sollte sie sie entdecken, konnten sie immer noch sagen, dass es sich um Zufall handele.
Nachdem sie die Hälfte des weiß gefliesten Ganges zurückgelegt hatte, blieb Maeve stehen. Ohne lange nachzudenken, folgten Jeff und Rachel ihrem Beispiel.
„Warum folgt ihr mir?“, fragte Maeve, ohne sich zu ihnen um zu drehen.
„Wir müssen auch hier entlang. Es ist Zufall.“, erzählte Rachel die vorbereitete Geschichte.
„Haltet ihr mich für so blöd?“, fragte Maeve, „Ihr folgt mir schon seit mindestens zwanzig Minuten! Warum?“
Rachel schien nervös zu werden. Anscheinend hatte Maeve sie schon lange bemerkt und jetzt nur in einen einsamen Gang gelockt.
Maeve drehte sich zu ihnen um. Auf ihrem Gesicht lag ein Ausdruck von Wut... der plötzlich einem Ausdruck der Verwirrung wich, als sie sich gänzlich umgesehen hatte.
Sie sah aus, als wollte sie gerade stotternd etwas sagen, als Jeff sie unterbrach: „Du hast meinen Vater getötet!“
Einen Moment sah sie ihn noch verwirrter an, dann wechselte ihr Ausdruck wieder zu Wut.
„Und meine Tante! Sowie einen guten Freund!“, schrie er noch dazu.
„Nein.“, erwiderte Maeve, „das warst du.“
Rachel sah ihren Freund fragend an, der sich ebenso wie sie wunderte, was Maeve damit sagen wollte.
Statt zu antworten, beschloss Jeff, sich umzudrehen und abzuhauen.
Rachel sah noch einen Moment zwischen den beiden hin und her, dann folgte sie ihm.

Geständnis

Es war schon ziemlich spät, als Charles an die Tür zu Maeves Zimmer klopfte, in dem sie untergebracht war, bis sie alle Vorbereitungen zum Verlassen der HF abgeschlossen hatte. Er hatte einiges zu erklären, nur hatte er bis jetzt keine Zeit gefunden, zu kommen.
Charles sah, dass der Türgriff heruntergedrückt wurde, als die Tür mit einem Mal aufgerissen wurde und er direkt in den Lauf eines kleinen Handblasters blickte.
„Was sollte das heute Nachmittag?“, fragte Maeve mit einer Stimme, die oberflächlich kühl klang, unter deren Oberfläche jedoch Gefühle zu spüren waren, so wie man im Winter Fische durch die Eisdecke eines gefrorenen Sees sehen kann.
„Ich kann das erklären...“, begann Charles, als ihn Maeve unterbrach: „Heather weiß, dass ich etwas vorhabe, nachdem ich ihr deinen Namen nicht verraten habe. Vielleicht hätte ich es tun sollen.“
Hör mir doch erst einmal zu!“, rief Charles lauter als gewollt. „Derjenige mit dem du dich heute Nachmittag unterhalten hast, war wirklich nicht ich. Sein Name ist Jeffrey Warden und er ist Duncans Sohn.“
„Und ihr seht zufällig genau gleich aus?“, fragte Maeve mit ironischer Stimme.
„Wenn du die Waffe runter nimmst, erkläre ich dir das gerne.“, bot Charles an.
Maeve steckte die Waffe in ihren Halfter.
„Als du Duncan Warden getötet hast, hatte sein Sohn einen Schock. Infolge dieses Schocks bin ich entstanden.“, begann Charles.
„Was willst du mir damit sagen?“, hakte Maeve nach.
„Wir sind ein und die selbe Person. Ich... Oder eher gesagt, er ist schizophren.“, beendete Charles seine Erzählung.
Maeve sah ihn erstaunt an. Dann fragte sie: „Heißt das, er ist auch gerade dabei?“
Charles schüttelte den Kopf. „Ich weiß von ihm, aber er nichts von mir. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich später entstanden bin.“
„Wir müssen ihn loswerden.“, stellte Maeve fest.
„Wenn das ginge, hätte ich es schon längst gemacht.“, erwiderte Charles.
„Ich glaube, es geht. Du musste es nur richtig angehen.“, konterte Maeve, „Durch den Verlust eines geliebten Menschen ist er soviel schwächer geworden, dass du entstanden bist. Was wäre, wenn sich das wiederholen würde?“
„Ich verstehe.“, erwiderte Charles. Dann fügte er hinzu: „Ich habe immer versucht, zu verhindern, dass er sieht, was ich tue. Aber ich glaube, dafür könnte ich eine Ausnahme machen...“
Maeve verstand zwar nicht ganz, was er damit meinte, aber es klang, als hätte er einen Plan, womit er es noch besser gestalten konnte. Deshalb sagte sie nichts.

Charles ging zu ihr, umarmte sie und küsste sie lange.
Als er sich wieder von ihr löste, erklärte er: „Morgen Abend wird Jeffrey Warden tot sein.“

Ein Schuss

Jeffrey wusste nicht, was er tat.
Er sah sich durch die Gänge laufen, doch er tat nichts dergleichen.
Es hätte wie ein Film in der Ego-Perspektive gewirkt, wenn Jeff nicht gewusst hätte, dass es die Realität ist. Er war schon durch die halbe Hero Factory gegangen worden, als sein Körper auf einmal anhielt. Er sah sich um, um sicherzugehen, dass niemand da war, dann sagte Jeff ohne es zu wollen: „Es ist Zeit, dass ich dir erkläre, was gerade passiert. Wir leben in einem Körper. Bisher habe ich meine Existenz geheimgehalten, doch nun werde ich an die Öffentlichkeit treten, und wie ginge das besser, als durch einen Mord.“
Schockiert sah sich Jeff, soweit das ohne Kopfdrehen möglich war, um. Hier lebte niemand, den er kannte. Sein anderes Ich, das anscheinend mitbekommen hatte, was Jeff dachte, sagte: „Wir sind noch nicht da.“
Dann setzte er sich wieder in Bewegung. Jeff versuchte zu sprechen, doch er konnte seinen Körper (und damit auch seinen Mund) nicht kontrollieren.

Einige Zeit später hielt sein Körper erneut an. Jeff sah sich erneut um, und dieses Mal half ihm sein anderes Ich, indem es sich nach vorne beugte, sodass Jeff das Namensschild an der Tür lesen konnte.
Er fragte sich, ob auch sein Körper so aschfahl wurde, wie er sich fühlte. Er wollte widersprechen, doch er bekam den Mund nicht auf.
Auf dem Namensschild stand Mary Longs, Rookie, 4. Lehrjahr.
Jeff sah seine Hand, die sich zur Türklinke hob, dann jedoch abwich und an die Tür klopfte.
Die Tür ging auf und Mary kam heraus. Sie schien sich zu freuen, ihn zu sehen.
Als Jeff sah, wie seine Hand zum Waffenhalfter an seinem Gürtel glitt, schaffte er es irgendwie durchzubrechen. Er schrie heraus: „Hau ab!“
Mary sah ihn verwirrt an, dann erblickte sie die Waffe in seiner Hand und stieß die Tür zu.
Jeffs Körper ließ sich davon nicht aufhalten und trat die Tür ein.
Er richtete die Waffe erneut auf sie und wieder schaffte Jeff es durchzubrechen. Durch sein Eingreifen ging ein Schuss ganz knapp an Mary vorbei, die ihn schockiert und ängstlich zugleich ansah.
Er feuerte noch zweimal und Jeff konnte beide Schüsse vorbei lenken. Er hörte Schritte im Gang, weshalb er die Tür wieder anlehnte (Zumachen konnte er sie nicht mehr, da das Schloss zertreten war) und mit der Waffe auf Mary gerichtet flüsterte: „Sei ruhig!“
Jeff wollte durchbrechen um um Hilfe zu rufen, aber anscheinend konzentrierte sich sein Alter Ego stärker als zuvor um ihn abzuhalten. Als die Schritte vorbei gezogen waren, schoss Jeffs Körper erneut.

Erst jetzt schaffte Jeff es, wirklich durchzubrechen. Unter großem Kraftaufwand senkte er die Waffe ein wenig. Dann ließ er sie fallen.

Als sein Alter Ego wieder die Kontrolle übernahm, spürte Jeff, wie wütend dieser war.
Er griff nach einem Gürtel, der in Griffweite herumlag und formte eine Schlaufe. Er ging unter großem Widerstand von Jeff auf Mary zu, die mit dem Rücken zur Wand stand und es nicht schaffte irgendwie zur Seite auszuweichen.

Gerade als er ihr die Schlaufe um den Hals legen wollte, um sie zu ersticken, schwang die Tür auf.
Jeff konnte einen Gedanken seines Alter Ego spüren: „Das ist bestimmt Maeve“ und ihm wurde erst jetzt bewusst, dass er selbst Maeves Partner gewesen war.
Maeve war in den Raum getreten und hatte eine Waffe auf Mary gerichtet. Dann hörten alle, wie noch jemand hinein kam, doch noch bevor Jeffs Körper sich in die Richtung gedreht hatte, löste sich ein Schuss...

Das Finale

Jeffreys Körper fiel tot zu Boden.
Als Maeve sich von dem Schock erholt hatte, wandte sie sich der Person in der Tür zu. Es war natürlich Heather, die ihr erneut jemanden genommen hatte, den sie liebte. Sie riss die Waffe herum und drückte ab, ohne nachzudenken. Die Kugel durchbohrte Heathers linke Schulter. Sie schrie vor Schmerzen auf, doch Maeve blieb ungerührt. Sie feuerte eine weitere Kugel in ihre rechte Schulter, sodass sie die Waffe fallen ließ.
Jetzt ging sie auf Heather zu und trat ihr mit ihrem Stiefel ins Gesicht. Blut schoss aus Heathers Nase, als Maeve wütend schrie: „Warum musst du alles kaputt machen, was ich mir aufbaue?“
Heather, die es nicht mehr schaffte, sich aufzustützen, und die nun auf dem Boden vor Maeve lag, antwortete Blut spuckend: „Weil alles auf Mord und Leid aufgebaut ist.“
Maeve drückte ohne nachzudenken noch einmal ab. Diesmal drang die Kugel in Maeves Rücken ein. Etwa auf Höhe des Magens.
Heather schrie erneut auf. Dann versuchte sie, nach ihrer Waffe zu greifen, doch Maeve feuerte eine weitere Kugel in ihre Hand.

Heather zuckte zurück. Sie hatte bei der Ausbildung viele Schmerzen ertragen müssen, aber die waren nichts, verglichen mit dem hier.
Als Heather an Maeve hoch blickte, sah sie etwas, was sie nie und nimmer erwartet hätte: Tränen.
Maeve wischte sie mit einer flüchtigen Handbewegung aus ihrem Gesicht und meinte dann erklärend: „Du hältst mich für eine Art Monster, nicht wahr? Aber ich habe meine Eltern geliebt. Genau wie ich Charles geliebt habe.“
Nach einem fragenden Blick von Heather deutete Maeve auf den toten Körper von Charles und Jeff.
Heather wollte gerade etwas sagen, als Maeve sich wieder zu Wort meldete: „Alles, was ich mir aufbaue, musst du zerstören. Du hast mein Leben ruiniert. Zweimal
Sie machte eine kleine Pause, in der sie sich zu Heather herunter beugte. Sie sah ihr direkt in die Augen und sagte dann: „Egal wie sehr du leidest. Egal, wie groß dein Schmerz ist, er wird niemals ausreichen.“ Sie erhob sich wieder und schrie sie dann fast an: „Du hast nicht genug Tränen für das was du mir angetan hast!
Heather griff nach der Waffe, die noch immer in der Nähe ihrer kaputten Hand herumlag. Maeve, die das sah, trat sie sofort außer Reichweite.
„Vergiss es, Kleine!“, sagte sie gehässig und wandte sich dann Mary zu, die noch immer verängstigt in einer Ecke des Raumes stand. Heather bemerkte, dass sie sie schon fast vergessen hatte. Maeve richtete ihre Waffe auf Mary und erklärte Heather dann: „Ich könnte dich sofort erschießen und ich bin mir sicher, dass das vernünftig wäre, aber ich will dich leiden sehen und deshalb werde ich zunächst sie erschießen. Sie ging direkt neben Mary und hielt die Pistole an ihre linke Schläfe. Mary schloss die Augen, als sich ein lauter Schuss löste.
Sie spürte keinen Schmerz. Sie öffnete die Augen und sah, dass sich Maeve an die Brust griff. Als sie die Hand zurückzog, war sie voller Blut. Maeve sackte zunächst auf die Knie, dann kippte sie vorn über und bewegte sich nicht mehr.

Heather sah sie einen Moment schockiert an, dann drehte sie sich unter Schmerzen zur Tür um und sah Claire, die mit einer Waffe in der Hand im Rahmen stand. Unter schmerzen richtete Heather sich auf und ging die wenigen Schritte in ihre Richtung.
Claire fing sie auf, als sie umzukippen drohte.
„Du hast uns das Leben gerettet.“, raunte Heather ihr zu.
Claire untersuchte kurz ihre Wunden und meinte dann: „Du musst versorgt werden. Du verlierst viel Blut.“
Heather ignorierte sie und beugte sich wieder zu ihr hinüber, bis sich ihre Gesichter fast berührten. Sie öffnete den Mund zu einem Kuss, doch kurz bevor ihre Lippen sich berührten, drückte Claire sie ein wenig weg.
„Ich kann dir nicht verzeihen, was du damals getan hast!“, erklärte sie.
Heather senkte den Blick, dann löste sie sich von Claire.

Sie ging zu Mary und Maeve herüber. Zumindest dachte Claire das bis sie sich in der Mitte des Raumes bückte.
Claire dachte, es hätte mit ihren Schmerzen zu tun, doch als sie sich wieder erhob, hatte sie etwas in ihrer nicht zerschossenen linken Hand. Claire sah den kleinen silbernen Gegenstand einen Moment lang an, bis sie erkannte, worum es sich handelte: Ihre Waffe.

Sie wollte zu ihr eilen um sie ihr wieder abzunehmen, doch als sie sie erreichte, stieß Heather sie achtlos weg.
Die nächsten Momente schienen für Claire wie in Zeitlupe zu vergehen. Heather hob die Hand zu ihrem Kopf und drückte die Waffe unter ihr Kinn. Sie drehte sich zu Claire um und erklärte: „Es tut mir leid, aber ich kann nicht mehr. Nach allem, was sie getan hat.“
Claire sprang wieder auf, aber als sie wieder auf den Füßen stand, war es bereits zu spät. Unter einem lauten Knall fiel Heather zu Boden.

Claire weinte.

ENDE

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