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Vorwort

Bei dieser Kurzgeschichte geht es quasi um das Ende eines Epos ("In seiner Hand..."), den ich mal vor einiger Zeit angefangen hatte, dann aber doch gestoppt hatte, weil ich mich da irgendwie verrannt habe. Ich finde ihn immer noch schlecht, muss ihn aber zu Ende führen, da er für die geplante Gesamtstory enorm wichtig ist.

Kausa der Matoraner, der plötzlich halbtot auf der Insel Galaya Nui aufgetaucht war und keine Erinnerung an die letzten entscheidenden Tage hat, muss im Wissenschaftszentrum der Insel seine Erinnerung wieder gelangen. Hier geht es um die Erinnerungen, die er mittels eines Apparats wiedererleben konnte.

Die Erinnerungen

Kausa saß in den Heilerkatakomben. Natürlich war es nicht die Art von Katakomben, in denen in jeder Nische Tote vor sich hinvegetierten. Die Heiler achteten immer penibel auf anständige Arbeitsbedingungen- vor allem im Bereich Helligkeit und Hygiene-, aber es stimmte insofern überein, dass die Heilerstätte unterirdisch ist, es sich um ein Labyrinth aus schmalen Gängen hanelt und es überall nach Verwesung stinkt. Letzteres lag jedoch an Rasah. Einige ihrer Wunden hatten sich mit irgendetwas infiziert undzu faulen begonnen. Kausa hatte zwar eine Grundausbildung in medizinischer Versorgung, hatte auf dem Rückweg so gut wie keine Zeit und Mittel sie entsprechend zu verarzten. Sie wurden von Rahi und zwischendurch auch ein Mal von Wegelagerern belästigt. Es war eine einzige Hetzjagd. Immer, wenn sie die eine Gefahr abhängen konnten, war die nächste auf sie aufmerksam geworden.

Doch sie konnten das Dorf erreichen. Und hinterdessen eisernen Mauern und dessen Ruf waren sie sicher. Trotzdem war Rasah nicht außerdem Gefahr. Jedes Mal, wenn ein Patient eingeliefert wurde, diskutierten sie um die Wette, wie man ihn behandeln sollte- als sie Rasah sah schwiegen sie.

"Kausa?"

Der Matoraner schreckte hoch. Fast wäre eingeschlafen und hätte sich in die Arme einer der Albträume begeben, die ihn auf der Flucht geplagt hatten, als sie mal kurz Zeit fanden zu schlafen.

Er sah auf. Vor ihm stand eine junge Heilerin. Einen Momentlang war er von ihrer Schönheit abgelenkt. Sie war eine Schülerin der Heiler und hatte wohl bei den Operationen an Rasah assistieren dürfen. Ihre Schönheit war eine Vergeudung. Denn bei den Heilern wird der Geist außschließlich auf die Medizin geschärft. Alles andere wird vernachlässigt. Sie hatten einen Grundsatz den sie Tag zu Tag vor sich hinbeteten, um auch dem Rest der Welt zu zeigen wie geistlos sie sind. "Unser Verstand ist die Schärfe unseres Skalpells", flüßterte Kausa und konnte sich ein Glucksen nicht verkneifen.

"Wie bitte?"

Wieder fuhr Kausaerschrocken zusammen. In einer Sekunde auf die andere, hatte er sie völlig vergessen. Ein Glück, dass sie nicht sehen konnte wie er unter seiner Kanohi silber anlief.

"Nichts, nichts. Was sagten sie noch gleich?"

"Ich habe gesagt, dass sie jetzt wieder stabil ist."

Erleichterung. Er musste sich selbst gestehen,dass er nicht erwartet hätte, dass sie überlebt. Kausa besah sich die Heiler-Schülerin genauer. Die Strapazen im OP-Raum waren ihr anzusehen. Sie war mit Blut bespritzt und ihre Kanohi saß etwas schief. Außerdem zitterten ihre Hände.

Sie sprach weiter: "Allerdings ist noch nicht sicher, ob sie diese Verletzungen in solchen Ausmaßen ohne Folgen verarbeiten wird. Wir können im Moment nur warten...Ich habe gehört, dass du über eine Woche nicht geschlafen hast. Du musst dich unbedingt ausruhen."

Kausa lächelte. "Ich schätze mal, dass solltest du auch."

Er wandte sich zur Aufzugskapsel. Draußen angekommen ging in die Richtung seines Dorfes und wurde fast von einem Matoraner überrannt. Ohne Entschuldigungen rannte der im Sprint weiter. Kausa kannte ihn. Er war ein Bote und kam aus der Richtung von Kotas Tempel.



***



Sie saßen in ihrer Bar als die Sirene ertönte. Detos hörte auf seinen allseitsbekannten Witz über die Heiler zu erzählen. Telu hatte zu einem geraden Fauststoß gegen Typen angesetzt, der einfach nur gefragt hatte, ob er die Erdnüsse wieder haben könne, nun verzog Telu sein Gesicht zu einer ärgerlich Grimasse und schlurfte Richtung Tür. Baro und Aita steckten gerade in einem Patt im Armdrücken, doch als sie unterbrochen wurden, verlor Baro die Konzentration und Aita renkte ihm fast die Schulter aus. Nex hatte die Getränke geholt und war direkt neben der Sirene hergelaufen. Jetzt stolperte er über den nun rutschigen Boden, während er still betete, dass die Taubheit auf seinem linken Audiorezeptor nur vorübergehend war. Kausa stand ächzend auf und half dann Rasah das gleiche zu tun.

Es war die Notstand-Sirene.



***



Auf dem Platz vor der Mauer wartete eine enorme Tafel mit den Namen und den Pflichten jedes Matoraners, egal ob Krieger, Heiler oder Handwerker, jeder hatte nun einen bestimmten Teil zu leisten. Kausa suchte nach seinem Namen, wurde aber immer wieder von den Geräuschen von fallenden Bäumen und scharbenden Metall abgelenkt. Es dauerte lange, aber schließlich fand er seinen Namen. Er hatte vergessen, dass er vor zwei Tagen wegen seiner Leistungen zum Elitekrieger der untersten Stufe befördert wurde. Er musste einige Auszubildene beaufsichtigen, während sie die Notfallerrichtung aufrichteten. Ein starker Regen hatte begonnen.

Die Auszubildenen jammerten, klagten, nörgelten. Immer wieder beschwerten sie sich, dass diese Aufgabe unter ihrer Würde war. Kausa wollte sie schon wegen ihrer Arroganz bestrafen, als ihm einfiel, dass er noch bis vor beginn der Reise genauso war. Also schluckte er seine Wut runter und Ignorierte ihre Beschwerden.



***



Der Regen war nun nahezu unerträglich. Er und seine Schützlinge patroullierten entlang einer einfachen aber soliden Mauer aus Holz, die die Hanwerker innerhalb weniger Stunden entlang der zwei dutzend Kio langen Küste hochgezogen hatten! Kausa musste unwillkürlich an einen Tisch denken, den er vor zwei Monaten in Reperatur gegeben hatte und immernoch nicht fertig war. Diese Holzmauer war zwar überdacht, aber der Wind wehte den Regen so stark herein, dass sie schon längst bis unter ihrer Rüstung durchnäst waren.

Aus weiter Ferne durchschnitt das Donnern der Protoplasma-Kanonen das Tosen des Meeres und das Heulen des Windes und das von Kausas Schützlingen. Er konnte es ihnen nicht verübeln. Sie waren schließlich noch in Ausbildung und bisher hatte es noch niemand gewagt ihr Gebiet anzugreifen, das bekannt dafür war Krieger auszubilden.

Er wusste, dass er sie aufmuntern musste: "Bei Mata Nui, jetzt stellt euch doch nicht so an! Zugegeben: ja, das Wetter ist nicht auf unserer Seite; ja, es ist zu dunkel, um unsere Feinde zu sehen; und ja, es ist zu laut, als dass wir sie auch nur hören könnten, aber...", Kausa stockte. Ehrlich gesagt, er wusste auch nicht weiter.

Zum Glück erschien in diesem Moment einer von Kotas Boten. Kausa musste zur Mauer, die Auszubildenen durften in die Erholungsunterkünfte.



***



Die Welt schien zu verlaufen. Der Lärm des Explodierenden Geschützturms, der Fall der Mauer, das Lodern der Flammen auf den Dächern, die Schreie der Matoraner und das Sirren dieser Wesen. Leblos und starr wie ihre Opfer, die sie schon zu dutzenden niedergerafft haben, standen sie da und hatten ihn umzingelt. Er sah seine Freunde und Mitkämpfer nichtmehr. Er wusste nicht, wie lange es jetzt schon her war, dass zum Rückzug befohlen wurde. Er hatte nicht gehen wollen, also ließ man ihn dort stehen. Er war umzingelt und doch griffen sie ihn nicht an. Sein Atem ging schwer, der Regen rann an seinen Fingerkuppen herab. Seine Hände waren leer. Die Waffe hatte er im Kampf verloren, als man ihm seinen linken Arm gebrochen hatte. Reglos standen sie da, reglos stand er da.

Er wartete, dass etwas geschah, sie auch.

Das Feuer brandte aus, die Schreie verstummten. Man hörte nur noch den Regen.

Dann wurde der Himmel erleuchtet. Donnern. Ein Moment der Unaufmerksamkeit. Das kaltleuchtende Auge aufblitzend. Dann Schwärze.



***



Hecheln. Etwas zog an ihm. Tahut muss aus seinem Zwinger ausgebrochen sein. Braver Hund.



***



Eine besorgte Stimme redete auf ihn ein. Die Fluchtversuche waren gescheitert. Skorpionartige Wesen haben die Schiffe zerstört.

Kausa hatte das Gefühl immer weiterabzudriften. Die Stimme wurde besorgter, schrie ihn schon beinahe an.



***



Viele Stimmen. Eine befahl ihm die Augen zu öffnen. Er gehorchte. Alles drehte sich. Er konnte keine Umrisse sehen, kein Punkt auf den er sich fokussieren konnte. Etwas berührte seinen linken Arm. Jemand schrie vor Schmerz und für einen kurzen Moment wurde alles schärfer. Ein Heiler fügte ihm diese Schmerzen zu. Detos stand neben ihm und redete auf den Heiler ein. Rasah stand irgendwo hinten und starrte ihn weinend an. Dann kippte das Bild zur Seite und die Schmerzensschreie verstummten.



***



Er hörte das Meer rauschen. Der Wind zischte ihn an, er solle sich festhalten. Das Donnern der Blitze stimmte dem Wind zu. Man drückte ihm etwas in die Hand. Dann wurde es plötzlich ganz hell. Panische Schreie. Er wurde von den Füssen gerissen, doch er hielt sich fest. Tahut jaulte und plötzlich wurde er festgehalten. Er wurde herumgerissen. Kausa schnappte nach Luft, doch er hatte das Gefühl zu ersticken.



***



Alles schlug sich zu einem Etwas zusammen. Alles war weiß und schwarz zugleich. Er konnte sich nicht bewgen, nicht schreien. Doch aus diesem Chaos stieg ein eiserner Vogel auf. Er brannte und schrie. Sowie sein Feuer heller wurde, desto lauter wurde sein Kreischen. Es hasste ihn. Es wollte seine Angst, seinen Hass sehen. Es gab keinen Ort wo er sich verstecken konnte, kein Raum in den er flüchten könnte, keine Wand, die ihn verbergen könnte.



***



Es war gleißend hell geworden. Kausa rang nach Atem. Und bei den Großen Wesen, er konnte atmen. Er öffnete zweifelnd seine Augen. Über ihn gebeugt stand Toa Aaka und musterte ihn mit einem komischen Blick. Desa stand zu seiner Rechten und starrte ihn ebenfalls an- allerdings wesentlich besorgter.

Aaka wandte sich an Desa: "Protokolliere: Das Projekt war ein 89% Erfolg. Genauere Einschätzungen lassen sich nur nach der Begutachtung des geistigen Zustand des Testobjekts angeben. Und jetzt schick ihn raus, wir brauchen ihn vorerst nicht!"




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