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Selbstfindung

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Selbstfindung ist eine Kurzgeschichte von Garrzo. Es handelt sich um eine Erzählung, die in seinem Hero Factory-Universum spielt.

Zeitliche Einordnung

Selbstfindung spielt einige Wochen nach dem Ende von Dystopia und Das Verhör. Die Geschichte spielt kurz vor den Ereignissen aus der noch unveröffentlichten Geschichte Wo ist Katie? und dient als Überleitung zu dieser.

Die Geschichte

Darauf bedacht, möglich gelassen auszusehen, lehnte Melinda an einer Hauswand. Sie zitterte. Sie wünschte, sie könnte es der Kälte zuschreiben, doch das wäre gelogen. Zumindest teilweise.
Ja, es war kalt, aber sie hatte auch Angst. Natürlich war sie auf ihre Mission vorbereitet, aber sie bekam trotzdem ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken daran.
Sie hatte Rage kaum gekannt; Falls man überhaupt davon sprechen konnte, dass sie sich kannten. Sie war eine der ersten Inkarnationen gewesen, die Dystopia erweckt hatte, die dritte, um genau zu sein, aber trotzdem war sie erst wenige Monate vor der Mission, bei der Rage übergelaufen war, wiedergeboren worden.
Melinda hatte viele Erinnerungen ans Töten, doch alle stammten aus ihrem Leben bevor sie als Melinda Ryke wiedergeboren war. Sie erinnerte sich, das Töten geliebt zu haben. Sie erinnerte sich an das Blut. Doch sie hatte noch nie jemanden auf Befehl getötet.
Um genau zu sein hatte sie überhaupt noch nie jemanden getötet. Dieser Körper hatte in seinem vorherigen Leben schon getötet, doch Melinda Ryke hatte erst ein einziges Mal getötet. Und das war lange vorher gewesen, in ihrem eigentlichen Körper.
Melinda hatte Rage nur einmal persönlich getroffen, aber sie hatten keine Worte miteinander gewechselt, also war es unwahrscheinlich, dass die rothaarige Verräterin sich überhaupt noch an sie erinnerte. Zumindest an diese Inkarnation.
Im Austausch für die Information, die zum Auffinden des Juggernaut Harold Craw geführt hatte, hatte man Rage in ein Zeugenschutzprogramm eingeschleust und ihr eine neue Identität gegeben. Durch einige korrupte Elemente in den zuständigen Behörden hatte Dystopia Rages neuen Aufenthaltsort herausgefunden und Jack hatte sie geschickt, um Rage zu beseitigen.
Melinda zog das Messer, das in das Futter ihrer Jacke eingenäht war. Es war kürzer als ihr lieb war – nur siebzehneinhalb Zentimeter – aber es war von hervorragender Qualität.
Vor ihrer Wiedergeburt als Melinda Ryke, als sie noch... Sie konnte sich nicht mehr an ihren damaligen Namen erinnern, doch er war so oder so irrelevant. Wichtig war nur, dass sie wieder sie selbst war. Melinda Ryke, die Frau, die in ihrem ersten Leben eine Präsidentin erschossen hatte und nun zu Dutzenden wiedergeboren war um ihr Werk zu vollenden.
Vor ihrer Wiedergeburt als Melinda Ryke hatte sie nie Messer von so einer Qualität nutzen können. Die Klinge war perfekt ausgewogen und leichter als jedes Küchenmesser, dass sie je verwendet hatte, als sie ihre Fähigkeiten noch benutzt hatte, um beliebige Männer zu töten, die auf sie hereingefallen waren und sie zu sich nach Hause eingeladen hatten.
Melinda griff eine Locke ihrer Haare und zog sie straff, dann legte sie die Messerklinge daran an. Damals hatte sie immer eine Locke ihrer Haare an dem leblosen Körper ihrer Opfer zurückgelassen, doch das durfte sie nicht mehr. Sie konnte es nicht mehr. So etwas tat Melinda Ryke nicht. So etwas hat – War ihr Name Roxanne gewesen? Oder Rachel? – getan.
So etwas hatte nur die Frau getan, die sie nicht mehr war. Sie war nun Melinda Ryke!
Sie ließ ihre Haare wieder los. Kurz dachte sie an die roten Haaren zurück, die sie in ihrem wahren Leben gehabt hatte. Blond passte nicht zu ihr. Dieser Körper war blond, aber im Herzen war Melinda Ryke immer noch rothaarig.
Melinda seufzte schwach, dann schob sie das Messer zurück in die versteckte Scheide in ihrer Jacke und setzte sich in Bewegung. Sie trat auf die Haustür der Wohnung zu, in der Rage ihren Informationen nach nun lebte.
Mit leicht zitternden Händen klopfte sie an.
Es dauerte einen Moment, dann hörte Melinda Schritte hinter der Tür näherkommen.
„Wer ist da?“, erklang eine Frauenstimme, gedämpft von der schweren Holztür.
„Hey, ich heiße Alexis. Ich bin ihre Nachbarin. Von gegenüber!“, Melinda ließ ihre Stimme möglichst heiter klingen. Sie war eine gute Schauspielerin. In ihren wahren Leben war sie das nie gewesen, aber dieser Körper hatte es schon vor der Transformation gekonnt. „Ich wollte... Kannst du vielleicht die Tür öffnen?“
Es kam einen Moment keine Antwort, dann öffnete sich die Tür soweit die Türkette es erlaubte. Für eine Sekunde blickte ein mageres Gesicht durch den Spalt, dann schloss die Tür sich wieder. Keine Sekunde später öffnete sie sich komplett.
Für einen Moment zweifelte Melinda, ob wirklich Rage vor ihr stand. Sie kannte die Verräterin mit mittellangen, dunkelroten Haaren, gebräunter Haut und Tätowierungen über den gesamten Körper. Die Frau, die jetzt vor ihr stand, hatte blassbraune Haare in einem langweiligen Kurzhaarschnitt. Sie war blass, fast schon bleich und wirkte etwas abgemagert.
Sie trug einen Wollpullover, unter dem ihre Arme nicht zu sehen waren und der auch ihren Hals bedeckte, doch dort wo Rage in Melindas Erinnerung Tätowierungen auf ihren Wangen gehabt hatte, sah sie nun nichts mehr, zumindest nicht auf den ersten Blick. Als Melinda genauer hinsah, konnte sie ganz schwach, selbst bei genauem Betrachten so gut wie unsichtbar, die Male erkennen, die beim Entfernen von Tattoos zurückgeblieben waren.
„Ich bin gerade etwas beschäftigt. Worum geht’s?“, fragte Rage mit schwacher Stimme.
Sie klang ängstlich. Ihr war ganz offensichtlich bewusst, das Dystopia Rache an ihr wollte, weshalb sie ihr neues Leben noch nicht genießen konnte. Melinda vermutete, dass Rage in jedem den sie sah, Gefahr vermutete – natürlich auch in ihr. Doch in dem Versuch, in ihre Nachbarschaft einzublenden, konnte sie es sich nicht leisten, völlig isoliert zu wirken. Deshalb hatte Melinda auch entschieden, sich als Nachbarin auszugeben.
Rages Hand hatte die offene Tür fest im Griff, bereit, sie bei einem Anzeichen von Gefahr sofort zuzuschlagen.
„Ich wollte...“, Melinda steckte die Hände in ihre Jackentaschen und umfasste den Griff ihres Messers, wobei sie versuchte, es so aussehen zu lassen, als wollte sie sich lediglich vor der Kälte schützen. „Ich wollte dir eine Botschaft übermitteln, Maggie!“, Melinda wusste nicht, woher der Name Maggie kam, aber als Jack ihr den Auftrag gegeben hatte, hatte er ihr befohlen – oder hatte er sie gebeten? Melinda war sich nie ganz sicher – Rage so anzusprechen.
Sofort als Rage den Namen hörte, versuchte sie, die Tür ins Schloss zu werfen, doch in einer blitzschnellen Bewegung riss Melinda die Klinge hoch und schnitt durch den Pullover hindurch die Haut an Rages Arm sauber auf. Blut spritzte ihr entgegen und Rage ließ die Tür mit einem Jaulen los.
Melinda trat ein und schubste Rage zurück, dann schloss sie die Eingangstür hinter sich.
Rage hielt sich den Arm und versuchte, den Blutfluss zu stoppen.
„Jack hat dich geschickt, nicht wahr?“, fragte die Verräterin.
„Dystopia hat mich geschickt.“, Melinda lächelte. Ihr Blick war auf das Blut gerichtet, dass durch Rages Finger quoll. „Darf ich vorstellen, Melinda Ryke“
Sie zögerte. Irgendwie fühlte es sich falsch an, sich so zu nennen. Seit ihrer Wiedergeburt hatte Melinda nicht mehr getötet und in ihrem wahren Leben hatte sie nur auf Distanz getötet. Melinda Ryke war von Blut nicht so unnatürlich fasziniert. Warum war sie es dann jetzt?
Eine plötzliche Bewegung von Rage riss sie aus ihren Gedanken. Die Verräterin war zur Seite gehechtet und hatte die oberste Schublade des Schrankes neben der Tür geöffnet. Daraus hatte sie einen einfachen Revolver gezogen und richtete ihn nun auf Melinda. Im letzten Moment duckte Melinda sich unter der Kugel weg und sprang wie ein wildes Tier auf Rage zu. Ihre Instinkte nahmen überhand und in schnellen Bewegungen schnitt sie Rages linken Oberarm auf, denjenigen, in dessen Hand sie die Waffe hielt, und durchtrennte ihre Kehle. Rotes Blut schoss durch den Raum und blieb an den weißen Wänden kleben. Sie konnte den süßen, metallischen Geruch bereits riechen. Rage ließ die Pistole fallen und griff sich an die Kehle. Die blonde Angreiferin ließ nicht locker und schlitzte mit immer mehr Klingenstreichen Rages Brust auf. Endlich konnte sie es auch fühlen. Große Mengen von Rages Blut schossen ihr entgegen, bedeckten Jacke und Gesicht und verklebten ihre blonden Haare.
Ihr Opfer taumelte und fiel rückwärts auf den Boden. Ohne zu zögern sprang Rachel hinterher.
Während sie auf Rage saß, wechselte sie den Griff an ihrem Messer und stach nun in Rages Brust.
Zum ersten Mal seit ihrer Wiedergeburt fühlte sie sich lebendig. Sie beugte sich vor und legte ihren Mund auf Rages Kehle. Gierig trank sie das Blut, dessen Fluss immer schwächer wurde.
Erst als ihr Durst gestillt war, richtete Rachel sich wieder auf. Sie schloss die Augen und sog Luft durch ihren Mund, bis sie sich wieder etwas beruhigt hatte.
Sie sah auf die Leiche unter sich und einen Moment war sie desorientiert. Wer war das? Warum hatte sie eine Frau getötet? Sie tötete nur Männer. Sie ging in Bars, traf Männer, ließ sich in ihre Wohnungen bringen und trank dort ihr Blut.
Nur langsam kamen die Erinnerungen zurück. Das hier war keiner ihrer Jagdausflüge gewesen. Sie hatte einen Auftrag gehabt. Sie war nicht mehr Rachel Raspard. Ihr Name war Melinda Ryke. Mother hatte ihr geholfen, in diesem Körper wiedergeboren zu werden. Sie war nicht Rachel Raspard, sondern Melinda Ryke.
Sie zögerte. Oder war das nur eine Lüge?
Sie richtete sich auf und taumelte, von ihrem sinkenden Adrenalinspiegel benommen, tiefer in Rages Wohnung hinein. Sie musste sich vergewissern. Schnell fand sie Rages Laptop. Er war bereits eingeschaltet. Das ersparte es ihr, zu versuchen, das Passwort zu knacken.
Sie öffnete den Browser und googelte ihren Namen – falls es denn ihr Name war – Melinda Ryke. Natürlich fand sie sofort den Wikipedia-Artikel über die originale Attentäterin und las ihn sich eilig durch. Alles kam ihr bekannt vor. Die Kindheit, die Jugend, ihr Beitritt in das Syndikat, das Walker-Attentat, sogar ihre Hinrichtung. Sie erinnerte sich an all diese Ereignisse.
Erleichtert atmete sie auf. Sie war tatsächlich Melinda Ryke.
Nur um sicher zu gehen, gab sie einen anderen Suchbegriff ein.
Eine andere Seite öffnete sich. Als Überschrift prangte groß „Le vampire de Bourges“. Sie überflog den Artikel. Niemand wusste, dass Rachel Raspard der Serienmörder war, der von den französischen Medien als Vampir bezeichnet wurde, weshalb nur sehr wenig über sie zu finden war. Trotzdem, jeder Mord, der beschrieben war, die Fotos ihrer Haarsträhnen, die Fotos der Tatorte, sie erinnerte sich daran. Anders, als sie sich an Rykes Leben erinnert hatte. Sie sah das Foto ihres vierten Tatorts und erinnerte sich an den undeutlichen Geruch nach Fisch, der ihr damals aufgefallen war. Sie erinnerte sich an Jean, ihr damaliges Opfer. Er war besonders gewesen. Er hatte sie nicht nur nach Hause gebracht, um mit ihr zu schlafen. Sie erinnerte sich an den sanften Kuss, den er ihr gegeben hatte. Sie erinnerte sich daran, wie sie ihm im Gegenzug die Lippe aufgebissen hatte. Sie erinnerte sich an seine Schreie als sie seine Adern aufgeschlitzt hatte und natürlich an den salzigen Geschmack seines Blutes.
Und sie erinnerte sich an alles andere, jeder Mord, jedes Glas Wein, sie erinnerte sich sogar an Anne, ihre beste Kindheitsfreundin.
Aber wenn sie nicht Melinda Ryke war, warum erinnerte sie sich dann an ihr Leben?
Und wenn sie Melinda Ryke war, warum fühlten sich ihre Erinnerungen dann nicht lebendig an, wie Rachels?
Plötzlich schossen ihre Gedanken zu dem einen Zeitpunkt, an dem sich Rachel und Melinda überschnitten. Das Labor.
Das Labor, das sie als Rachel Raspard betreten hatte – beziehungsweise in das man sie als Rachel getragen hatte, gefesselt und mit Mundschutz versehen – und aus dem sie als Melinda Ryke wieder herausgekommen war.
Mother hatte ihr gesagt, sie haben Melinda nur geholfen, ihren neuen Körper zurückzunehmen, doch das war gelogen gewesen. Es musste gelogen gewesen sein.
In den Jahren – nein, es waren keine Jahre gewesen. Es hatte sich angefühlt wie Jahre, aber es waren nur Wochen vergangen – in dem Labor hatte Mother etwas mit ihr gemacht. Mother hatte ihr neue Erinnerungen eingepflanzt, hatte sie verändert. Mother hatte Rachel Raspard gelöscht und ihr stattdessen Melinda Ryke implantiert.
Doch Mother hatte einen Fehler gemacht. Rachel war zurück. Sie hatte es geschafft, sich selbst zurückzugewinnen.
Doch sie erinnerte sich noch an alles, was sie gesehen und getan hatte, als sie Melinda Ryke gewesen war.
Und mithilfe dieses Wissens würde sie es Mother – und Dystopia – heimzahlen.

Wichtige Charaktere

in der Reihenfolge, in der sie auftauchen.
(Spoiler für die Geschichte)

  • Rachel Raspard, AKA Melinda Ryke, Agentin von Dystopia
  • Miranda Cobie, AKA Rage, AKA Maggie, Ehemalige Agentin von Dystopia

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